Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni-Klinikum Jena baut neues Biomagnetisches Zentrum auf: Winzige Herzströme werden messbar

17.05.2001


Eines der europaweit modernsten Biomagnetischen Zentren baut die Universität Jena derzeit am Standort des neuen Klinikums in Jena-Lobeda auf. Kernstück ist eine rund zwölf Quadratmeter große Laborkammer, die
mittels zentimeterdicker Platten aus einer Spezial-Eisenlegierung gegen elektromagnetische Störquellen von der Außenwelt abgeschirmt wird. Darin erhält ein neuartiges Magnetokardiographie-Gerät seinen Platz, das mit seinen 300 - statt der bisher üblichen 31 - Kanälen als das derzeit weltweit modernste gilt.

Damit wird es erstmals möglich, kleinste Magnetfelder über drei Sensoren pro Messpunkt vektoriell für eine so große Anzahl von Kanälen darzustellen, das heißt: feinste elektrische Ströme in ihrem Verlauf und ihrer Flussrichtung darzustellen. Gerät und Kammer kosten rund drei Millionen Mark. Die Jenaer Wissenschaftler, die seit einigen Jahren in der Magnetokardiographie mit einem Vorläufergerät arbeiten, benutzen diese Technik für die Diagnostik bei schwer herzkranken Patienten sowie in der neurologischen und neurochirurgischen Grundlagenforschung.

"Der Herzschlag wird durch ein fein verästeltes Nervensystem gesteuert", erklärt Dr.-Ing. Jens Haueisen, Leiter des Biomagnetischen Zentrums. "Dessen elektrische Impulse verursachen kleinste Magnetfelder im Pico-Tesla-Bereich, die wir mit unserem Gerät messen können." Jedes elektrische Haushaltsgerät - schon eine einfache Glühbirne - erzeugt im Betrieb eine Million mal stärkere Felder. Diese Störquellen schirmt aber die Spezialkammer ab; selbst das Magnetfeld der Erde hat nur noch einen minimalen Einfluss.

"Die Untersuchung geschieht für den Patienten einfach, berührungsfrei und ohne jede Belastung für den Körper", erklärt Haueisen. "Wir können damit zum Beispiel Defekte im Reizleitersystem des Herzens als Ursache von Herzrhythmusstörungen genau lokalisieren oder nach einem Herzinfakt überprüfen, welche Herzmuskelareale noch reaktivierbar sind - etwa durch eine Bypass-Operation." Rund 250 Patienten werden jährlich derzeit im Biomagnetischen Zentrum der Uni Jena untersucht, mit dem neuen Gerät in Lobeda sollen es doppelt so viele werden.

In der Forschung gilt Jena als eines der bedeutenden Zentren in Deutschland. Republikweit werden nur etwa 20 ähnliche Einrichtungen betrieben. Folgerichtig wurde jetzt auch der nächste Weltkongress Biomagnetismus im nächsten Jahr nach Jena vergeben.

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Jens Haueisen
Leiter des Biomagnetischen Zentrums am Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/935338, Fax: 935355
E-Mail: haueisen@biomag.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Dr. Wolfgang Hirsch
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
D-07743 Jena
Telefon: 03641 · 931030
Telefax: 03641 · 931032
E-Mail: roe@uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

Weitere Berichte zu: Biomagnetisch Magnetfeld Störquelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften