Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Halloween füllt ein kulturelles Vakuum"

25.10.2001


Dr. Gunter Hirschfelder ist sich sicher: Der ausgehöhlte Kürbis stellt für die Münchner Weißwurst keine Bedrohung dar (Bild in hoher Auflösung: hier)


Einmal pro Jahr trauen sich in den USA Werwölfe, Vampire und Hexen aus ihren Verstecken, belagern gleich rudelweise die Haustüren der braven Bürger und lassen sich nur durch kalorienreiche Bestechungsgaben von Schlimmerem abhalten. Am 31. Oktober werden auch in Deutschland wieder Lichterketten aus Kürbisköpfen zahllose Halloween-Parties in orangenes Licht tauchen. Dr. Gunther Hirschfelder vom Institut für Volkskunde an der Universität Bonn registriert die zunehmende Begeisterung für Halloween mit Interesse. Seiner Meinung nach füllt das Fest ein kulturelles Vakuum, das durch den Bedeutungsverlust hiesiger Traditionen entstanden ist.

... mehr zu:
»Brauch »Halloween »Vakuum »Volkskunde

Entstanden ist Halloween in Irland aus einem alten keltischen Erntedank-Brauch, dem so genannten "Festival of Samhain" - Samhain war der Fürst des Totenreichs. Die Zeit nach der Ernte war eine Zeit des Überflusses, die gebührend gefeiert wurde. Im Zuge der Christianisierung Irlands übernahm die Kirche den "heidnischen" Brauch, benannte ihn aber um in "All Hallows’ Eve" - den Abend vor Allerheiligen. Verkürzt wurde daraus mit der Zeit "Halloween".

Mitte des 19. Jahrhunderts zwangen Fehlernten zahlreiche Iren, ihr Land zu verlassen. Viele versuchten ihr Glück in Amerika und machten dort unter anderem auch das Halloween-Fest bekannt. In Amerika entstand der Brauch, Kürbisse auszuhöhlen, ihnen eine gruselige Fratze zu verpassen, sie mit einer Kerze von innen zu beleuchten und abends auf Fenstersims oder Balkon zu stellen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Halloween in den USA immer populärer, wozu auch geschäftstüchtige Medien nicht unerheblich beitrugen. "Das Fest hatte aber einen starken Bedeutungswandel durchgemacht", betont Hirschfelder. "Halloween hat heute in den USA ungefähr den gleichen Stellenwert wie hier der Karneval. Wer sich nicht beteiligt, gilt als Partymuffel und wird ausgegrenzt - ein wesentliches Merkmal für einen Brauch."


Im Gegensatz dazu sieht er die Halloween-Begeisterung in Deutschland. "Hier ist Halloween noch ein relativ unverbindlicher Termin, an dem man teilnehmen kann oder auch nicht - also streng genommen noch kein Brauch, obwohl sich das noch ändern kann." Dass das Fest in den letzten Jahren auch in Deutschland so sehr an Popularität gewonnen hat, schreibt er dem "kulturellen Vakuum" zu, das durch den Bedeutungsverlust vieler Traditionen und religiöser Bräuche entstanden sei. "Der Mensch als soziales Wesen sehnt sich nach Traditionen, die sein Leben strukturieren." Andererseits seien Bräuche per se nicht unbedingt etwas Positives: "Häufig dienen sie der Unterscheidung zwischen ’uns’ und ’den Anderen’ und damit der Ausgrenzung."

Der Volkskundler sieht im Phänomen "Halloween" keine Bedrohung regionaler Eigenheiten. In vielen Gegenden sei sogar eine Rückbesinnung auf angestammte Traditionen zu registrieren. Auch die Industrie berücksichtige bei ihren Produkten regionale Unterschiede: "Es gibt mehrere verschiedene Sorten der ’5-Minuten-Terrine’, die jeweils nach ortsspezifischen Vorlieben gewürzt sind", erklärt Hirschfelder und ist sich sicher: "Das Ende der Münchner Weißwurst ist noch fern."


Ansprechpartner für die Medien: Privatdozent Dr. Gunther Hirschfelder, Institut für Volkskunde an der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-2573, E-Mail: g.hirschfelder@uni-bonn.de.

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Brauch Halloween Vakuum Volkskunde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Nano-CT-Gerät liefert hochauflösende Aufnahmen von winzigem Stummelfüßer-Bein
07.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Anwender-Workshops „Laserbearbeitung von Faserverbundwerkstoffen“

20.11.2017 | Seminare Workshops

Hand aufs Herz - was wissen wir über herzgesunde Lebensmittel?

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

20.11.2017 | Materialwissenschaften