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Ökologische Wiederherstellung von degradierten Weideflächen in Brasilien

26.09.2005


Intakte und frisch gesäuberte Tropenweide. Foto: Stefan Hohnwald


DFG fördert interdisziplinäres Forschungsprojekt in den Agrar- und Geowissenschaften


Wie lassen sich Weideflächen in Brasilien, die durch eine intensive Nutzung schon nach wenigen Jahren "unbrauchbar" geworden sind, sinnvoll neu bewirtschaften? Mit dieser Frage beschäftigen sich Agrar- und Geowissenschaftler der Georg-August-Universität in einem dreijährigen Forschungsprojekt mit dem Titel "Ökologische Wiederherstellung von degradierten Weiden im östlichen Amazonien". Dazu werden die Göttinger Forscher in Zusammenarbeit mit brasilianischen Kollegen verschiedene Bepflanzungs- und Beweidungsversuche durchführen. Außerdem sollen mit Hilfe von Satellitenbildern Ausmaß und räumliche Verbreitung der Degradierungsprozesse ermittelt werden. Ziel der Forscher ist es, derartige Flächen in eine an Naturschutzaspekten orientierte, nachhaltige Weideproduktion oder eine Sekundärwaldbrache zurückzuführen. Für diese Arbeiten stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Fördergelder in Höhe von 200.000 Euro zur Verfügung. Projektleiter ist Prof. Dr. Clemens Wollny, der am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik die Arbeitsgruppe Tierhaltung und Tierzucht in den Tropen und Subtropen leitet. Die Projektkoordination hat Dr. Stefan Hohnwald übernommen.

"Noch immer werden große Gebiete des brasilianischen Regenwaldes in Rinderweiden umgewandelt. Dabei tritt ein Großteil dieser von Kleinbauern angelegten Flächen schnell in einen ökologischen Degradationsprozess ein, der die Weiden bereits nach sieben bis 15 Jahren ,unbrauchbar’ macht. Die Bodenfruchtbarkeit ist schnell erschöpft, Stauden, Sträucher und Bäume verdrängen die Futterpflanzen, hinzu kommen Probleme mit dem Schädlingsbefall", erläutert Dr. Hohnwald. Die Göttinger Wissenschaftler wollen unter anderem durch Bepflanzungsversuche mit proteinreichen und stickstofffixierenden Hülsenfrüchtlern herausfinden, wie sich diese Prozesse frühzeitig verhindern lassen. "Viele Weiden werden ohnehin nur sporadisch genutzt. Gerade hier könnten Gehölzleguminosen ihr hohes Potential bei der Produktion von Biomasse und der Fixierung von Stickstoff ausspielen, da sie ausreichend Zeit haben, um sich zu regenerieren." In einem zweiten Teil des Projektes befassen sich die Forscher mit einem so genannten Cafeteria-Beweidungsversuch, bei dem Rinder und Büffel oder auch Schafe und Ziegen wie bei einem "kalten Büfett" ihre Lieblingsfutterpflanzen frei wählen können, wie Dr. Hohnwald erläutert. Mit ihrem Forschungsprojekt wollen die Agrarwissenschaftler auch dazu beitragen, die Abholzung der Regenwälder einzudämmen. Dr. Hohnwald: "Mit einer erfolgreichen Umstellung der Weidewirtschaft könnten die Kleinbauern auf ihrem Land bleiben und wäre nicht gezwungen, in noch weitere unberührte Regenwaldgebiete vorzudringen."


Von Göttinger Seite sind an dem interdisziplinären Projekt auch die Abteilung Landschaftsökologie unter der Leitung Prof. Dr. Gerhard Gerold und die von Prof. Dr. Holm Tiessen geleitete Abteilung Tropenpflanzenbau am Institut für Pflanzenbau und Tierproduktion in den Tropen und Subtropen beteiligt. Alle Feldexperimente werden auf den Höfen von betroffenen Kleinbauern in der Bragantinaregion durchgeführt. Die deutschen Wissenschaftler arbeiten dabei eng mit brasilianischen Experten der Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária (Embrapa), des nationalen Forschungsinstituts für Landwirtschaft und Viehzucht, zusammen. Deutsche und brasilianische Masterstudenten und Doktoranden sollen in das Projekt eingebunden werden.

Kontaktadresse:
Dr. Stefan Hohnwald
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Kellnerweg 6, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-7074, Fax (0551) 39-3099
e-mail: shohnwa@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de/~uatz

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