Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Blick auf fremde Kulturen früh schulen

28.08.2000


... mehr zu:
»Ethnologie »Lebensweise
Kinder und Jugendliche lernen mit Unterstützung der VolkswagenStiftung den Umgang mit anderen Lebensweisen

Angesichts zunehmender Fremdenfeindlichkeit in Deutschland wird immer deutlicher, dass Kinder und Jugendliche möglichst früh auf ein Leben in einer multikulturellen Gesellschaft vorzubereiten sind. Oft lassen sich bereits in jungen Jahren Vorurteile gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen erkennen, doch diese beruhen meist schlicht auf Unsicherheit und Unkenntnis. Andererseits fühlen sich Jungen und Mädchen von der Vielfalt der sich ihnen bietenden Möglichkeiten durchaus angezogen: So integrieren sie in ihren Alltag Ausdrucksformen der Multikulturalität wie Rastazöpfe, Körperschmuck und Kleidung im Ethnolook - ganz zu schweigen von der Vorliebe für internationale Küche und Musik, der Begeisterung für Fernreisen in exotische Gegenden oder für fremde religiöse und esoterische Inhalte. Interessant ist für sie gerade das, was sich von der eigenen Kultur, dem Gewohnten und Bekannten, unterscheidet.

Nur selten jedoch wird das kulturell "Andersartige" bewusst aufgenommen und wirklich erschlossen. Und das in einer Welt, in der immer größere Teile der nachwachsenden Generation den Informationsaustausch über alle Grenzen hinweg pflegen und - etwa über die Medien - Informationen von überallher beziehen. So fällt der kommende Weltkindertag am 9. September in eine Zeit, in der Jugendliche unterschiedlicher Kulturen immer häufiger Kontakt zueinander haben. Grund genug für die VolkswagenStiftung mit 432.000 Mark ein Projekt zu unterstützen, bei dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Vereins Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung (ESE) e. V. und des Instituts für Ethnologie der Universität Münster die "Relevanz ethnologischer Themen für den Erwerb interkultureller Kompetenz in der schulischen Sozialisation" untersuchen. Mit anderen Worten: Lässt sich bei Schülern eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen wecken, wenn sie sich frühzeitig - und unter professioneller Betreuung - mit diesen intensiv auseinandersetzen?
Ergebnisse aus vorhergehenden Untersuchungen der beteiligten Wissenschaftler deuten darauf hin, dass die Beschäftigung mit fremden Kulturen und mit Themen der interkulturellen Verständigung zumindest auf einen Teil der Schüler Eindruck macht. In dem nun seit März 2000 laufenden Projekt initiieren und begleiten die Forscher ein Jahr lang in zwei Realschulen ethnologischen Unterricht in insgesamt vier Schulklassen der Stufen 7 und 8. Die Schüler erhalten Informationen über andere Kulturen; sie sollen dabei für die Probleme der Völkerverständigung sensibilisiert werden und die eigene Voreingenommenheit gegenüber "dem Anderen" erkennen lernen. Thematisiert werden die politischen, sozialen, wirtschaftlichen oder religiösen Strukturen diverser Kulturen aller Kontinente. Diese Unterrichtsinhalte sind in die laufenden Curricula vornehmlich der Fächer Geografie, Geschichte, Sozialkunde und Religion integriert, werden daneben aber auch Fächer übergreifend gestreut.

Durch erste Erfahrungen sehen die Forscher ihre Vermutung bestätigt, dass viele Jungen und Mädchen nach nur wenigen Schulstunden ihr ursprüngliches Bild von fremden Kulturen überdenken und lernen, dass ihre Einstellungen sehr durch die eigene Weltsicht geprägt sind. Haben sie erst einmal neue Eindrücke gewonnen und etwa den Sinn bestimmter fremd erscheinender Verhaltensweisen verstehen gelernt, empfinden sie die Unterschiede nicht mehr als trennend, sondern als bereichernd. "Es nutzt viel, die Perspektive zu wechseln und die Sicht anderer anzunehmen. Diese Fähigkeit zu erlernen ist wichtig", sagt Dr. Christiana Lütkes vom Institut für Ethnologie der Universität Münster. Wissenschaftlich erfasst werden die Einstellungen der Schüler im Verlauf dieses Unterrichtsjahres durch Erhebungen - Fragebogen, Aufsätze und Situationserläuterungen - zur jeweiligen interkulturellen Kompetenz der Jugendlichen vor und nach dem Unterricht.

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihr Unterrichtsmodell dazu beitragen kann, bei der heranwachsenden Generation ein Bewusstsein zu formen für einen differenzierten und offenen Umgang mit anderen Lebensweisen. Durch den reflektierten Blick auf das Fremde dieses zu verstehen und dabei zugleich etwas über die eigene Kultur zu lernen, das "Andersartige" letztlich zu respektieren; zu fragen: "Wie sehen wir andere, und wie sehen die uns?" Darin sehen die Forscher den Weg hin zu einer toleranten, multikulturellen Gesellschaft von Morgen - umso mehr, als gerade Unkenntnis und mangelnde Auseinandersetzung mit dem Fremden sich im Extremfall in Gewalt entladen kann.

Kontakt: VolkswagenStiftung: Dr. Hiltgund Jehle, Tel.: 0511/8381-276, E-Mail: jehle@volkswagenstiftung.de

Kontakt: Institut für Ethnologie an der Universität Münster:
Dr. Christiana Lütkes, Tel.: 0251/9240118
E-Mail: lutkes@uni-muenster.de

Dipl.Biol. Dipl.Journ. Christian Jung |

Weitere Berichte zu: Ethnologie Lebensweise

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie