Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geographische Herkunft und genetische Differenzierung des Großen Tauwurms

08.04.2004


Forschungsprojekt zur nacheiszeitlichen Verbreitung der Regenwurmart Lumbricus terrestris


Unter Experten gilt der Lumbricus terrestris als "Ingenieur der Bodenfruchtbarkeit"



Unter Experten gilt der Lumbricus terrestris als "Ingenieur der Bodenfruchtbarkeit". Der Einfluss dieser Regenwurmart auf den Zustand des Bodens, der Pflanzen und anderer Organismen wurde bereits intensiv erforscht. Nun wird an der Universität Göttingen unter der Leitung des Bodenbiologen Dr. Martin Potthoff untersucht, ob sich die jeweilige geographische Herkunft des Großen Tauwurms aus verschiedenen Regionen Europas und seine Anbindung an unterschiedliche Lebensräume in genetischer Differenzierung widerspiegelt. Damit wollen die Forscher klären, ob der Große Tauwurm als geschlossene Art nach der letzten Eiszeit nach Norden gewandert und immer wieder erfolgreich in unterschiedliche Lebensräume eingedrungen ist oder ob es mehrere Unterformen mit eindeutiger Habitatanbindung gegeben hat, die unabhängig voneinander migriert sind. Die Forschungsergebnisse sollen neue Hinweise zur Bewertung der funktionellen Diversität von Bodentieren liefern und zur Aufklärung der nacheiszeitlichen Migrations- und Evolutionsabläufe beitragen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die zunächst zweijährigen Forschungsarbeiten, die jetzt an der Universität Göttingen aufgenommen wurden, mit 150.000 Euro.



Der Große Tauwurm, einer der wichtigsten Vertreter der Bodenmakrofauna, hat sein angestammtes Verbreitungsgebiet in Zentraleuropa, ist aber auch in andere Erdteile "verschleppt" worden. Von besonderem wissenschaftlichen Interesse ist nach Angaben von Dr. Potthoff, ob und wie sich die genetische Variabilität des Lumbricus terrestris von Italien nach Schweden und von Ungarn nach Irland ausdrückt. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die ökophysiologischen Leistungen, die die einzelnen Populationen kennzeichnen, erläutert der Wissenschaftler vom Institut für Bodenkunde und Waldernährung (IBW). Dr. Potthoff geht von der Arbeitshypothese aus, dass sich der Große Tauwurm in verschiedene Subtypen gliedert, die sich bestimmten Landnutzungsformen zuordnen lassen und die unabhängig voneinander in den Norden wanderten, wobei sich ihre Anpassung an die Eigenschaften der jeweiligen Habitate in der genetischen Differenzierung zeigt. Diese Unterschiede der Populationen sollen unter anderem durch molekulargenetische Untersuchungen mit molekularen Markern und der Analyse von Gensequenzen überprüft werden.

Das interdisziplinär angelegte Forschungsvorhaben ist eine Kooperation des IBW mit dem Göttinger Institut für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung, an der Dr. Oliver Gailing und Prof. Dr. Reiner Finkeldey (Genetik) sowie Prof. Dr. Fritz Beese und PD Heiner Flessa (Bodenkunde) mitwirken. Beteiligt sind außerdem der Evolutionsökologe Prof. Dr. Nico Michiels aus Münster und eine Reihe weiterer Institutionen in Deutschland und dem europäischen Ausland. Bis Ende letzten Jahres hat Dr. Potthoff an der University of California in den USA über bodenökologische Faktoren im Kohlenstoffhaushalt von Grasland geforscht.


Kontaktadresse:
Dr. Martin Potthoff
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Institut für Bodenkunde und Waldernährung
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-12106, Fax (0551) 39-3310
e-mail: mpottho1@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de/~mpottho1

Weitere Berichte zu: Bodenkunde Differenzierung Lebensraum Lumbricus Tauwurm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Fake News finden und bekämpfen
17.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie