Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei "Herzen" für die ESS - ESS-Council beschließt neue Targetkonstellation

28.06.2001


Die zwei Herzen der ESS: In den "Targetstationen" links (oben und unten) entstehen die begehrten Neutralteilchen


Die ESS wird zwei "Herzen in ihrer Brust" tragen: Zwei Targetstationen mit insgesamt 40 umfangreichen Messstationen sind geplant. Die beiden Targets "schlagen" in unterschiedlichem Takt: das eine schnell und kurz, das andere gemächlich und mit langen Pulsen. Diese neue Tragetkonstellation beschlossen die Mitglieder des ESS-Councils auf ihrer Juni-Sitzung in England. Die Pläne für die Europäische Spallations-Neutronenquelle, um die sich das Forschungszentrum Jülich bewirbt, nehmen damit immer konkretere Formen an.

Durch die unterschiedlich gepulsten Targets wird die Bandbreite der möglichen Experimente um ein Vielfaches erweitert. Damit trägt das ESS-Council, das namhafte europäische Neutronenforscher und Wissenschaftsmanager vereint, den neuen Anforderungen an Neutronenquellen Rechnung, die sich durch neue Nutzer, insbesondere auf den Forschungsgebieten Biologie, Medizin, Pharmazie, Polymerforschung und Geologie ergeben. Wissenschaftler, die sich mit "weicher Materie" beschäftigen, also "Kunststoffforscher", Biologen und Pharmazeuten, werden bevorzugt mit langen Pulsen arbeiten. Die kurzen Pulse nutzen beispielsweise Materialforscher für keramische oder metallische Werkstoffprüfungen und Geologen.
Damit ist die ESS die weltweit einzige Forschungseinrichtung, die der Wissenschaft sowohl kurze als auch lange Pulse zur Verfügung stellen wird. Möglich wird dies durch eine neuartige Konzeption des Linearbeschleunigers: Koppelt man den Protonenstrahl direkt aus dem Linearbeschleuniger aus, werden langsame Pulse beim Auftreffen auf das Target erzeugt. Schickt man stattdessen den langen Puls in einen engen Speicherring und komprimiert ihn um das Tausendfache, so erzeugt er beim Auftreffen auf das Target kurze Pulse.
Das schnelle Herz - das "short pulse target" - liefert Neutronenpulse im Rhythmus von 50 Hertz. Das bedeutet: alle 0,02 Sekunden erfolgt ein "Klopfzeichen". Ein einzelner Puls dieses Targets wird mit 1,4 Mikrosekunden sehr kurz sein (das entspricht 0,000 0014 Sekunden). Das zweite - long pulse - Target schlägt im Rhythmus von 16 2/3 Hertz: alle 0,06 Sekunden folgt ein Puls auf den anderen. Die Pulslänge ist in diesem Target mit 2,5 Millisekunden (0,0025 Sekunden) sehr viel länger.
Aber nicht nur die technischen Details der ESS wurden in England diskutiert. Auch das weitere Vorgehen wurde nun festgelegt. Demnach soll im Mai 2002 eine europaweite Präsentation der ESS erfolgen. Hierbei werden der breiten Öffentlichkeit, der Politik und den Fachkollegen die wissenschaftlichen und technischen Aspekte, die Kosten, die Organisation sowie der konkrete Zeitplan vorgestellt. Der endgültige Bauplan - der auch eine auf 10 Prozent genaue Kostenabschätzung zulassen wird - soll Mitte 2003 "stehen". Die politische Entscheidung über den Bau und den endgültigen Standort der ESS könnten dann die europäischen Regierungen Ende 2003, spätestens Anfang 2004 fällen. Mit diesem Zeitablauf wäre gewährleistet, dass die ersten Neutronen der ESS im Jahr 2010 fließen.
Auch die Finanzierung der ESS wurde während des Council-Treffens in England eingehend diskutiert. Es gelte zu bedenken, betonten die beteiligten Wissenschaftler, dass in den kommenden Jahren mehrere Neutronenquellen altersbedingt abgeschaltet werden müssten. Die hier eingesparten und frei werdenden Gelder könnten teilweise in die Finanzierung und den Betrieb der ESS mit einfließen.
Das zentrale ESS-Projekt-Team, das seinen Sitz in Jülich hat, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten insbesondere auf die Kosten- und Infrastrukturfragen, Sicherheits- und Zulassungsaspekte sowie die weitere Projektplanung konzentrieren.

Peter Schäfer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/oea/PM2001/2001-31-ESS-Council.html

Weitere Berichte zu: ESS ESS-Council Linearbeschleuniger Target

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf
20.04.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Bionik-Forschungsvorhaben untersucht mechanische Eigenschaften von Außenskeletten
26.03.2018 | Hochschule Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics