Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger Wissenschaftler entdecken die für Selbst-Bewusstsein verantwortlichen Hirnregionen

29.01.2001


In den letzten Jahren hat die empirische Erforschung des menschlichen Bewusstseins enormen Aufschwung erlebt. Eine der Kernfragen bezieht sich dabei auf das Vorhandensein und die Bedeutung von Selbst-Bewusstsein und
deren neuronalen Grundlagen.
Die Unterscheidung zwischen Selbst und Fremd ist eine biologische Notwendigkeit aller Lebewesen. Andererseits ist die Fähigkeit, über sich selbst und seine eigene Wahrnehmungen zu reflektieren, eine der höchsten kognitiven Leistungen. Als ein Test für reflexives Selbst-Bewusstsein gilt der in den 70er Jahren von G. Gallup und B. Amsterdam durchgeführte "Spiegel-Test". Nur Kleinkinder ab dem 18. Lebensmonat und erwachsene Schimpansen erkennen sich selbst im Spiegel. Diese Fähigkeit wird auf das Vorhandensein von Selbst-Bewusstsein zurückgeführt.

Eine internationale Forschergruppe um die Tübinger Ärzte Tilo Kircher und Mathias Bartels, unter Beteiligung von Kollegen aus den Universitäten London, Cambridge und Oxford, hat jetzt erstmals das neuronale Korrelat der Selbst-Erkennung entdeckt. Die Ergebnisse wurden im Januar 2001 in der Zeitschrift "Cognition" veröffentlicht.

In mehreren Versuchen an gesunden Männern haben sie die lokale neuronale Aktivität mit funktioneller Kernspintomographie gemessen. Sie präsentierten den Probanden Fotos ihres eigenen Gesichtes und das ihres Partners (Ehefrau oder Freundin) zum Vergleich, um emotionale Reaktionen auf bekannte Gesichter kontrollieren ("herauskürzen") zu können. Weiterhin wurden Gesichter von unbekannten Männern und Frauen zum Vergleich gezeigt. Bei der Betrachtung des eignen Gesichtes waren weite Teile des rechtshemisphärischen limbischen Systems und der linke Frontallappen aktiviert, bei der Betrachtung des Partners dagegen lediglich ein kleines Areal in der rechten Gehirnhälfte.

Die Ergebnisse zeigen einen dramatischen Unterschied in der neuronalen Verarbeitung des eigenen Gesichts im Vergleich zu einer emotional nahestehenden Person. An der Selbsterkennung sind stammesgeschichtlich sehr junge Areale (linker Frontallappen), die mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion in Verbindung gebracht werden, und sehr alte (limbisches System), das vielleicht mit dem diffusen Gefühl des "Selbst" oder "Ich" zusammenhängt, beteiligt.

Die Untersuchungen konnten bisher erstmalig zeigen, das "Selbst-Bewusstsein" mit naturwissenschaftlichen Methoden erforschbar ist. Es eröffnen sich dadurch auch völlig neue Möglichkeiten zur Erforschung von häufigen Erkrankungen wie der Schizophrenie, die mit einer grundlegenden Störung des Selbst-Bewusstseins einhergehen.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. Tilo Kircher
Tel. 0 70 71 / 29-8 23 11, Fax 0 70 71 / 29-41 41
E-Mail: tilo.kircher@uni-tuebingen.de

http://www.elsevier.nl/gej-ng/10/15/63/67/24/28/article.pdf

Dr. Ellen Katz | idw

Weitere Berichte zu: Betrachtung Selbst-Bewusstsein Vorhandensein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Forschende der Uni Kiel entwickeln extrem empfindliches Sensorsystem für Magnetfelder
15.02.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Getarntes Virus für die Gentherapie von Krebs
31.01.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics