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Leipziger Villa bietet Raum für unheilbar Kranke

29.08.2000


Leipzig - Die Hälfte aller krebskranken Menschen kann heute geheilt werden, doch bei der anderen Hälfte stößt die moderne Medizin an ihre Grenzen. Den Bedürfnissen unheilbar kranker Menschen gerecht zu werden, ist das Ziel von Palliativmedizin und Hospizbewegung: Körperliche Beschwerden sowie psychische und soziale Nöte sollen gelindert werden. In Sachsen hat sich der Hospizverein Leipzig e.V. dieser Aufgabe gestellt. Die ehrenamtlichen Helfer werden die schwerstkranken Menschen in naher Zukunft nicht mehr nur ambulant, sondern auch stationär begleiten können: Heute, am 29. August 2000, wird der Grundstein zur Errichtung des stationären Hospizes "Villa Auguste" in Leipzig gelegt. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt diese Einrichtung mit 500.000 Mark.

In der Zeit vor dem Tod, in der die Betroffenen häufig konfrontiert werden mit Schmerzen und Gefühlen wie Ohnmacht, Bitterkeit und Angst, ist das Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit besonders groß. Die Mitarbeiter von Palliativstationen und Hospizen versuchen Schmerzen zu lindern sowie auf die Gefühle und Nöte der schwerstkranken Menschen einzugehen. Mit dem Ziel das Sterben zu Hause zu ermöglichen, wird der Hospizdienst vorwiegend ambulant geleistet. In manchen Fällen müssen die Betroffenen aus körperlichen, sozialen oder psychischen Gründen jedoch auch stationär betreut werden.

Die "Villa Auguste" wird ab dem Jahr 2002 das zweite stationäre Hospiz Leipzigs sein. Dann werden die Mitarbeiter des 1993 gegründeten Hospizvereins Leipzig e.V. die überwiegend an Krebs erkrankten Menschen sowohl ambulant als auch stationär betreuen können. Das Hospiz soll Geborgenheit und Offenheit vermitteln, aber auch über moderne Technik verfügen, ohne dass Funktion und Hygiene in den Vordergrund rücken. "Kunsttherapeutische und ergotherapeutische Anwendungen, Gespräch und Meditation werden ebenso zum Therapiekonzept gehören wie die Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden", so Frau Professor Dr. Helga Schwenke vom Hospizverein Leipzig. In dem umgebauten und erweiterten Gebäude werden zehn stationäre- und vier Tageshospizplätze, Räume für den ambulanten Dienst und die "Selbsthilfegruppe Krebs" sowie ein Fortbildungszentrum entsehen. Durch die Förderung des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung, des Sozialministeriums des Freistaates Sachsen, der Stadt Leipzig, der Villa Auguste Hospiz Leipzig gGmbH und der Deutschen Krebshilfe ist es möglich dieses Bauvorhaben zu realisieren.

Professor Dr. Robert Fischer, Vorsitzender des medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe, berichtete anlässlich der Grundsteinlegung über den Förderschwerpunkt Palliativmedizin: "1983 konnte mit Spendengeldern die erste Palliativstation in Köln errichtet werden. Seitdem hat die Deutsche Krebshilfe etwa 60 Million Mark zur Verfügung gestellt, um Hospize und Palliativstationen aufzubauen sowie Forschungsprojekte zum Thema Palliativmedizin zu fördern." Ein weiteres Anliegen der Deutschen Krebshilfe ist es, die Schulung und Weiterbildung in diesem Bereich voranzutreiben. Hierzu dienen die Mildred-Scheel-Akademie in Köln und die neu eingerichtete Stiftungsprofessur Palliativmedizin an der Universität zu Köln.

Info-Kasten: Palliativmedizin

Die Palliativmedizin umfasst die Behandlung und Betreuung von unheilbar Kranken und Sterbenden. Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger, Sozialarbeiter, Theologen sowie Psychologen widmen sich in diesem Bereich der Linderung von körperlichen Beschwerden und der psychischen Unterstützung von schwerstkranken Menschen wie beispielsweise Krebspatienten. Obwohl die Palliativmedizin in Deutschland immer mehr Anerkennung findet, besteht weiterhin eine Unterversorgung der Bevölkerung. Für die stationäre Behandlung stehen in Deutschland heute 1.258 Betten und 44 Tagesplätze in 146 Palliativstationen und Hospizen zur Verfügung. Damit ist eine ausreichende stationäre und ambulante Versorgung jedoch noch nicht gewährleistet. Die Schätzungen für den Bedarf an Palliativbetten in Deutschland liegt bei circa 50 pro eine Million Einwohner. Derzeit stehen lediglich 7 Betten pro eine Million Einwohner zur Verfügung.

 

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp |

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