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Sporttourismus

12.12.2000


Sporttourismuskonzeption zum Naturpark Südschwarzwald als bundesweites Modell?

Der Naturpark Südschwarzwald als größter Naturpark Deutschlands übernimmt mit der Vorstellung des vom Institut für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) erarbeiteten "Sporttouristischen Entwicklungskonzeptes" möglicherweise bundesweite Modellfunktion. Erstmals ist es gelungen, den Konfliktbereich zwischen Naturschutzzielen und Erhaltung sensibler Naturräume einerseits sowie der nachhaltigen sporttouristischen Nutzung andererseits wissenschaftlich einwandfrei zu analysieren und im Sinne der Konfliktminimierung konkrete Handlungsalternativen zu entwickeln.


Das Vorgehen des Instituts für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Roth im Rahmen des vom Naturpark Südschwarzwald e.V. in Auftrag gegebenen und von der "Stiftung Sicherheit im Skisport" und dem Land Baden-Württemberg finanzierten Forschungsvorhabens war richtungsweisend: Mit einem interdisziplinären Forschungsansatz beschränkten sich die Natur- und Sportwissenschaftler nicht darauf, eine ebenso detaillierte wie aufschlussreiche Bestandsanalyse und theoretische Planungsmöglichkeiten zu erarbeiten, sondern sie entwickelten auf Grundlage der erhobenen landschaftsökologischen und sozialwissenschaftlichen Basisdaten eine praxisorientierte Konfliktlösungsstrategie. Diese gibt den Verantwortlichen künftig für Entscheidungen einen fundierten Bewertungsmaßstab an die Hand. Sie entwirft aber auch gleichzeitig ganz konkrete Handlungsalternativen, die einerseits in zukünftige Planungen Eingang finden können und andererseits vielversprechende Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Die so entstandene "Entwicklungskonzeption Sporttourismus" geht sogar soweit, dass sie schon für einzelne Projektmaßnahmen und deren Umsetzung den Startschuss gegeben hat.

Ausgangsposition des Forschungsvorhabens war die Tatsache, dass Erholung in der Landschaft und Ausübung unterschiedlicher Sportaktivitäten in der freien Natur in der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft zunehmende Bedeutung hat - die Dynamik des Sporttourismus ist ungebremst, Natursportarten sind Trend. Neben der Steigerung von Einkommen und Freizeit für große Teile der Bevölkerung, spielen wohl die zunehmende Individualisierung, die Erlebnis- und Genussorientierung, das gestiegene Körperbewusstsein, aber auch die gesteigerte Sehnsucht der Menschen, zum als weitgehend technisiert empfundenen Alltag mit Naturerlebnissen einen Kontrast zu erleben, die entscheidende Rolle. Diese Feststellung ist auch für den Naturpark Südschwarzwald mit seiner außergewöhnlich reizvollen Landschaft und den ebenso sensiblen Naturräumen entscheidend: Rund 11 Millionen Menschen mit den Agglomerationen Basel, Karlsruhe, Stuttgart liegen in seinem unmittelbaren Einzugsgebiet - er ist attraktives Naherholungsgebiet, er ist aber auch zunehmend attraktive Destination für Kurzurlaube. Mit allen damit verbundenen Folgeerscheinungen. Dadurch liegen Konflikte mit Naturschutzzielen, aber auch ganz konkrete Probleme bei der Erhaltung sensibler Naturräume auf der Hand. Nicht zuletzt auch, weil die sporttouristisch attraktiven Landschaftsräume und schutzwürdigen Gebiete sich in vielen Fällen überschneiden.

Vor diesem Hintergrund entstand die Sporttouristische Konzeption für den Naturpark Südschwarzwald in acht Arbeitsschritten: Sie reichen von der wissenschaftlichen Aufarbeitung bisheriger Gutachten, über die detaillierte Landschaftsanalyse mittels modernster Geographischer Informationssysteme (GIS) und empirischen Untersuchungen zu Meinung und Verhalten der Sporttouristen bis hin zu den eben ganz konkreten Handlungsanweisungen und Umsetzungsvorschlägen.

Wichtiger Baustein der Datenerhebung ist vor allem der Aufbau der Informations- und Datenbasis über Geographische Informationssysteme. Mit Hilfe dieser rechnergestützten Analyse sind Landschaftsbewertungen und Beurteilung unterschiedlicher Gebiete hinsichtlich ihrer Eignung für bestimmte sporttouristische Nutzungen ohne weiteres möglich: Die digitalen Auswertungen der untersuchten Landschaft liefern einschließlich der Infrastruktur Informationen, die für die Nutzungsbeurteilung wichtig sind.
Wissenschaftlicher Kern der Konfliktlösungsstrategien bzw. konkreten Handlungsalternativen ist das sogenannte "Aktivitätsraumpotential". Es drückt die Eignung und eine darauf gegründete Möglichkeit der Nutzung der Landschaft für sporttouristische Zwecke aus. Ins Verhältnis zu Schutzgebieten gesetzt, ergeben sich die überzeugenden Vorschläge zu "Lenkungsmaßnahmen": Hier steht nämlich die Strategie im Mittelpunkt, die "Aktivitätsverteilungsmuster der Sporttouristen" dahingehend zu beeinflussen, dass sie sich räumlich konzentrieren, um gleichzeitig sensible Bereiche aus der Nutzung herausnehmen zu können. Das heißt, in einem sensiblen Gipfelbereich, wie er beispielsweise im Feldberggebiet zu finden ist, werden einzelne ökologisch stabile Bereiche zur intensiven Nutzung freigegeben, während andere Zonen für die touristische Nutzung tabu sind. Dabei baut die "sporttouristische Lenkung" vor allem auf "landschaftsplanerische Vorleistungen" wie z.B. bauliche Funktionstrennungen oder Umweltverträglichkeitsstudien sowie "positive Lenkung" durch "Appell- und Konventionsstrategien" wie z.B. attraktive Wege- oder Streckennetze. Nur im Ausnahmefall sollen Zwangsmaßnahmen wie Sperrungen oder Betretungsverbote zum Zuge kommen.

Mit diesem interdisziplinären Forschungsansatz und der stringenten, von allen politischen Interessen losgelösten Vorgehensweise könnte das sporttouristische Entwicklungskonzept möglicherweise bundesweit Modellcharakter übernehmen. Erstmals wurden für einen Naturpark so konkrete und ebenso wissenschaftlich fundierte Handlungsalternativen erarbeitet. Und erstmals wurde die in der Agenda 21 geforderte Vernetzung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Gesichtspunkte in einer solchen Studie nachvollziehbar umgesetzt.


Ihr Kontakt für alle Rückfragen:
Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie
Prof. Dr. Ralf Roth, Carl-Diem-Weg 6, D-50933 Köln
Telefon: 0221/4982-424 / Telefax: 0221/4982-848
E-Mail: roth@hrz.dshs-koeln.de
oder
Naturpark Südschwarzwald e.V., Geschäftsführung, Forstdirektion Freiburg
Walter Holderried, Günterstalstrasse 72, D-79100 Freiburg
Telefon: 0761/704-3505 / Telefax: 0761/704-3505
E-Mail: info@naturpark-suedschwarzwald.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Sabine Maas | idw

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