Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rätselraten um mysteriösen Mumienfund aus Pakistan

21.06.2001



Ist Dr. Gerhard Morgenroth, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Wolfgang Kretschmer am Lehrstuhl für Experimentalphysik (Inhaberin: Prof. Dr. Gisela Anton), einem Mordfall auf die Spur gekommen? Stammen die von ihm im 14C-Labor der Universität Erlangen-Nürnberg untersuchten Proben einer vermeintlich 2500 Jahre alten Mumie aus Pakistan von einer Frauenleiche, die vor zwei Jahren grausam ermordet wurde? Die Anzeichen verdichten sich, letzte Klarheit erwartet der Erlanger Wissenschaftler in wenigen Wochen.

Zur Vorgeschichte: Die Entdeckung einer Mumie in Pakistan vor einem Jahr galt als archäologische Sensation, die weltweit durch die Medien ging. Die Mumie wurde von der Polizei beschlagnahmt und kam in das pakistanische Nationalmuseum nach Karachi. Dort wurde sie unter der wissenschaftlichen Leitung von Frau Dr. Asma Ibrahim1 untersucht.

Ihr Ergbnis: Ähnlich wie bei ägyptischen Mumien üblich befindet sich der Leichnam in einem doppelten Sarg, einem inneren aus Stein und einem äußeren aus Holz. Die Frauenmumie trägt eine Krone aus Gold und eine goldene Brustplatte mit einer altpersischen Inschrift, die sie als Ruduamna, die Tochter von Xerxes - er lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. - ausweist. Eine Untersuchung der Mumie mittels Computertomographie ergab, dass es sich um eine 20- bis 40-jährige Frau handelt, bei der Hüftknochen und Rücken gebrochen sind. Auffällig ist insbesondere, dass der Frau offensichtlich vor ihrem Tod die Zähne ausgerissen wurden2.

Zur Bestätigung der Echtheit und des Alters der Mumie wurden Proben aus einem Tuch und der Bastmatte der Mumie zur Radiokarbondatierung (14C) an das Deutsche Archäologische Institut nach Berlin geschickt. Diese Proben wurden aufgrund der zu geringen Probenmengen an das 14C-Labor der Universität Erlangen-Nürnberg zur weiteren Bearbeitung und Datierung weitergeleitet.

Die im März dieses Jahres von Dr. Morgenroth durchgeführten 14C-Messungen am Erlanger Tandembeschleuniger zeigten, dass sich in den Proben ein deutlich überhöhter 14C-Gehalt befindet. "Dieser Wert läßt sich nur aus den oberirdisch durchgeführten Kernwaffentests in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erklären. Die von uns untersuchten Materialen können somit höchstens 40 bis 50 Jahre alt sein", so Dr. Morgenroth. Daraufhin unterzog der Erlanger Physiker die Daten einer genaueren Analyse und konnte das Alter der untersuchten pflanzlichen Proben einem Zeitraum zwischen 1958 und 1960 oder 1992 und 1994 unserer Zeitrechnung zuordnen. "Somit stellten sich zumindest die zur Mumie beigelegten Materialien als Fälschung heraus," konstatiert Dr. Morgenroth.

In der Zwischenzeit sind in Pakistan weiter Hinweise aufgekommen, dass es sich bei der Mumie um eine sehr aufwendige Fälschung handelt und dass die Mumie an sich nicht älter als zwei Jahre sein kann.

Im Erlanger Labor werden zur Zeit Knochen und Muskelgewebe der eigentlichen Mumie vorbehandelt, um sie innerhalb der nächsten Wochen exakt datiert werden können. "Diese Messungen werden dann letztendlich zeigen, wie alt die Frauenleiche wirklich ist," verspricht Dr. Morgenroth. Dies ist insofern wichtig, da es sich nun anstatt einer archäologischen Sensation eventuell um einen Mordfall handelt3.


* Weitere Informationen:

... mehr zu:
»Mumie »Pakistan

Dr. Gerhard Morgenroth, Lehrstuhl für Experimentelle Physik
Erwin-Rommel-Str. 1, 91058 Erlangen
Tel.: 09131/85 -27119, FAX: 09131/15249

E-Mail: morgenroth@physik.uni-erlangen.de


Quellen:
1 Dr. Asma Ibrahim, Curator, National Museum of Pakistan,
Internetseite mit Informationen zur Mumie: http://www.geocities.com/dr_asma2001/

2 The mystery of the mummy by Dr. Asma Ibrahim, The archaeological review, 2000-2001, Karachi, Pakistan

3 Artikel in der Independent (London) vom 17.05.01

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.geocities.com/dr_asma2001/

Weitere Berichte zu: Mumie Pakistan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie