Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pathogenität der Arbeitslosigkeit

01.03.2001


Arbeitslosigkeit ist pathogen
Ergebnisse einer gesundheitsökonomischen Studie

Für seine Magisterarbeit im Aufbaustudiengang Public Health der Universität Ulm über »Gesundheitsökonomische Aspekte der Arbeitslosigkeit. Literaturreview und empirische Analyse der Daten des sozioökonomischen Panels« ist Thomas Steinle, ausgebildeter Zahnmediziner, mit dem Fritz- und Hildegard-Berg-Preis für Gesundheitswissenschaften 2000 ausgezeichnet worden. Er teilt den mit DM 8.000,- dotierten Preis mit Christof Wiesner, Bielefeld, dessen Arbeit über »Gesundheitsförderung mit Migranten - eine kontrastierende Analyse deutscher und amerikanischer Programme« prämiiert wurde. Die Preisverleihung fand anläßlich des Symposiums »Gesund in Gesellschaft« (1. und 2. März 2001 in Hannover) statt.

Seit Mitte der 70er Jahre verschärft sich das Problem der Massenarbeitslosigkeit in den meisten Industrienationen unablässig. Im wiedervereinigten Deutschland hat sich die Arbeitsmarktsituation besonders dramatisch in den neuen Bundesländern entwickelt. Ziel der Untersuchung war es, den Einfluss der Arbeitslosigkeit auf den Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten und die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems zu analysieren. Dazu hat Thomas Steinle publizierte Studien (Literaturreview) zum einen und zum anderen personenbezogene Daten einer bevölkerungsrepräsentativen Längsschnittuntersuchung (Sozioökonomisches Panel SOEP) für die Jahre 1992 und 1997 zugrunde gelegt und unter Einbeziehung eines Ost-West-Vergleiches die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf Mortalitäts- und Morbiditätsraten, auf gesundheitsschädliches Verhalten und auf die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems 16- bis 65jähriger erwerbstätiger und arbeitsloser Deutscher unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Schulbildung, Einkommen und Bestehen einer Partnerschaft betrachtet.

Das sogenannte Sozio-ökonomisches Panel SOEP ist eine seit 1984 jährlich durchgeführte Wiederholungsbefragung einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe in Deutschland. Herangezogen wurden die Daten des SOEP von 6.914 Personen in 3.594 Haushalten der Befragungswelle von 1992 und von 7.323 Personen in 3.428 Haushalten der Befragungswelle von 1997. Auf dieser Datengrundlage hat Steinle seine Analyse mit einem Vergleich von Erwerbstätigen, Kurzzeitarbeitslosen (bis sechs Monate) und Langzeitarbeitslosen durchgeführt.

Sowohl die Auswertung der in die Untersuchung einbezogenen Literatur als auch der Daten des SOEP belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Erwerbsstatus und Gesundheitsindikatoren. Bei Arbeitslosen konnte eine höhere Morbiditäts- und Mortalitätsrate als bei Erwerbstätigen nachgewiesen werden. Ferner ergab das Material, dass Arbeitslose häufiger als Erwerbstätige Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nahmen. Zwischen der Dauer der Arbeitslosigkeit und dem Ausmaß der beobachteten Folgen besteht ein direkt-proportionaler Zusammenhang. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass bereits die Besorgnis einer Arbeitsplatzbedrohung die Gesundheit beeinträchtigen kann. Für eine kausale Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit sprechen zudem die Ergebnisse von Langzeitstudien, wonach eine Verbesserung des gesundheitlichen Zustands bei Wiederbeschäftigung eintritt.

Unberücksichtigt geblieben sind in der Analyse von Steinle die gesundheitsbeeinträchtigenden Effekte der Arbeitsplatzunsicherheit als eines weiteren Aspekts des Komplexes Arbeitslosigkeit. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen eher größer sind als angenommen. Um die Folgen der Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit und die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems quantitativ abzuschätzen, resümiert der Autor, müssten überdies neben der bekannten auch die versteckte Arbeitslosigkeit sowie die Unterbeschäftigung berücksichtigt werden.

Peter Pietschmann | idw

Weitere Berichte zu: Aspekt Erwerbstätig Inanspruchnahme Pathogenität SOEP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie