Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaforscher untersuchen Dunstschicht über der Arktis

19.05.2004


Polar 2 und Polar 4 in Longyerabyen, Foto: Jürgen Graeser/AWI


Kombinierte Messkampagne mit Flugzeugen, Satelliten und am Boden


Ein internationales Team von Wissenschaftlern untersucht zurzeit eine Dunstschicht, die sich jedes Frühjahr über der Arktis ausbreitet. Diese Luftschicht enthält Aerosole, deren Ausbreitung in der abgasfreien Arktis zu einer Belastung führt, wie sie sonst nur über Industriegebieten auftritt. Eine der wichtigsten Fragen ist die nach einer möglichen direkten und indirekten Wirkung auf das Klima. Aerosole sind Schwebstoffe in der Luft, die durch Aufnahme oder Reflektion der Sonneneinstrahlung das Klima direkt beeinflussen. Als Kristallisationskeime können sie außerdem die Entstehung von Wolken auslösen und so indirekt auf das Klima einwirken. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung fanden schon im Frühjahr 2000 heraus, dass die Konzentration der Schwermetalle Blei und Cadmium in dem arktischen Dunst im Vergleich zur klaren Polarluft im Sommer um das Drei- bis Fünffache erhöht ist. Die Konzentration im Frühjahr ist vergleichbar mit der in Mitteleuropa, obwohl es in der Arktis kaum vom Menschen verursachte Aerosolquellen gibt. Die Verschmutzung der arktischen Atmosphäre hat offensichtlich ihren Ursprung in den weit entfernten Industrieregionen.

Flugzeugmessungen


Unter Führung des Alfred-Wegener-Instituts und des japanischen Polarforschungsinstituts (National Institute for Polar Research, NIPR) erforscht ein internationales Konsortium von verschiedenen Stationen aus das Phänomen des arktischen Dunstes. Das Ziel des aktuellen Projektes ASTAR 2004 (Arctic Study of Tropospheric Aerosol, Clouds and Radiation) ist die genaue Erfassung dieser Luftschicht im Übergang vom arktischen Frühling zum arktischen Sommer. Die Messungen sind nur möglich mit Hilfe der beiden Polarflugzeuge "Polar 2" und "Polar 4" des Alfred-Wegener-Instituts, die von Longyearbyen auf Spitzbergen aus eingesetzt werden. Der Flugbetrieb wird durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt. Die Betreuung der wissenschaftlichen Systeme erfolgt durch Optimare Sensorsysteme AG Bremerhaven. Die Flugzeuge sind mit einer Vielzahl von Geräten bestückt, mit denen die Eigenschaften der Aerosole, sowie deren Wechselwirkung mit Wolkenteilchen erfasst werden. In "Polar 4" sind Messsysteme zur optischen, mikrophysikalischen und chemischen Bestimmung der Aerosolkonzentrationen installiert. In "Polar 2" sind Systeme zur Bestimmung der mikrophysikalischen Eigenschaften von Wolkenteilchen eingebaut, sowie das neue Licht-Radar (AMALI) System zur Fernerkundung der Aerosolverteilung in der unteren Troposphäre. Die weiteren Untersuchungen werden später am Alfred-Wegener-Institut mit Modellrechnungen durchgeführt.

Netzwerk aus Bodenmessungen und Satellitenbeobachtungen

Um die Komplexität des arktischen Dunstes erfassen zu können, finden parallel zu den Flugzeugmessungen in Ny-Ålesund auf Spitzbergen, dem Standort der deutsch-französischen Arktis-Station, der japanischen Station und norwegisch-schwedischen Bergstation gleichartige Messungen am Boden statt. Weitere Messungen werden an der polnischen Polarstation im Hornsund auf Spitzbergen, an der finnischen Station in Pallas Sodankylae (Finnland) sowie in Point Barrow, Alaska (USA) durchgeführt. Außerdem werden die Daten zur Ergänzung der NASA- und ENVISAT- Satellitenprojekte herangezogen. Diese unterstützen die ASTAR-Wissenschaftler wiederum durch aktuelle regionale Satellitendaten.

Die diesjährige, sechswöchige Messkampagne steht in einer Reihe von Kampagnen, die seit dem Jahr 2000 stattfinden. Im nächsten Jahr ist eine weitere Flugzeugkampagne im März/April in der Arktis geplant. Das ASTAR-Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem japanischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur, dem schwedischen Polar-Sekretariat und dem französischen Polarforschungsinstitut (IPEV) im Rahmen der gemeinsamen deutsch-französischen Arktisstation unterstützt. Die Messkampagne wird am 15. Juni zu Ende gehen.

Am 17. Juni kehren die AWI-Flugzeuge "Polar 2" und "Polar 4" nach Bremerhaven zurück.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de
http://www.innovations-report.de/html/profile/profil-412.html

Weitere Berichte zu: Aerosol Arktis Dunst Luft- und Raumfahrt Messkampagne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Placebo-Effekt hilft nach Herzoperationen
11.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik