Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwischen Berlin und Usedom - immer häufiger, immer kürzer

28.02.2001


TU-Verbundprojekt kreiert mit "Raumpartnerschaften zwischen Kontrasträumen" ein neues Steuerungsinstrument für den Freizeitverkehr/Präsentation auf der ITB am 6. März 2001

Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach Kontrasten und leben verschiedene Identitäten an unterschiedlichen Orten aus. Der Manager einer Großstadt verlässt sie, um am Wochenende sein Grundstück im Grünen zu pflegen, der Naturfreund fährt zum Dauercampen in die Dünen. Immer häufiger richten sich Menschen ihr Zuhause in mehreren räumlichen Arealen ein - eines beispielsweise in Berlin, ein weiteres im Erholungsraum Usedom. Das sind die Ausgangspunkte für ein umfassendes Forschungsprojekt am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin. Das mit rund 2,5 Millionen Mark Fördergeldern durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgestattete Verbundprojekt möchte den neuen Begriff der Raumpartnerschaft wissenschaftlich untermauern.

"Raumpartnerschaften sind etwas ähnliches wie Städtepartnerschaften", sagt Dr. Hans-Liudger Dienel, einer der drei Projektleiter, "aber nicht zwischen Städten, sondern zwischen Räumen und ihren Akteuren, die sich ergänzen. Organisierte Allianzen zwischen solchen Kontrasträumen, etwa der Metropole und der Urlaubsinsel, bieten viele Anknüpfungspunkte für nachhaltige Wachstumschancen im Freizeitverkehr." Dieser steht denn auch im Mittelpunkt der Überlegungen der 15 Projektmitarbeiter aus unterschiedlichen Disziplinen. Neben Dienel sind Prof. Dr. G. Wolfgang Heinze (Institut für Straßen- und Schienenverkehr, Sprecher des Projekts) und Prof. Dr. Hans Joachim Harloff (Institut für Sozialwissenschaften) in der Projektleitung.

Der wachsende Freizeit- und Urlaubsverkehr lässt sich nur sehr gering steuern. Der Trend geht dabei zu immer kürzeren und häufigeren Reisen verstärkt auch in die nähere Umgebung. "Die Verkehrswissenschaft hat sich dem Freizeitverkehr lange nur widerwillig gestellt", resümiert Dienel, "nicht zuletzt, weil er schwer zu verstehen, zu planen und zu steuern ist." Auch für Politik und Wirtschaft gilt dies. Freizeitverkehr ist - jedenfalls in Deutschland - zu einem großen Teil Individualverkehr. Mit dem Konzept der Raumpartnerschaften besteht die Aussicht, die Verkehrsbeziehungen zwischen urbanem Wohnort und kontrastreichen Naherholungsgebiet nachfrageorientierter zu gestalten und gleichzeitig ressourcensparend zu bündeln. Die Mobilitätsangebote müssten dabei so konzipiert werden, dass der Gebrauch in Routinen übergeht und ein Nutzen ohne Nachdenken möglich wird - ähnlich wie bei einer Reise mit dem eigenen Auto.

Auch die Mobilität im Naherholungsgebiet muss sichergestellt werden. Hier sind dem Gebiet angepasste neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Beispielsweise ein preisgünstiges Leihwagensystem, das der Bahnreisende problemlos nutzen kann. "Naherholungsgebiete", so der TU-Wissenschaftler, "bieten außerdem gute Voraussetzungen, um neue Produkte und Dienstleistungen zu erproben." Kontrasträume seien immer auch Testräume. Vorstellbar sind abgas- und lärmarme Elektrofahrzeuge, öffentliche Fahrräder sowie CarSharing. Außerhalb ihrer stark durch Routine bestimmten Arbeits- und Wohnumgebung sind Menschen tendenziell offener für das Experimentieren mit neuen Produkten. Das gilt auch für das Ausprobieren und Übernehmen neuer Verhaltensmuster. Die Ausnahmesituation am Urlaubsort könnte über den begrenzten Zeitraum hinaus eine längerfristige Wirkung haben und das Aufbrechen von Routinen erleichtern, "vor allem auch im Verkehrsbereich", betont der Wissenschaftler.

Dabei zielt das Konzept einer Raumpartnerschaft vor allem auf den Gedanken der Nachhaltigkeit - jedoch nicht nur in ökologischer Hinsicht, "sondern auch sozial, kulturell und ökonomisch sollen die angedachten Projekte und Kooperationsvorschläge einen nachhaltigen Charakter bekommen".

Die Begleitforschung zu diesem Vorhaben wird auf mehreren Ebenen durchgeführt. Neben Verkehrswissenschaftlern beschäftigen sich beispielsweise Psychologen mit der Reise- und Ausflugsmotivation. Sie untersuchen unterschiedliche Milieus und Gründe, die zu einer bestimmten Verkehrsmittelwahl führen. Die Politikwissenschaftler konzentrieren auf den Entwurf eines praktisch-politischen Partnerschaftsmodells sowie die Beteiligung von Experten und Betroffenen. Das historische Teilprojekt befasst sich u.a. mit den gewachsenen Verbindungen zwischen den beiden Gebieten und lotet die heutige Bedeutung der Insel Usedom als "Badewanne der Berliner" aus. Auch Wissenschaftler der ETH Zürich beteiligen sich an diesem Projekt, denn das Berliner Konzept ist auf Übertragbarkeit angelegt. "Und von den Schweizern kann man in punkto Freizeitverkehr", so der TU-Wissenschaftler, "einiges lernen." Dort befasst man sich mit einer Raumpartnerschaft zwischen Zürich und Graubünden.

Aber nicht nur Usedom und die Alpenrepublik interessieren die Berliner. Ein Projekt, das in Kürze starten soll, wird sich mit dem Gemeinschaftsverkehr auf dem Lande beschäftigen. Dafür rechnet man am Zentrum Technik und Gesellschaft mit Drittmitteln in Höhe von zwei Millionen Mark. Ein anderes Forscher-Team befasst sich mit den Verkehrsströmen bei Groß-Events. Dabei geht es weniger um ein intelligentes Staumanagement, sondern um eine Organisation der An- und Abreise im Sinne der Veranstaltungsidee.

Wollen Sie sich über das Projekt "Raumpartnerschaften zwischen Kontrasträumen" näher informieren, laden wir Sie herzlich zur öffentlichen Präsentation ein:

Zeit: am 6. März 2001, ab 14.15
Ort: auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, Messe Berlin, Halle 14.2

Als Gesprächspartner stehen Ihnen aus der TU Berlin der Sprecher des Projekts, Prof. Dr. G. W. Heinze, (030/314-23308), Dipl.-Pol. Dörte Ohlhorst, Zentrum Technik und Gesellschaft (030/314-79383), und Dipl.-Psych. Bettina Graf, Institut für Sozialwissenschaften, sowie von der ETH Zürich Prod. Dr. Kay Axhausen und Dr. Hans-Peter Meier-Dallach vom cultur prospectiv institut Zürich zur Verfügung.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Hans-Liudger Dienel, Wiss. Geschäftsführer, Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin, Hardenbergstraße 4 - 5, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-21406, Fax: 030/314-26917, E-Mail: Dienel@ztg.tu-berlin.de, Internet: www.ztg.tu-berlin.de/index.html


Diese Medieninformation finden Sie auch im World Wide Web unter der Adresse:
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2001/pi38.htm

Ramona Ehret | idw

Weitere Berichte zu: Freizeitverkehr Raumpartnerschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Nano-CT-Gerät liefert hochauflösende Aufnahmen von winzigem Stummelfüßer-Bein
07.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften