Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Metallorganische Verbindungen in der Umwelt: Zwei Millionen DM für DFG-Forschergruppe der Uni Essen

25.10.2001


Zwei Millionen Mark investiert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten zwei Jahren in eine interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppe, die sich Anfang Juli an der Universität Essen konstituiert hat. Die Wissenschaftler wollen "Metallorganische Verbindungen in der Umwelt" aufspüren. Zudem werden sie das von diesen weitgehend noch unbekannten, meist hochgiftigen Stoffen ausgehende Gefahrenpotenzial analysieren und Konzepte zur Bewältigung des Risikos entwickeln. Sprecher der neuen DFG-Forschergruppe ist Dr. Alfred Hirner, Professor für Umweltanalytik und Angewandte Geochemie an der Universität Essen.



Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts klärte der Engländer Frederick Challenger den Prozess der Biomethylierung auf. Eine Gesetzmäßigkeit, die den ersten Blick auf ein breites Spektrum giftiger Verbindungen freigab. Sie werden vom Menschen geschaffen, oder sie entstehen auf natürliche Weise - durch die Verwandlung von Metallen und Kohlenwasserstoffen in metallorganische Verbindungen mit Hilfe von Mikroorganismen. Durch diesen Prozess werden die metallorganischen Verbindungen in der Umwelt mobil und können sich in der Nahrungskette anreichern; bis sie am Ende den Menschen erreichen.



Rund zwanzig solcher metallorganischen Verbindungen wurden in den nächsten sechs Jahrzehnten als Forschungsergebnisse verschiedener Arbeitsgruppen bekannt; inzwischen sind es nahezu fünfzig, und das ist weitgehend dem Umweltanalytiker Alfred Hirner zu verdanken. Als er 1990 den Ruf auf die neu geschaffene Professur für Umweltanalytik an der Universität Essen annahm, kam er mit dem erklärten Ziel, möglichst viele der metallorganischen Verbindungen in der Natur zu identifizieren. Den halben Weg hat Hirner wohl geschafft, denn die Zahl der auf natürliche Weise entstehenden metallorganischen Verbindungen schätzt er auf "etwa hundert".

"Wir haben hier", erzählt Hirner, "eine Methode entwickelt, die es erstmals ermöglicht, metallorganische Verbindungen in kleinsten Mengen nachzuweisen." Nun müsse der Öffentlichkeit die Bedeutung und Bewertung der Befunde vermittelt werden. Beiden Aufgaben will sich die Forschergruppe stellen. Beteiligt sind Hirners Fachbereichskollegen Heinz Rehage und Reinhard Zellner (beide Vertreter der Physikalischen Chemie), der Mikrobiologe Reinhard Hensel und der Genetiker Günter Obe. Aus dem Universitätsklinikum kommt der Arbeitsmediziner Albert Wolfgang Rettenmeier und aus dem Forschungszentrum Jülich für die Analytische Chemie Hendrik Emons. Schließlich sind auch drei Neurologen des Universitätsklinikums Münster beteiligt. Aus den DFG-Fördermitteln können acht Doktoranden und Postdoktoranden sowie drei Hilfskräfte bezahlt werden.

Lange Zeit haben Menschen metallorganische Verbindungen selbst produziert: zinnorganische Verbindungen durch zinnhaltige Schiffsanstriche oder "Benzinblei, das es noch immer gibt", sagt Hirner. "Am ehesten", vermutet Hirner, "werden metallorganische Verbindungen auf Abfalldeponien, in Kläranlagen und in der Abfallwirtschaft zu finden sein". Entstehung, Stabilität und Verbreitung der Gifte werden die Physiko-Chemiker und der Mikrobiologe in der Forschergruppe klären, der Genetiker und die Ärzte untersuchen die toxikologischen Effekte - etwa hinsichtlich neurologischer Effekte, Mutagenität und Kanzerogenität. Entscheidende Fragen: Was ist wo vorhanden und gefährlich? Schließlich rückt die Entschärfung der Gefahren ins Zentrum der Arbeit. Hirner vermutet, das sei relativ leicht, wenn man verfahrens- und arbeitsschutztechnische Vorkehrungen richtig und konsequent treffe.

Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83 - 20 85
Weitere Informationen: Professor Dr. Alfred Hirner, Telefon (02 01) 1 83 - 39 50

Monika Rögge | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie