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Wissenschaftsrat sieht gute Chancen für hervorragende Forschungszentren

17.07.2001


Der Wissenschaftsrat unterstützt die Absicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die Einrichtung von Forschungszentren an Hochschulen zu fördern. Hierzu hat die DFG im Oktober 2000 ein Programm aufgelegt, mit dem Hochschulen in die Lage versetzt werden sollen, Forschungskapazitäten aufzubauen, wie sie sonst oft nur an außeruniversitären Einrichtungen zu finden sind. Die DFG stellt den Zentren jährlich bis zu 10 Mio. DM zur Verfügung. Für die ersten drei Jahre finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Programm aus Sondermitteln.

Im Rahmen der Forschungszentren finanziert die DFG erstmals auch die Einrichtung neuer Professuren einschließlich ihrer Ausstattung. Ziel des Förderprogramms ist vor allem, die Hochschulen zur Ausbildung eines klaren Forschungsprofils mit erkennbaren Schwerpunkten anzuregen. Dadurch sollen sie als Forschungseinrichtungen an internationaler Konkurrenzfähigkeit gewinnen. Zum anderen soll dem Senat der DFG ein Instrument an die Hand gegeben werden, mit dem er besonders wirkungsvoll und öffentlich sichtbar Forschung auf vielversprechenden Feldern fördern und so selbst gestaltend tätig werden kann.

Der Wissenschaftsrat begrüßt die Einrichtung des neuen Programms insbesondere, weil es die Prioritätensetzung an den Hochschulen unterstützt und damit das bewährte Programm der Sonderforschungsbereiche fruchtbar ergänzt, das die DFG seit 1968 auf Empfehlung des Wissenschaftsrates fördert.

Um die Ziele des Programms möglichst umfassend zu erreichen, hält es der Wissenschaftsrat für erforderlich, daß die DFG die Maßnahmen der Hochschulen zur Schärfung ihres Profils und zur organisatorischen Weiterentwicklung als zentrales Kriterium bei der Begutachtung von Forschungszentren behandelt. Der entschlossenen Bildung neuer Schwerpunkte sollte dabei gegenüber der Konsolidierung vorhandener Stärken Vorrang eingeräumt werden. Durch die Option, mit Mitteln der DFG neue Professuren einzurichten, bieten sich den Hochschulen im Rahmen der Forschungszentren gerade zum Aufbau ergänzender Kompetenzen hervorragende Chancen, die sie unbedingt ergreifen sollten.

Von den Forschungszentren können auch grundlegende Anstöße zu organisatorischen Reformen der Hochschulen ausgehen. Der Wissenschaftsrat regt deshalb an, ein oder zwei Einrichtungen, die darin besonders erfolgreich sind, als "best practice"-Hochschulen auszuzeichnen und so die Ausstrahlung des Förderprogramms auf das System der Hochschulforschung insgesamt zu fördern.

Auch mit dem Programm der Sonderforschungsbereiche unterstützt die DFG die Hochschulen bei der Profilbildung. Der Wissenschaftsrat weist darauf hin, dass Sonderforschungsbereiche die herausgehobene Form der Kooperation von Hochschulforschern untereinander und mit externen Kollegen bleiben, auch wenn die Forschungszentren schon wegen ihrer Größe besondere öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken werden.

Das neue Förderprogramm ist vor allem dazu geeignet, Forschungsgebiete zu fördern, in denen der Einsatz zusätzlicher Mittel zur Bildung großzügig ausgestatteter Forschungseinheiten an Hochschulen einen besonders hohen wissenschaftlichen Zugewinn verspricht. Der Aufbau neuer, bisher in Deutschland noch kaum bearbeiteter Gebiete wird mit ihm dagegen nicht gezielt vorangetrieben werden können. Da an einem Forschungszentrum viele etablierte Wissenschaftler zusammenwirken müssen, ist dafür die Eingangsschwelle zu hoch. Der Wissenschaftsrat stimmt deshalb mit der DFG überein, daß das Programm der Forschungszentren nicht das einzige Mittel sein kann, die DFG zu einer stärker strategisch agierenden Einrichtung der Forschungsförderung zu entwickeln. Er empfiehlt der DFG, den jeweiligen Themen entsprechend flexibel auch kleinere Förderinstrumente aus ihrem Portfolio zum Einsatz zu bringen.


Hinweis: Die Stellungnahme zu den Forschungszentren der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Drs. 4931/01) ist im Netz als Volltext veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates schriftlich oder per E-Mail angefordert werden.

Dr. Dietmar Goll | idw
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaftsrat.de/

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