Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychische Erste Hilfe beim Überbringen von Todesnachrichten

29.05.2001


Das Überbringen von Todesnachrichten ist für die Boten wie den Empfänger ein Moment größter Belastung. Für die Hinterbliebenen stellt eine solche Nachricht in der Regel eine besonders schwere Situation in ihrem Leben dar. Wird sie unangemessen überbracht, kann dies zu einer zusätzlichen Traumatisierung führen. In diesem Kontext hat Prof. Dr. Frank Lasogga von der Universität Dortmund Überbringer und Empfänger von Todesnachrichten intensiv befragt und aus den Ergebnissen Leitlinien zur Psychischen Ersten Hilfe beim Überbringen von Todesnachrichten erstellt.


Das Ziel ist, den Beteiligten konkrete Hilfestellungen in ihrer jeweiligen Situation zu ermöglichen. Um empirisch abgesicherte Erkenntnisse zu erhalten und angemessene bzw. unangemessene Verhaltensweisen aufzuzeigen, wurden im Rahmen des Projekts "Psychische Erste Hilfe" mehr als 170 Überbringer von Todesnachrichten befragt. Dabei handelte es sich um verschiedene Themenbereiche. Die Fragen lauteten unter anderem "Wie reagieren die Empfänger? Gibt es Unterschiede, wenn die Nachricht überraschend ist?", "Was sagen sie? Welche verbalen Verhaltensweisen sind günstig? Welche verbalen Verhaltensweisen sind ungünstig?" und "Was sind typische Fehler von Überbringern?".

Gleichzeitig wurden auch 47 Empfänger von Todesnachrichten interviewt. Hier lag der Schwerpunkt auf thematischen Inhalten wie "Wer hat die Nachricht überbracht? Wie hat sich der Überbringer verhalten?", "Was war ihre erste Reaktion? Was war ihr erster Gedanke?" und "Was hat der Überbringer gesagt? Was war daran gut? Was war nicht gut?".

Die Ergebnisse zeigen, dass die Betroffenen sehr unterschiedlich reagieren. Das Spektrum reicht von Weinen, Entsetzen und Fassungslosigkeit bis hin zur Hilflosigkeit und Verzweiflung.

Aber auch ungläubige, lethargische, apathische und sogar aggressive und wütende Reaktionen wurden genannt. Das diese so unterschiedlich ausfallen, ist nicht erstaunlich. Eine ganze Anzahl von Faktoren trägt dazu bei, beispielsweise ist die Beziehung zu dem Toten unterschiedlich gewesen. Auch die Persönlichkeit der Empfänger unterscheidet sich stark. So werden auch in dieser Situation gewohnte Verhaltensweisen beibehalten: Eine Person, die sich immer stark kontrolliert, wird selbst unter diesen Bedingungen eher dazu neigen, sich kontrolliert zu verhalten.

Bedeutsam ist auch, ob der Tod überraschend eingetreten ist wie beispielsweise nach einem Verkehrsunfall oder nach längerer schwerer Krankheit. Davon unabhängig sollte sich der Überbringer grundsätzlich bewusst sein, dass sich die Betroffenen in einem Ausnahmezustand befinden und einfühlsam und behutsam vorgehen.

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass das größte Problem beim Überbringen von Todesnachrichten die Zeit ist. Eile und Hektik, die aufgrund von Zeitdruck zustande kommen, sind bei einem derartig gravierenden Ereignis völlig unangemessen. So sollte mindestens eine halbe Stunde und ein Zeitpuffer von zwei bis drei Stunden eingeplant werden.

Zusätzlich zu den Ergebnissen der Interviews wurden Fachliteratur und Hinweise von Organisationen hinzugezogen, um fundierte allgemeingültige Leitlinien zur "Psychischen Ersten Hilfe" beim Überbringen von Todesnachrichten erstellen zu können. Die Kenntnis dieser Regeln kann den Betroffenen dabei helfen, mit dieser schwierigen Krisensituation umzugehen.

Klaus Commer | idw

Weitere Berichte zu: Empfänger Todesnachricht Verhaltensweise Überbringen Überbringer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten