Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftlerinnen der Uni Essen erforschen Situation junger Aussiedlerinnen und Ausländerinnen

13.02.2001


Aufschlüsse über die Lebenssituation junger, in Deutschland lebender Aussiedlerinnen und Ausländerinnen versprechen sich Wissenschaftler und Politiker von einer groß angelegten empirischen Studie, die das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bei Wissenschaftlerinnen der Universität Essen in Auftrag gegeben hat. Unter Federführung von Dr. Ursula Boos-Nünning, Professorin für Interkulturelle Pädagogik, und Dr. Yasemin Karakasoglu-Aydin werden in den nächsten zweieinhalb Jahren 955 junge Frauen, die zwischen 15 und 24 Jahre alt sind und die in ausgewählten städtischen und ländlichen Regionen in allen Bundesländern wohnen, über ihre soziale Lage und ihre familiäre Situation, über Freizeit- und Kontaktverhalten, über Erfahrungen in Schule, Ausbildung und Beruf oder auch über ihre Einstellung zu Partnerschaft und Familiengründung befragt.


In den bisherigen Untersuchungen zum sozialen Integrationsprozess der ausländischen und Aussiedler-Familien spielte die Geschlechterperspektive eine eher untergeordnete Rolle. Das könnte in der Statistik begründet sein: Noch 1961 lag - im damaligen Bundesgebiet - das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in dieser Bevölkerungsgruppe bei etwa 4 : 10. Heute entfallen auf zehn Männer bereits mehr als 8 Frauen. Mehr über ihre Lebensbedingungen möchte das Ministerium mit Hilfe der jetzt in Auftrag gegebenen Studie in Erfahrung bringen. Sie wird in zwei Teilprojekten bearbeitet. Neben den Essener Wissenschaftlerinnen ist das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V., Saarbrücken, mit der Arbeit befasst. Es hat allerdings eine andere und kleinere Zielgruppe: Es befragt 100 allein stehende ausländische Frauen im Alter ab 50 Jahren.

Dass der Zuschlag für das umfangreichere Teilprojekt mit den jungen Frauen als Zielgruppe an die Wissenschaftlerinnen der Universität Essen fiel, ist kein Zufall. Projektleiterin Ursula Boos-Nünning (die seit dem 1. April 2000 in Essen auch das Amt der Rektorin führt) war 1981 als Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Pädagogik an die Universität Essen berufen worden. Einen solchen Lehrstuhl gab es damals an keiner anderen deutschen Hochschule, und die langjährige Erfahrung der Soziologin in der Migrationsforschung dokumentiert sich auch in der Rolle, die sie in dem renommierten Essener Institut für Migrationsforschung, Interkulturelle Pädagogik und Zweitsprachendidaktik spielt. Von 1987 bis 1991 war Boos-Nünning Leiterin dieses Instituts. Auch ihre Schülerin Yasemin Karakasoglu-Aydin hat sich in der Migrationsforschung bereits einen Namen gemacht: Für ihre Dissertation "Religiöse Orientierungs- und Erziehungsvorstellungen. Eine empirische Untersuchung an türkischen Lehramts- und Pädagogik-Studentinnen im Ruhrgebiet" erhielt sie im Frühjahr vorigen Jahres den bundesweit ausgelobten Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien.

Mit Boos-Nünning und Karakasoglu-Aydin haben an der Uni Essen die Sozialwissenschaftlerin Svenja Ottens, die Pädagogin Bozena Krüger, die Historikerin Livia Novi und Nermin Kilicaslan als Projektsekretärin mit der Arbeit an der Studie begonnen. Das Team der Interviewer aller wird größer sein: "Wir haben", berichtet Dr. Karakasoglu-Aydin, aus jeder Nationalität, die wir befragen, jemanden dabei." Befragt werden neben jungen Aussiedlerinnen aus Polen und Ländern der ehemaligen Sowjetunion Ausländerinnen türkischer, griechischer, italienischer und ex-jugoslawischer Herkunft. Was die Frauen zu berichten haben - zum Beispiel auch über eventuelle Diskriminierungserfahrungen oder ihr physisches und psychisches Wohlbefinden - soll "im Rahmen des Möglichen dem Anspruch der Repräsentativität gerecht werden". Das sei, meint die Empirikerin Karakasoglu-Aydin, ein hoher Anspruch. "Grundlegende Erkenntnisse aber werden wir gewinnen", heißt es. Sie werden Aufschluss geben über die allgemeine Lebenssituation der jungen Frauen, über Bedingungen, Voraussetzungen und Bewältigungsformen des Integrationsprozesses, über die subjektive Einschätzung der Hilfsangebote und auch über die Barrieren, die einer Inanspruchnahme dieser Angebote eventuell entgegen stehen.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83 - 20 85
Weitere Informationen: Dr. Yasemin Karakasoglu-Aydin, Telefon (02 01) 1 83 -21 73

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: Ausländerinnen Aussiedlerinnen Interkulturell

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Mit Nanopartikel-Tandems gegen den Herzinfarkt
01.12.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Virtuelle Realität für Bakterien
01.12.2017 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik