Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UV-Forschung für Mensch und Umwelt

02.11.2000


Vorbeugung von Hautkrebs - Sonnenschutz bei Pflanzen - Freisetzung von Umweltgiften - Prognose der UV-Belastung. Solche Themen werden im Rahmen des Bayerischen Forschungsverbunds "Erhöhte UV-Strahlung in Bayern
- Folgen und Maßnahmen" (BayForUV) untersucht. Vom 18. bis 20. Oktober stellten die beteiligten Wissenschaftler ihre Projekte beim ersten BayForUV-Statusseminar in Zellingen-Retzbach (Landkreis Main-Spessart) vor.

Im Forschungsverbund arbeiten über 40 Wissenschaftler an sieben universitären und außeruniversitären bayerischen Forschungseinrichtungen zusammen. In vier Projektbereiche gehen sie Fragen zur Entwicklung und Wirkung von UV-Strahlen nach.

Im Bereich "Messung und Modellierung der UV-Strahlung" werden aktuelle meteorologische Parameter erfasst, welche die UV-Strahlungsstärke in der Atmosphäre beeinflussen. Zudem wird die UV-Strahlung in verschiedenen Höhenlagen und Vegetationsbeständen sowie unter unterschiedlichen Witterungsbedingungen gemessen. Auf der Basis solcher Messungen können Modelle entwickelt werden, die Prognosen für die UV-Strahlung auf regionaler Ebene erlauben. Solche Prognosen könnten zum Beispiel künftig Teil des täglichen Wetterberichts werden.

Den "Folgen der UV-Strahlung für die menschliche Gesundheit" widmen sich zwei Forschungsprojekte: Um die Wirkung der UV-Strahlung beurteilen zu können, muss festgestellt werden, mit welcher Intensität der UV-Anteil auf den Körper des Menschen einstrahlt. Bisher wurden UV-Strahlungsintensitäten nur auf horizontalen Flächen gemessen, was aber nicht der tatsächlichen Form des Körpers entspricht.

Deshalb wurde im Rahmen von BayForUV ein Gerät entwickelt, das die UV-Exposition eines Menschen mit seinen "verschieden geneigten Flächen" nachahmt und die UV-Bestrahlungsstärken misst. Ziel ist es, für den Menschen in alltäglichen Situationen, gegebenenfalls auch für einzelne Körperteile, die persönliche Bestrahlungsstärke zu ermitteln. Das daraus entwickelte Modell könnte in der Zukunft Daten für ein UV-Frühwarnsystem für die Bevölkerung liefern.

In einem zweiten medizinischen Projekt geht eine Arbeitsgruppe von Dermatologen der Entstehung und Entwicklung von Tumoren auf den Grund, die durch UV-Strahlung hervorgerufen werden. In Vorarbeiten war festgestellt worden, dass eine Kombinationsgabe der Vitamine C und E die Sonnenbrandreaktion herabsetzen kann. Nun wird der Frage nachgegangen, ob sich durch die Gabe dieser Vitamine auch das Hauttumor-Risiko vermindern lässt.

Im Projektbereich "Folgen der UV-Strahlung für die Pflanzenproduktion" wird in einem Netzwerk verschiedener Teilprojekte untersucht, wie hoch die UV-Empfindlichkeit landwirtschaftlicher Nutzpflanzen ist und wie effizient sie sich gegen erhöhte UV-Strahlung abschirmen können. Insbesondere sollen bereits festgestellte und wiederholt auftretende Schädigungen an Nutzpflanzen analysiert werden. An Gerste sind seit etwa zehn Jahren Blattverbräunungen zu beobachten, die einen Ernteausfall von bis zu 20 Prozent verursachen und die nicht auf Krankheitserreger zurückgeführt werden können. An Weinbeeren ist in den vergangenen zehn Jahren verstärkt das Schadbild "Sonnenbrand" aufgetreten, das bis zu 50 Prozent Ernteausfall bewirken kann. Ziel der Forschungsprojekte ist es, die Ursachen solcher Schäden aufzuklären und im Falle der Gerste resistente Zuchtlinien zu ermitteln.

Im Projektbereich "Folgen der UV-Strahlung für Ökosysteme" werden chemische und biochemische Mechanismen untersucht, welche die UV-Strahlung in der Umwelt auslöst. Hierzu wird zum einen ein Modell für die Prognose von bodennahem Ozon und anderen Photooxidantien erarbeitet. Zum anderen wird untersucht, ob natürliche Staubpartikel unter UV-Einwirkung den Abbau von Pestiziden beschleunigen. Außerdem soll die Wirkung erhöhter UV-Strahlung auf die Mikroorganismen auf den Blättern heimischer Waldbäume analysiert werden.

Der BayForUV hat seine Arbeit im Oktober 1999 aufgenommen. Der Verbund wird für eine Laufzeit von drei Jahren mit über 3,7 Millionen Mark von den Bayerischen Staatsministerien für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie für Landesentwicklung und Umweltfragen gefördert. Prof. Dr. Markus Riederer, Inhaber des Lehrstuhls für Botanik II der Universität Würzburg, ist Sprecher des Verbunds.

Weitere Informationen: Dr. Carola Hibsch-Jetter, Geschäftsführung BayForUV, T (0931) 888-6246, Fax (0931) 888-6235, 
E-Mail bzw. Internet: bayforuv@botanik.uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: BayForUV Projektbereich UV-Forschung UV-Strahlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Mit Nanopartikel-Tandems gegen den Herzinfarkt
01.12.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Virtuelle Realität für Bakterien
01.12.2017 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik