Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimafaktor Silizium

12.12.2003


Das zweithäufigste Element der Erdkruste, das Silizium, spielt möglicherweise eine entscheidende Rolle im Klimageschehen. Ein Workshop am ZMT in Bremen zieht eine Bilanz der Forschung der letzten Jahre.





Flussufer und Küsten sind bevorzugte Siedlungsgebiete des Menschen. Die wirtschaftliche Nutzung bzw. Übernutzung der Küsten zieht jedoch massive Umweltprobleme nach sich. Unter anderem gelangen Nitrate und Phosphate, wesentliche Nährstoffe des Phytoplanktons, in Gewässer und führen zu besonders ausgeprägten Algenblüten. In den Küstenmeeren können die Zellkonzentrationen dann mehrere Millionen Zellen pro Liter Wasser betragen. Da die Algen bei der Photosynthese große Mengen des Treibhausgases CO2 aufnehmen, sind sie ein wesentlicher Faktor im Klimageschehen. Die Ozeane gelten als Regulative im CO2-Kreislauf.



Erst in den letzten Jahren ist ein Element in den Blickpunkt geraten, das eine wesentliche Rolle im CO2-Kreislauf zu spielen scheint: Silizium, nach Sauerstoff der zweithäufigste Stoff der festen Erdkruste. So rief das "Scientific Committee on Problems of the Environment (SCOPE)" ein internationales Forschungsprogramm ins Leben, das sich dem Siliziumkreislauf am Übergang zwischen Land und Meer widmet. Am vergangenen Wochenende tagte unter der Leitung des ZMT ein Arbeitskreis von Wissenschaftlern europäischer Forschungseinrichtungen. Ziel ist, aus den bisherigen Erkenntnissen eine Synthese zu erstellen und in einem Sonderband der Fachöffentlichkeit und Entscheidungsträgern zu präsentieren.

Silikate sind ein Hauptbestandteil unserer Gesteine. Durch Verwitterung gelangen sie in Seen und Flüsse. Die gewaltigen Wassermassen der Flussläufe schleusen jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen gelöstes Silizium ins Meer. Dort wird es von Kieselalgen gebunden, die das Silizium in ihre Schale einbauen. Rund drei Viertel des Phytoplanktons bestehen aus den schalentragenden Kleinalgen. Auch die Kieselalgen nehmen CO2 für ihren Stoffwechsel auf. Mit ihrem Silikatpanzer sinken sie schneller als andere Mikroalgen und begraben dadurch einen Teil des gespeicherten Kohlenstoffs in den Sedimenten des Meeresbodens. Man spricht von der "Biologischen Pumpe". Schalenloses Phytoplankton hingegen leitet den größten Anteil des Kohlendioxids bei Verwesung oder durch Einschleusen in die Nahrungskette letztendlich wieder in die Atmosphäre.

Nun mehren sich alarmierende Anzeichen dafür, dass der Silikatkreislauf durch menschliche Eingriffe zunehmend gestört wird. Wie biogeochemische Untersuchungen am Schwarzen Meer vor einigen Jahren zeigten, hat der Bau von Staudämmen weitreichende Konsequenzen für die Küstenökosysteme. "Eiserne Tore" werden die riesigen Dämme genannt, die die Donau an der ehemals rumänisch-yugoslawischen Grenze aufstauen. Als eine der Folgen werden erhebliche Mengen von Silikat auf dem Kontinent zurückgehalten - ein weiterer Beitrag zum befürchteten Klimawandel? Die Forderung nach einem globaleren Forschungsansatz war schließlich der Auslöser für das von SCOPE initiierte Projekt "Land-Ocean Nutrient Fluxes: Silica Cycle".

Ansprechpartner:

Dr. Tim Jennerjahn
Zentrum für Marine Tropenökologie
Fahrenheitstraße 6
28359 Bremen
Tel: 0421 / 23800-44
Email: tim.jennerjahn@zmt-bremen.de

Dr. Susanne Eickhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.zmt.uni-bremen.de

Weitere Berichte zu: CO2-Kreislauf Klimafaktor Phytoplankton SCOPE Silizium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie