Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Transatlantisches Bündnis in der Globalisierungsforschung

30.03.2001


Rund eine Million DM von der VW-Stiftung für Kooperation von SOFI und MIT

(pug) Seit Mitte der 80er Jahre schon zählen Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu den bevorzugten Diskussionspartnern des Soziologischen Forschungsinstituts an der Universität Göttingen. Wenn Politikwissenschaftler und Ökonomen vom MIT in Europa Ausschau hielten nach Alternativen zum amerikanischen Modell industrieller Massenproduktion, dann setzten sie gerne auf die industriesoziologische Expertise der Göttinger Sozialwissenschaftler. Und wenn Forscher vom SOFI die innovativen Praktiken in der amerikanischen Elektronikindustrie studierten, dann konnten sie auf die intime Branchenkenntnis amerikanischer Kollegen am "Industrial Performance Center" des MIT zählen. "Wir kennen und schätzen uns seit langem", so Dr. Volker Wittke, Direktor am SOFI.


Mit Unterstützung durch die Volkswagen-Stiftung wird die Kooperation der beiden Institute nun auf eine noch breitere Grundlage gestellt. In seiner Frühjahrssitzung bewilligte das Kuratorium der Stiftung ein von Prof. Suzanne Berger vom MIT und Dr. Volker Wittke vom SOFI beantragtes Forschungsprojekt zum Thema "Globalization and the Future of National Systems: Relocation and Reorganization in European Economies". Die Fördersumme beläuft sich auf rund eine Million DM, die Projektlaufzeit wird zwei Jahre und drei Monate betragen. "Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten", so Dr.Wittke. "Nun können wir unsere jeweiligen komparativen Stärken in die kontinuierliche Arbeit an einem gemeinsamen Gegenstand einbringen. Dies ist bei dem Thema auch dringend gefordert, denn es steht quer zu den traditionellen Spezialisierungsmustern der wissenschaftlichen Disziplinen und verlangt ein interdisziplinär besetztes Team." Das Interesse der Forscher richtet sich auf die Globalisierung von westeuropäischen Unternehmen und die Effekte dieser Aktivitäten für das jeweilige nationale Sozialmodell. Das Projekt startet mit der Hypothese, dass die Veränderungsdynamik vor allem deshalb so groß ist, weil westeuropäische Unternehmen seit Mitte der 90er Jahre verstärkt Reorganisations- und Relokalisierungsstrategien miteinander kombinieren. Unternehmen in Deutschland, Frankreich oder Italien folgen damit einem Trend, der in Japan und den USA schon länger wirksam ist. Einst vertikal integrierte Unternehmen brechen ihre traditionellen Organisationsstrukturen auf, konzentrieren sich auf Kernkompetenzen und verlagern wachsende Anteile auf externe Zulieferer. Die Forscher sprechen hier von einer "organisatorischen Fragmentierung von Wertschöpfungsketten". Standorte für einzelne Teile ("Fragmente"), also für Forschung und Entwicklung, Fertigungs- oder Serviceaktivitäten, können leichter über nationale Grenzen hinweg verlagert werden, neuartige Produktionsnetzwerke entstehen.

Für westeuropäische Unternehmen haben sich die Möglichkeiten zum Aufbau und zur Nutzung solcher produktiver Strukturen über Organisations- und Ländergrenzen hinweg massiv erweitert, seit sich der europäische Wirtschaftsraum zunehmend nach Osten ausdehnt. Statistiken belegen, dass Standorte insbesondere in Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik zunehmend von westlichen Unternehmen genutzt werden. Aber auch nordamerikanische Zulieferer der Auto- und der Elektronikindustrie - sogenannte "global supplier", suchen über diese Standorte den Einstieg nach Westeuropa. Die Optionen an östlichen Standorten sind groß, bieten sie doch neben niedrigen Löhnen ein breites Reservoir an industrieerfahrenen, gut ausgebildeten, teilweise hoch qualifizierten Arbeitskräften und ein sehr offenes und gestaltbares institutionelles Umfeld. Äußerst lückenhaft und vorläufig ist allerdings das Wissen darüber, wie westliche Unternehmen diese Optionen nutzen. Welchen Stellenwert haben Standorte in Mittel- und Osteuropa in den Reorganisations- und Relokalisierungsstrategien westeuropäischer Unternehmen? Welche Arten von paneuropäischen Wertschöpfungsnetzwerken entstehen dabei? Wie sieht die Ost-West-Arbeitsteilung in diesen Produktionsstrukturen aus? Und welcher Anpassungsdruck auf die nationalen Institutionengefüge im Westen geht von diesen Entwicklungen aus?

Die Forschungsfragen sollen mit einer breit angelegten Empirie in deutschen, französischen und italienischen Unternehmen der Auto-, der Elektronik- sowie der Textil- und Bekleidungsindustrie geklärt werden. Dabei greift das Forschungsteam sowohl auf die industrie- und arbeitssoziologischen Traditionen des SOFI und seine Erfahrungen in der Transformationsforschung zurück als auch auf die von den MIT-Forschern wesentlich mit geprägte Tradition der amerikanischen "political economy" und der Wirtschaftsgeographie.

Weitere Informationen:
Soziologisches Forschungsinstitut (SOFI)
Dr. Volker Wittke Tel: 0551/ 52205-0
E-Mail: vwittke@gwdg.de

Presse- und Informationsbüro | idw

Weitere Berichte zu: Elektronikindustrie Forschungsinstitut Optionen SOFI Zulieferer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Laser-beschleunigte Protonen zur Krebstherapie
13.09.2016 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Menschen können einzelnes Photon sehen
20.07.2016 | IMP - Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Im Focus: Künstliche Intelligenz ermöglicht die Entdeckung neuer Materialien

Mit Methoden der künstlichen Intelligenz haben Chemiker der Universität Basel die Eigenschaften von rund 2 Millionen Kristallen berechnet, die aus vier verschiedenen chemischen Elementen zusammengesetzt sind. Dabei konnten die Forscher 90 bisher unbekannte Kristalle identifizieren, die thermodynamisch stabil sind und als neuartige Werkstoffe in Betracht kommen. Das berichten sie in der Fachzeitschrift «Physical Review Letters».

Elpasolith ist ein glasiges, transparentes, glänzendes und weiches Mineral mit kubischer Kristallstruktur. Erstmals entdeckt im El Paso County (USA), kann man...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einsteins Geburtsstadt wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

23.09.2016 | Veranstaltungen

Industrie und Wissenschaft diskutieren künftigen Mobilfunk-Standard 5G auf Tagung in Kassel

23.09.2016 | Veranstaltungen

Fachgespräch Feste Biomasse diskutiert Fragen zum Thema "Qualitätshackschnitzel"

23.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Korallenthermometer muss neu justiert werden

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Doppel-Infektion macht Erreger aggressiver

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie