Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wipfelsturm für die Forschung

24.04.2001



... mehr zu:
»Baumkrone »Kran »Kronenraum »Regenwald
Förmlich "auf´s Dach" werden zukünftig Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle sowie zahlreiche andere Projektpartner dem Leipziger Auwald steigen.
Mittel zum Zweck ist dabei ein 40 Meter hoher Kran, der im Nordwesten Leipzigs, im Naturschutzgebiet Burgaue, errichtet wurde.
In Mitteleuropa startet damit das dritte "Kranprojekt". Es ist jedoch insofern einzigartig, als es der erste Kran in einem artenreiche, naturnahen Wald ist, der auf einer Schiene (120 Meter) bewegt werden kann, was die in situ-Erforschung (im Kronenraum selbst) der Baumkronen auf 1,6 Hektar möglich macht.

Warum Forschung im Kronendach?
Wichtige Lebensvorgänge eines Wald-Ökosystems spielen sich in den Baumkronen ab. Beispielsweise finden dort zahlreiche Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen oder klimatische Prozesse an der Grenzschicht zwischen Kronendach und Atmosphäre statt. Über diese Prozesse ist bei einheimischen Wäldern bisher wenig bekannt. Weit besser untersucht sind dagegen die Baumkronen tropischer Regenwälder, die seit zirka 15 Jahren Gegenstand der Forschung sind und wo es mittlerweile einige Beobachtungssysteme (Leitern, Türme, Hängebrücken und Kräne) gibt.
Diese Lücke soll nun das Leipziger Projekt, das auf 10 Jahre angelegt ist, schließen. Der Leipziger Auwald weist eine besondere Eignung für die ökologischen Untersuchungen auf, da er naturnah und sehr struktur- und artenreich ist. Seine Stadtnähe ist nicht nur logistisch von enormem Vorteil, sondern eröffnet außerdem die Möglichkeit, mehr über seine Bedeutung für das Stadtklima zu erfahren. Ferner will man durch Langzeitmessungen und -beobachtungen der abiotischen (Klima, Boden) und biotischen Komponenten (Pflanzen, Pilze, Tiere) sowie deren Wechselwirkungen:
- neue Erkenntnisse zur ökologischen Funktion des Auwaldes gewinnen,
- die Reaktion der Bäume auf Schadstoffe aus der Umwelt besser verstehen,
- eine Einschätzung der Belastbarkeit des Waldes leichter ermöglichen,
- die Biodiversität des Auwaldes besser und im Detail quantifizierbar machen sowie
- die Bedeutung des Auwaldes für den Klimaschutz und die lokale Lebensqualität besser ein-schätzen lernen.
Ziel ist es, so viele Erkenntnisse wie möglich - ganz praxisnah - in Empfehlungen für die forstliche Nutzung und den Naturschutz einfließen zu lassen.

Die Wissenschaftler erwarten aber auch Antworten auf solch konkrete Fragen, wie:
- Wirkt der Luftschadstoff Ozon auf die Blätter im Kronenrandbereich anders als auf solche im Kroneninneren ?
- Haben Ameisen im Kronenraum des Auwaldes eine ähnliche Schutzfunktion wie im Kronen-raum des amazonischen Regenwaldes ?
- Haben Mutationen im Zellgewebe alter Bäume eine Bedeutung für die Überlebensfähigkeit der Nachkommenschaft ?

Was macht die Kranmethode so attraktiv?
Unter Leitung von Professor Wilfried Morawetz, dem Initiator und wissenschaftlichen Koordinator des Leipziger Projektes, wurde bereits 1995 am oberen Orinoko im Süden Venezuelas ein ähnliches Projekt (Surumoni-Projekt) durchgeführt, bei dem die Ökologie des Kronenraumes eines tropischen Regenwaldes im Mittelpunkt stand. Er fasst die Vorteile der "Kranmethode" wie folgt zusammen:
"Durch die Beobachtungsgondel können auch die äußersten Spitzen jedes Baumes, das Innere der Krone und auch unter Abschnitte weitgehend störungsfrei beobachtet werden. Tiere registrieren im allgemeinen die Gondel nicht als Störung oder Fremdkörper, da sie einen Kran in ihrer evolu-tionären Entwicklung nicht "einprogrammiert" haben."
Auch inhaltlich ist ein Vergleich zwischen beiden Projekten möglich, da "Auwälder unter den Waldtypen Mitteleuropas zu den Biotopen zählen, die dem Regenwald am ähnlichsten sind", so Morawetz.

Kosten des Projektes
Finanziert wird das Projekt vom Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig - die Installation des Krans und die vorbereitenden Arbeiten kosteten zirka 700.000 DM. Der Kran wurde von der Firma Liebherr (Bieberach) gesponsort und das Gelände von der Stadt Leipzig zur Verfügung gestellt.

Pressegespräch
Am 8. Mai um 12.00 Uhr findet am Auwaldkran vor Ort ein Pressegespräch statt. Neben dem Rektor der Universität Leipzig, Prof. Volker Bigl, haben der Bürgermeister der Stadt Leipzig, Holger Tschense, der wissenschaftliche Geschäftsführer des UFZ, Prof. Peter Fritz und natürlich eine ganze Reihe von Wissenschaftlern und Projektmitarbeitern ihr Kommen zugesagt, um mit Ihnen zu diskutieren.

Susanne HufeA | idw

Weitere Berichte zu: Baumkrone Kran Kronenraum Regenwald

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie