Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interdisziplinäres Forschungsprojekt "Einheitliche Werte in der Sprachenvielfalt Europas"

08.12.2004


Startförderung der VolkswagenStiftung für Projekt von Indogermanistin der Universität Jena



Verstehen uns unsere polnischen oder französischen Nachbarn genau, wenn wir von "Freiheit" reden? "Freiheit" kann ja als Religionsfreiheit, Freiheit von Ausbeutung in einem marxistischen Kontext, als Meinungs- oder Versammlungsfreiheit aber auch Freiheit des Handelns (Abwägen von Einzel- und Allgemeininteresse) verstanden werden. Doch lässt sich diese Bedeutungsvielfalt jemandem vermitteln, der eine andere Sprache spricht, einen anderen soziokulturellen Hintergrund hat? Sprechen wir wertebegrifflich gesehen in Europa dieselbe Sprache? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein neues interdisziplinäres Forschungsprojekt, das Prof. Dr. Rosemarie Lühr von der Friedrich-Schiller-Universität Jena initiiert hat.



Jetzt hat die VolkswagenStiftung der Indogermanistin eine Startförderung von 60.000 Euro bewilligt. Im Rahmen des Schwerpunktes "Einheit in der Vielfalt? Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas" fördert die Stiftung Vorhaben, die die Vielfalt und Heterogenität des östlichen Europas mit seinen Bezügen und Verbindungen zu Westeuropa beleuchten.

"In Kooperation mit Sprachwissenschaftlern, Ethikern und Soziologen aus West- und Osteuropa sollen die einschlägigen Normen- und Wertbegriffe in ausgewählten Sprachen untersucht werden", erklärt Prof. Rosemarie Lühr. Die Ausdrücke haben, wie man an dem Eingangsbeispiel nachweisen kann, je nach Landessprache verschiedene Bedeutungsbestandteile, die sich auch aus der Begriffsgeschichte ergeben. So müssten in Osteuropa die an der marxistischen Philosophie orientierten Normen- und Wertbegriffe im Zuge der Demokratisierung oft neu gefüllt werden, sagt die Sprachwissenschaftlerin von der Uni Jena.

"Doch auch die aktuellen Debatten über Wertewandel, -verlust und -pluralismus in Westeuropa zeigen, dass es selbst innerhalb eines Sprachraumes keine Homogenität der Begriffe gibt, die Normen und Werte beschreiben", erklärt Lühr den Forschungsbedarf. "Unser Ziel ist es daher, die ethisch, religiös, historisch, politisch, sozial und kulturell bedingten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Wertbegriffe aufzudecken." Denn diese ,Einheit in der Vielfalt’ sei schließlich die Voraussetzung und Grundlage des erweiterten Europas. So hoffen die beteiligten Wissenschaftler zum Verständnis im doppelten Sinne des Wortes für die unterschiedlichen politischen, ökonomischen, sozialen und mentalen Erfahrungen und Traditionen beizutragen, die die Entwicklung Europas prägten und prägen.

Ihre Ergebnisse wollen die Forscher in Form eines Handbuchs und einer Datenbank vermitteln, in denen die Schlüsselwörter der ost- und westeuropäischen Wertebegriffe in ihren interkulturellen Kontext gestellt werden. Stellvertretend für Osteuropa werden das Russische, Polnische, Litauische und Tschechische behandelt. Aus dem südöstlichen Teil kommen Rumänisch, Albanisch und das Griechische hinzu. Für Westeuropa werden die für die EU wichtigen Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch zum Vergleich herangezogen. Alle diese Sprachen sind der indogermanischen Sprachfamilie zuzurechnen und stammen letztlich von einer gemeinsamen Grundsprache ab. "Da die Indogermanistik als historisch-vergleichende Sprachwissenschaft generell die genetische Verwandtschaft der im Projekt verankerten europäischen Sprachen untersucht, ist sie für solch ein Vorhaben von europäischem Rang prädestiniert", betont Lühr.

Kontakt:

Prof. Dr. Rosemarie Lühr
Lehrstuhl für Indogermanistik der Universität Jena
Zwätzengasse 12, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 944380
E-Mail: rosemarie.luehr@uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Indogermanist Kontext Wertbegriff Westeuropa

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE