Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aus für den Führerschein

07.11.2000


Der Konsum von weiteren illegalen Drogen neben dem Ersatzstoff Methadon führt zur Fahruntauglichkeit. Tests zur Verkehrstauglichkeit bei Teilnehmern eines Methadonprogrammes zeigen, dass der sogenannte Beigebrauch verkehrsspezifische Persönlichkeitsmerkmale beeinträchtigt und tiefgreifende Persönlichkeitsstörungen verursacht. Die Abhängigen weisen ein hohes Maß an sozialer Gewissenlosigkeit und Aggressivität auf. Die Selbstkontrolle sinkt und der Fahrstil wird emotionaler und rücksichtsloser. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Klaus Friedrich Höher vom Institut für Rechtsmedizin der Universität zu Köln.

Menschen mit multipler Drogenabhängigkeit sind in der Regel psychisch stärker geschädigt, anfälliger für Depressionen und nur gering körperlich und geistig belastbar. Sie leiden häufiger unter innerer Unruhe, Hypochondrie, mangelndem Antrieb und neigen zu Selbstbeschädigung. Der Konsum zusätzlicher Suchtmittel während des Substitutionsprogramm, führt häufig zu Konzentrationsstörungen und Angstzuständen bis hin zur Selbstmordgefahr. Diese psychiatrischen Symptome können Ausdruck einer tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung aus der Zeit vor der Abhängigkeitsentwicklung sein. Sie können aber auch Persönlichkeitsänderungen charakterisieren, die durch die speziellen Lebensumstände und die chronische Suchtmitteleinwirkung erworben wurden.

Die Aussicht auf einen Führerscheinerwerb stellt für viele Methadonsubstituierte einen Ansporn dar, vollständig auf Drogen zu verzichten. In einer Gesellschaft, die den Besitz eines Führerscheins als selbstverständlich betrachtet, ist es auch für Drogenabhängige erstrebenswert diesen (wieder) zu erlangen. Ohne Führerschein und damit ohne Mobilität ist ihnen der Weg in die Normalität und das Berufsleben verwehrt. Mit Hilfe von einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung kann die Fahreignung günstig beeinflusst werden. Ist dann die Monoabhängigkeit von Methadon erreicht, kann in einem nächsten Schritt auch die Fahreignung wiederhergestellt werden.

Methadonprogramme sollen Wege zur gesellschaftlichen Reintegration aufzeigen. Dafür ist eine optimale Betreuung während der Substitution ebenso notwendig wie Krankheitseinsicht und Behandlungsmotivation auf Seiten der Abhängigen. Langjährig Abhängige mit wechselndem Drogenkonsum verfügen allerdings oft nicht mehr über die notwendigen sozialen, geistigen und materiellen Ressourcen für eine erfolgreiche Wiedereingliederung. Persönlichkeitsveränderungen und hirnorganische Schädigungen nach langjährigen Drogenmissbrauch erschweren den Wiedereintritt in ein geregeltes Leben.

Oft führen die besonderen Lebensumstände langjährig Drogenabhängiger in die Abhängigkeit von weiteren Drogen. Arbeitslosigkeit, soziale Desintegration, Geldmangel und damit verbunden Beschaffungskriminalität zwingen die Abhängigen, zeitweilig auf einen alternativen Suchtstoff zurückzugreifen, der leichter zu beschaffen ist. Dieser wird dann in vielen Fällen wegen seiner günstigen Wirkung weiter (bei-)konsumiert. Benzodiazepine oder Alkohol beispielsweise dämpfen unangenehme Begleiterscheinungen der Heroinsucht, wie etwa Angstzustände. Im subjektiven Befinden dominieren die positiven Nebeneffekte der zusätzlich konsumierten Substanzen gegenüber den Nebenwirkungen. Ein Drogenabhängiger mit einer ängstlich-verunsicherten Persönlichkeitsstruktur wird durch den Einsatz von Benzodiazepinen in eine günstigere psychische Befindlichkeit versetzt werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Günter Berghaus unter der Telefonnummer 0221/478-4256 und der Fax-Nummer 0221/478-4261 zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html.

Gabriele Rutzen | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie