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Haben Umweltchemikalien Einfluss auf Fortpflanzung?

05.11.2002


Europäische Kommission unterstützt Projekt zu Umwelthormonen mit 3,3 Millionen Euro; 18 Institute aus 10 Ländern beteiligt; Koordination: Dr. Ulrike Schulte-Oehlmann, Zoologisches Institut der Universität Frankfurt



Die Europäische Kommission unterstützt seit dem 1. Oktober 2002 ein Forschungsprojekt zum Thema "Umweltchemikalien mit hormonähnlicher Wirkung", den so genannten endokrinen Disruptoren, über einen Zeitraum von drei Jahren mit einem Gesamtbetrag von 3,3 Millionen Euro. Das Projekt COMPRENDO (Comparative Research on Endocrine Disrupters), an dem 18 Institute aus zehn Ländern teilnehmen, wird von Dr. Ulrike Schulte-Oehlmann, Zoologisches Institut der Universität Frankfurt, koordiniert. Wesentliche Teile des wissenschaftlichen Programms werden darüber hinaus in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jörg Oehlmann, Zoologisches Institut, bearbeitet.



Endokrine Disruptoren stehen im Verdacht, die hormonelle Kontrolle bei Wildtieren und Menschen zu stören und so die Wachstums-, Entwicklungs- und Fortpflanzungsprozesse negativ zu beeinflussen. So konnten zum Beispiel Vermännlichungen und Verweiblichungen bei wasserlebenden Schnecken, Fischen und Amphibien beobachtet werden, die bis zum Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit führten. Auch beim Menschen werden endokrine Disruptoren mit der steigenden Zahl ungewollt kinderloser Paare sowie der Zunahme hormonabhängiger Krebserkrankungen in den Industrieländern wie bestimmten Brustkrebsformen, Hoden- und Prostatakarzinomen in Verbindung gebracht.

Sowohl die weiblichen Sexualhormone, die Östrogene, als auch die männlichen Sexualhormone, die Androgene, haben einen großen Einfluss auf die Entwicklung, das Wachstum und die Fortpflanzung aller mehrzelligen Tiere und damit auch des Menschen. Während in der Vergangenheit vor allem hormonähnliche Substanzen mit einer östrogenartigen und antiöstrogenen Wirkung im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses standen, beschäftigt sich COMPRENDO primär mit Verdachtsstoffen mit androgenen und antiandrogenen Eigenschaften. Eine entsprechend wirkende Substanz ist Tributylzinn (TBT), das bereits in Konzentrationen von unter einem milliardstel Gramm pro Liter Wasser zur Vermännlichung von Wasserschnecken und zu deren Sterilisierung führt. Auch beim Menschen liegen Verdachtsmomente für TBT-induzierte Hormonstörungen vor. Die Substanz wird zum Beispiel im Schutzanstrich von Schiffen eingesetzt, ist aber auch in Gebrauchsgegenständen des täglichen Bedarfs zu finden.

COMPRENDO will zum einen aufklären, in welchem Maße der Mensch androgen und antiandrogen wirksamen Substanzen ausgesetzt ist. Dazu werden neben Blut- und Gewebeproben auch Nahrungsmittel aus den europäischen Ländern analysiert. Weiterhin soll die Empfindlichkeit von Vertretern unterschiedlicher Tierstämme, von Krebsen und Schnecken bis hin zu den Säugetieren, gegenüber den Substanzen vergleichend charakterisiert werden. Ein weiteres Ziel ist es, neue Testsysteme zu entwickeln, mit deren Hilfe die Gefährdung des Menschen durch hormonähnliche Chemikalien abgeschätzt werden können.

Ein Foto der Apfelschnecke Marisa cornuarieti, einer der Testorganismen im Projekt COMPRENDO, ist in der Pressestelle erhältlich. Die Weibchen dieser Art werden durch Androgene bereits bei sehr geringen Konzentrationen vermännlicht und entwickeln dann einen Penis und Samenleiter.

In Kürze werden sich alle Projektbeteiligten an der Universität Frankfurt zum Kick-off-Workshop treffen. Themen werden unter anderem Details der wissenschaftlichen Kooperation sowie die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts sein. Das COMPRENDO-Konsortium hat sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit auf möglichst breiter Basis und zeitnah über die wissenschaftlichen Befunde und Schlussfolgerungen aus dem Projekt zu informieren, das für den Umwelt-, aber auch Verbraucher- und Gesundheitsschutz in der Europäischen Union von großer Bedeutung ist.

Nähere Informationen: Dr. Ulrike Schulte-Oehlmann, COMPRENDO-Koordinatorin, Zoologisches Institut, Telefon: 069/798-24850, Fax: 069/798-24738, E-mail: schulte-oehlmann@zoology.uni-frankfurt.de

Dr. Ralf Breyer | idw

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