Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lernende Kinder: Genauigkeit ist wichtiger als Schnelligkeit

31.10.2000


Carlotta, acht Jahre alt, bei einem

Experiment zum motorischen Lernen in Tastenfolgen. Foto:

Martin


Kinder lernen langsamer als Erwachsene, machen dabei aber nicht mehr Fehler. Außerdem achten sie beim Lernen stärker auf Genauigkeit, während die Großen mehr Wert auf Schnelligkeit legen. Das sind einige Ergebnisse
aus einem Forschungsprojekt an der Universität Würzburg, bei dem die Entwicklung von Lernstrategien bei Kindern untersucht wird.

Das Projekt wird von Dr. Claudia Martin am Institut für Psychologie durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Seit November 1999 haben mehr als 300 Testpersonen aus Würzburg und Alzenau (Landkreis Aschaffenburg) teilgenommen, und zwar achtjährige (2. Klasse) und zehnjährige Kinder (4. Klasse) sowie Erwachsene als Kontrollgruppe.

Die Untersuchung ist als Computer-Lernspiel organisiert. Die Kinder müssen einzeln eine Kartenspiel-Aufgabe bearbeiten, die etwa 15 Minuten dauert. Die Aufgabenstellung ist laut Dr. Martin kindgerecht in eine kleine Geschichte eingekleidet: Hierbei soll ein gezeichnetes Gesicht zum Lachen gebracht werden.

Und so läuft das Spiel ab: Den Kindern wird jeweils eine nummerierte Karte in der Bildschirmmitte gezeigt. Sie müssen dann eine entsprechend nummerierte Taste drücken, also bei Karte 1 immer die Taste 1. Dann wird ihnen die nächste Karte dargeboten, sie müssen die entsprechende Taste drücken, und so weiter und so fort.

Variiert werden die Häufigkeit der Karten - einige erscheinen öfter als andere - und die Übergangswahrscheinlichkeiten: So kommt zum Beispiel nach Karte 2 immer die 4 und vor der 4 immer die 2. Alle anderen Übergänge erfolgen mit gleicher Wahrscheinlichkeit. Über diese Variationen werden die Teilnehmer vor dem Versuch aber nicht informiert. Sie sollen nur möglichst schnell und fehlerfrei die richtigen Tasten drücken.

Dr. Martin fasst die bisherigen Ergebnisse zusammen: Was die Reaktionszeit angeht, sind Kinder langsamer als Erwachsene. Achtjährige benötigen durchschnittlich 800 Tausendstel Sekunden für einen Tastendruck, Zehnjährige 600 und Erwachsene 400. Die Fehlerzahlen unterscheiden sich in den drei Altersgruppen nicht voneinander: Die Quote liegt im Durchschnitt bei jeweils rund vier Prozent.

Außerdem hat die Psychologin herausgefunden, dass die Kinder zwar lernen, also während des Versuchs immer schneller reagieren und dabei immer weniger Fehler machen, dass sie aber nicht sagen können warum. Die Erwachsenen dagegen wissen zu erklären, warum sie bei dem Spiel immer besser werden. Sie können etwa die Häufigkeiten der Karten oder die Übergänge ausdrücklich benennen. "Das ist ein Entwicklungstrend vom unbewussten Lernen bei Kindern hin zum bewussten Lernen bei Erwachsenen, dem so genannten expliziten Wissen", erläutert Dr. Martin.

In allen Experimenten gab es keinerlei Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, weder bei der Reaktionszeit, der Fehlerzahl noch beim expliziten Wissen. Hier hätten Abweichungen erwartet werden können, da Jungen vielleicht häufiger mit PC-Spielen oder mit dem PC allgemein umgehen.

Dr. Martin: "Allgemein kann gesagt werden, dass exakte Reaktionszeitmessungen bei Kindern im Grundschulalter sehr gut methodisch durchführbar sind. Kinder achten mehr auf Genauigkeit, ärgern sich bei einem Fehler, und Erwachsene achten mehr auf Schnelligkeit: Sie empfinden Fehler als nicht so schlimm, messen sich aber an der Steigerung der Schnelligkeit. Fazit: Kinder wurden bisher erheblich unterschätzt, Erwachsene überschätzt."

Initiiert wurden diese Lernuntersuchungen mit Reaktionszeitmessungen bei Grundschulkindern durch Anfragen aus der Therapieforschung zur Diagnose von Lern- und Gedächtnisstörungen bei Kindern.

Weitere Informationen: Dr. Claudia Martin, T (0931) 31-2179, Fax (0931) 31-2815,
E-Mail: martin@psychologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Genauigkeit Lernender Schnelligkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften