Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch in Weltraumstationen: Befall von Mikroorganismen

08.04.2004


Bremer Bodenkundler und Mikrobiologen suchen mit neuer Methode nach Auswegen



Der Mensch gibt täglich mehrere Liter Flüssigkeit über die Haut ab: auf der Erde ebenso wie im Weltraum, etwa in der Raumstation ISS. Durch diese Ausdünstungen schaffen die Astronauten "klimatische Bedingungen", die dazu führen, dass sich an einigen Oberflächen der Raumstation Mikroorganismen ansiedeln. Dieser kaum wahrnehmbare Vorgang trägt dazu bei, dass Materialien der Raumstationen besiedelt und sogar zerstört werden. Gerade für zukünftige große Weltraum-Missionen könnten dadurch unwägbare Risiken entstehen. Wissenschaftler vom Institut für Bodenkunde der Universität Bremen und von der Amtlichen Materialprüfungsanstalt (MPA) Bremen haben sich gemeinsam der Problematik gewidmet - und mit einem neuen methodischen Verfahren Wege aufgezeigt, die Kontaminationen aufzuspüren und weitestgehend einzuschränken.



Die Uni-Wissenschaftler Professor Rolf Tippkötter und der Doktorand Thilo Eickhorst haben zusammen mit ihren Kollegen Dr. Jan Küver und Dr. Andreas Rabenstein der Abteilung Mirobiologie von der Amtlichen Materialprüfungsanstalt Bremen die FISH-Technik (Fluoreszenz in situ Hybridisierung) auf Materialoberflächen übertragen, um eine Besiedlung durch Mikroorganismen nachzuweisen. Durch Gensonden, die mit Fluorochromen markiert sind, lassen sich unter dem Fluoreszenzmikroskop die Mikroorganismen und ihre Verteilung auf den Werkstoffen detektieren und visuell darstellen. Das Besondere der für diese Problematik weiter entwickelten und in diesem Zusammenhang erstmals eingesetz-ten FISH-Methode: Die wissenschaftliche Analyse findet direkt am Gegenstand statt, also an Werkstoffen, die in der Raumfahrt verwendet werden - unabhängig ob direkt exponiert oder in Nischen, in denen beispielsweise Kabel und Kabelbäume verlegt sind. Damit entsprechen die Laborversuche der realen Situation in der Raumstation ISS.

In dieser erfolgreichen Kooperation wurde nachgewiesen, dass die Art des Materials und seine Vorbehandlung entscheidenden Einfluss auf die mikrobielle Besiedlung hat. Mit ihrem Analyse-Verfahren sind die Bremer Wissenschaftler in der Lage, eine materialbezo-gene Risikoabschätzung über mögliche Kontaminationen und Materialzerstörungen (bei-spielsweise Korrosion) in der Raumfahrt zu machen. Gleichzeitig können mit diesem Ver-fahren neue Beschichtungen getestet werden, die eine mikrobielle Besiedlung verhindern sollen.

Die Zukunft der bemannten Raumfahrt, die sicherlich in neue Dimensionen vorstoßen dürfte, wird von den Bremer Erkenntnissen profitieren. Die modifizierte FISH-Methode eignet sich auch für ganz irdische Probleme: beispielsweise um den bakteriellen Befall bei mineralischen Baustoffen herauszufinden - interessant für Bauherren und Bauindustrie.


Weitere Informationen:
Universität Bremen
Zentrum für Umweltforschung und Umwelttechnologie
Institut für Bodenkunde
Prof. Dr. Rolf Tippkötter
Dipl. Geogr. Thilo Eickhorst
Tel. 0421 218 7694
E-Mail eickh@uni-bremen.de

Amtliche Materialprüfungsanstalt Bremen
Teilbereich der Stiftung Institut für Werkstofftechnik
Abteilung Mikrobiologie
Dr. Jan Küver
Dr. Andreas Rabenstein
Tel. 0421 53708 70
E-Mail kuever@mpa-bremen.de

Kai Uwe Bohn | isw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie