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RUB-Forscher sind dem magnetischen Orientierungssinn auf der Spur

02.10.2002


Die Versuchsapparatur


Ein Rotkehlchen wird in den Trichter gesetzt


Warum Zugvögel immer den Weg finden

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Zugvögel nutzen das Magnetfeld der Erde, um sich zu orientieren und ihren Weg zu finden. Der Magnetsinn ist der letzte weitgehend unerforschte Sinn. Forscher fragen sich, wie er funktioniert. Eine Antwort haben Onur Güntürkün und Helmut Prior, Abteilung Biopsychologie, (Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität) in Kooperation mit Joachim Traudt, Roswitha Wiltschko und Wolfgang Wiltschko vom Zoologischen Institut der Universität Frankfurt gefunden: In der aktuellen Ausgabe von "Nature" (03.10.) berichten sie, dass die Tiere das Magnetfeld ausschließlich über das rechte Auge und mit der linken Hirnhälfte wahrnehmen. So erscheint es ihnen vermutlich als plastisches Objekt, an dem sie sich orientieren können.

Den Norden sehen


"Das Magnetorientierungssystem findet Eingang über das rechte Auge der Tiere", sagt Onur Güntürkün, "es benutzt quasi das visuelle System, um sich Zugang zur Wahrnehmung zu verschaffen". Aus diesem Ergebnis schließen die Wissenschaftler, dass die Tiere den magnetischen Norden tatsächlich mit dem Auge wahrnehmen können, und zwar mit der linken Hirnhälfte, die auch für das Sehen von Objekten zuständig ist. Die Zugvögel wissen zu jeder Tages- und Nachtzeit, wo der magnetische Norden liegt. Ein biophysikalisches Modell, das eine deutsch-amerikanische Forschergruppe vor zwei Jahren entwickelt hat, zeigt, dass das Magnetfeld Fotorezeptoren im Auge beeinflussen kann. Dadurch entsteht vermutlich ein plastisches "Bild", so dass die Tiere den Norden "sehen" können.

Ein "triviales" Experiment

"Herausgefunden haben wir das in einem eigentlich "trivialen" Experiment", so Güntürkün. Die Biopsychologen fingen Rotkehlchen ein, die gerade auf ihrer Nordwanderung waren, und sperrten sie über Nacht in einen Trichter, der mit Papier ausgekleidet war. Die "Zugunruhe" der Vögel äußerte sich in Kratzspuren auf dem Papier, anhand derer sich die Zugrichtung ablesen ließ. Das Ergebnis: Die Tiere wollten ausschließlich nach Norden. In einem zweiten Schritt benutzten die Forscher Augenkappen, um den Tieren abwechselnd das linke und rechte Auge zu verdecken: Wurde das rechte Auge abgedeckt hatten die Tiere keinerlei Orientierung mehr, ohne das linke zeigten die Kratzspuren wieder gen Norden. Setzten die Wissenschaftler so genannte Helmholtz-Spulen ein, die das Magnetfeld umkehren, tendierten die Tiere in Richtung Süden, denen das linke Auge verdeckt worden war.

Komposition der Sinne

Das Magnetorientierungssystem ist ein Sinn, der Zugvögeln hilft, ihren Weg zu finden. Ohne das visuelle System wäre der Magnetsinn wirkungslos, so dass sich beide Wahrnehmungsmechanismen sinnvoll ergänzen. Tiere, die überwiegend nachts ziehen, nutzen zudem die Sterne, um sich zu orientieren, andere, z. B. Tauben, nutzen auch den Sonnenkompass oder den Geruch von Landschaften.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Dr. h.c. Onur Güntürkün, Dr. Helmut Prior, Abteilung Biopsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Fakultät für Psychologie der RUB, GAFO 05/618, Tel. 0234/32-26213, -26804, Fax: 0234/32-14377, E-Mail: Onur.Guentuerkuen@ruhr-uni-bochum.de, helmut.prior@ruhr-uni-bochum.de 

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.bio.psy.ruhr-uni-bochum.de/

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