Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interdisziplinäres Zentrum für Suchtforschung gegründet

07.02.2001


An der Universität Würzburg wurde ein "Interdisziplinäres Zentrum für Suchtforschung" (IZSW) gegründet. Es soll zur Entwicklung und Förderung einer interdisziplinären Suchtwissenschaft beitragen. Dieses
Ziel soll erreicht werden durch Forschungen, Ausbildung und Lehre sowie durch die Mitwirkung an gemeinsamen Suchtprojekten.

In verschiedenen Bereichen der Universität sind in den vergangenen Jahren Suchtforschungsinitiativen gewachsen, die durch die Gründung des IZSW strategisch gebündelt und wissenschaftlich miteinander vernetzt werden sollen. Zudem wollen sich diese Initiativen mit einer noch effizienteren Öffentlichkeitsarbeit besser in das gesundheitspolitische Bewusstsein einbringen.

Neben der Durchführung grundlagen- und anwendungsorientierter Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet einer interdisziplinären Suchtwissenschaft und angrenzender Bereiche sollen vor allen Dingen der Technologietransfer und die Kooperation zwischen Forschung und Praxis optimiert werden. Beispielgebend hierfür steht die 1996 aufgebaute Suchtberatungsstelle für Beschäftigte der Universität Würzburg.

Die 31 Gründungsmitglieder gaben sich ein rechtsrelevantes Statut und wählten Beirat und Vorstand. Der Beirat soll den interdisziplinären Charakter des IZSW widerspiegeln und dessen Aufgabenspektrum repräsentieren. Einstimmig bei jeweils einer Enthaltung wurden gewählt:

· Prof. Dr. Gerhard Bringmann (Organische Chemie),
· Diplom-Psychologin Katja Beck-Dossler (Suchtberatungsstelle der Universität),
· Prof. Dr. Johann Ellgring (Psychologie),
· Prof. Dr. Dieter Patzelt (Rechtsmedizin) und
· Prof. Dr. Andreas Warnke (Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie).

Dieser Beirat wählte einstimmig Prof. Dr. Jobst Böning (Leiter der Klinischen Suchtmedizin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie) zum Vorsitzenden des IZSW und PD Dr. Gerhard Wiesbeck als seinen Stellvertreter. Die Amtszeiten betragen zunächst drei Jahre.

Das IZSW lädt schon jetzt zu zwei öffentlichen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen ein: Am 18. März findet eine vom Arbeitskreis "Sucht" der universitären Suchtberatungsstelle veranstaltete Tagung über "Rauchen und Nikotinabhängigkeit" statt, am 28. April die 5. Suchtmedizinische Fortbildung an der Psychiatrischen Klinik mit dem Thema "Neueste Forschungsergebnisse bei Drogenabhängigkeit".

Prof. Böning führt vor Augen, warum eine interdisziplinäre Suchtforschung heute nach wie vor nötig ist: Der risikoreiche und schädliche Gebrauch von psychotropen Substanzen (Nikotin, Alkohol, Drogen) einschließlich schwerer Suchterkrankungen und zunehmend auch die nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten (zum Beispiel Ess- oder Spielsucht) stellen in allen Industrienationen ein gesundheitspolitisches Problem ersten Ranges dar. Nach einer umfassenden Todesursachenstatistik aus den USA lassen sich etwa 25 Prozent aller Todesfälle unmittelbar oder mittelbar auf Nikotin, Alkohol oder illegale Substanzen zurückführen.

In Deutschland sterben jährlich rund 42.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Alkohol, 110.000 Menschen an Erkrankungen, die mit dem Gebrauch von Tabak in Verbindung stehen, und etwa 1.800 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums. Der volkswirtschaftliche Schaden durch vorzeitigen Tod, Krankheit, Betriebsunfälle, unfallbedingte Personenschäden, Frühverrentung und Ähnlichem beläuft sich auf insgesamt etwa 150 Milliarden Mark im Jahr.

Demgegenüber seien bis vor wenigen Jahren die Aufwendungen für vorbeugende Maßnahmen, für Therapieprojekte und für die interdisziplinäre Ursachenforschung unverhältnismäßig vernachlässigt worden, so der IZSW-Vorsitzende Böning. In den vergangenen zehn Jahren hätten jedoch das gesundheitspolitische Verantwortungsbewusstsein und wissenschaftliche Fördermaßnahmen zugenommen, sowohl in der grundlagenbezogenen wie auch anwendungsorientierten empirischen Forschung.

1995 legte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erstmalig einen Förderschwerpunkt "Sucht" auf. In dessen Rahmen wird unter anderem ein an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität angesiedelter "Würzburger BMBF-Suchtforschungsverbund" bis zum Sommer 2001 gefördert, der Ursachen- und Therapieforschung in Sachen Alkoholabhängigkeit betreibt.

Weitere Informationen: Geschäftsstelle des IZSW, Prof. Dr. Jobst Böning, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Füchsleinstraße 15, 97080 Würzburg, T (0931) 201-7710, Fax (0931) 201-7712, 
E-Mail: boening@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: IZSW Psychiatrie Psychotherapie Suchtberatungsstelle Suchtforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften