Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Spurensuche im Watt

20.08.2003


Das Forschungsinteresse von Ralf Wöstmann, Diplom-Umweltwissenschaftler von der AG Organische Geochemie an der Universität Oldenburg, gilt den "Schwimmenden Torfen" im Untergrund des Wattenmeeres. Er fahndet nach molekularen Fossilien, die Auskunft geben können über die Herkunft terrestrischen Kohlenstoffs in den Sedimenten des Watts.


Das Team bei der Probennahme im Watt


Torf tritt im Watt an die Oberfläche und wird erodiert



Nach der letzen Eiszeit unterlag der Meeresspiegel der Nordsee starken Schwankungen, im nordwestdeutschen Küstenraum bildeten sich ausgedehnte Niedermoore, Übergangsmoore und seltener auch Hochmoore, die später vom Meer teilweise wieder überflutet wurden. Die Überreste dieser Moore liegen heute als "schwimmende Torfe" im Untergrund des Wattenmeeres. Gelangen die Torfschichten - etwa in Prieleinschnitten - wieder an die Oberfläche, werden sie durch Gezeitenströmung, Wellengang oder durch Bohrmuscheln erodiert und in die Wattsedimente eingelagert. Solches 2000 bis 8000 Jahre altes, terrestrisches organisches Material bildet eine Hauptquelle im Kohlenstoffkreislauf des Ökosystems Wattenmeer.



Bei dem Versuch, diese Umlagerungsprozesse besser zu verfolgen und zu verstehen, versagen klassische Methoden wie die botanische Analyse von im Torf enthaltenen Pflanzenresten: viel zu fein wird der erodierte Torf im Sediment verteilt. An der Universität Oldenburg fahndet aus diesem Grund Diplom-Umweltwissenschaftler Ralf Wöstmann von der AG Organische Geochemie nach molekularen (Bio-)Indikatoren, mit denen er selbst hochverdünntes Material den verschiedenen Torfen im Untergrund zuordnen kann.

Die Suche nach den Biomarkern beginnt mit einer Großrestanalyse von Torfproben aus Nieder-, Übergangs- und Hochmooren, die klärt, welche Pflanzen in den verschiedenen Moortypen zur Torfbildung beitragen. Die ausgewählten Kandidaten, z. B. schmalblättriges Wollgras, Schnabelsegge und Flatterbinse, werden am Ende der Wachstumsperiode geerntet. Anschließend wird ihre Lipid-Zusammensetzung mit chromatographischen und massenspektrometrischen Methoden identifiziert und quantifiziert.

Lipid-Moleküle bieten den Vorteil, dass sie nur sehr langsam zersetzt werden und über lange geologische Zeiträume vergleichbare Proben liefern. Als Biomarker eignen sie sich, wenn sie eine Unterscheidung von charakteristischen Pflanzen oder Pflanzenvergesellschaftungen der verschiedenen Moortypen erlauben. Zudem dürfen sich die Verbindungen während der Ablagerung der Pflanze und Diagenese nicht verändern - dies wird anhand der Lipid-Zusammensetzung der entsprechenden Torfe überprüft. Findet man in einer Wattprobe solche Biomarker oder "molekulare Fossilien", kann man sie direkt auf die entsprechenden torfbildenden Pflanzen zurückführen. Dieses Vorgehen wird als Chemotaxonomie bezeichnet.

Zwei Stoffgruppen mit hohem chemotaxonomischem Potential hat Ralf Wöstmann bereits identifiziert: Die Verteilung von in Blattwachsen (n-Alkane) und bei verholzenden Pflanzen (pentacyclische Triterpenoide) vorkommenden Lipiden in einer Probe erlaubt dem Oldenburger Forscher nicht nur zwischen Nieder- und Hochmoortorfen zu unterscheiden. Sie ermöglicht ihm darüber hinaus eine Feinzuordnung etwa zu Schilf-, Seggen- oder Bruchwaldtorfen.

Gefördert wird das von Prof. Dr. Jürgen Rullkötter geleitete Projekt "Küstentorfe" mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).


Kontakt: Ralf Wöstmann, Diplom-Umweltwissenschaftler, ICBM, AG Organische Geochemie, Tel.: 0441/798-3262, E-Mail: r.woestmann@icbm.de


Gerhard Harms | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-oldenburg.de/admin/daten/icbm/ogc/

Weitere Berichte zu: Biomarker Organisch Torf Untergrund Wattenmeer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Placebo-Effekt hilft nach Herzoperationen
11.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie