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Die ökonomischen Folgen des neuen, globalen Terrorismus

11.09.2002


Ein Jahr nach den Anschlägen in New York und Washington vom 11. September werden die ökonomischen Auswirkungen des neuen, globalen Terrorismus deutlich. Eine internationale Konferenz im Juni 2002 am DIW Berlin kam zu dem Ergebnis, dass es - neben den unmittelbaren Schäden - in erheblichem Maße zu nachhaltigen Beeinträchtigungen der Weltwirtschaft gekommen ist. Der aktuelle Wochenbericht des DIW Berlin fasst die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz zusammen.

Der Charakter der Anschläge hatte in den Folgemonaten das ohnehin fragile Verbrauchervertrauen in den USA und in Europa geschwächt und zu einem Nachfrageschock geführt. Für Fluggesellschaften, Versicherungen und den internationalen Handel sind die ökonomischen Folgen der Terrorsanschläge vom elften September am höchsten. Die Anschläge vom 11. September haben wahrscheinlich den größten Einzelschaden in der Versicherungsgeschichte verursacht. In Folge des 11. September bis Mitte April 2002 flossen mindestens 25 Mrd. US-Dollar in die Versicherungsbranche. Das Ausmaß dieser Kapitalzuflüsse kann als Indiz für die unerwartet hohe Schadenssumme und auch für die knappen Reserven der Versicherungen gewertet werden. Fraglich ist, ob extrem große Terrorschäden noch privatwirtschaftlich versicherbar sind.

Unmittelbar nach den Anschlägen wurden massive zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen im privaten und öffentlichen Sektor ergriffen. Eine auf der Konferenz vorgestellte Berechnung für die USA zeigte, dass die Erhöhung der Sicherheitsausgaben der privaten amerikanischen Wirtschaft eine Senkung der Arbeitsproduktivität um 1,12% und der totalen Faktorproduktivität um 0,63% bewirkt hat. Dies entspräche, für sich genommen, einem Verlust an amerikanischem Bruttosozialprodukt von rund 70 Mrd. US-Dollar pro Jahr. Bei diesem Wert ist zu berücksichtigen, dass die Sicherheitsmaßnahmen langfristig effizienter gestaltet werden können und damit die Produktivität wieder steigt.

Es ist zu erwarten, dass in Folge des neuen, globalen Terrorismus die Sicherheit einen zunehmenden Stellenwert erhalten wird. Dies führt zu höheren Transaktionskosten, die insbesondere den internationalen Handel belasten. Auf der Konferenz am DIW Berlin wurde eine Simulationsrechnung für die Weltwirtschaft vorgestellt, in der eine durchschnittliche Erhöhung der Transaktionskosten im internationalen Handel von einem Prozentpunkt des gehandelten Warenwertes als Folge der Terroranschläge unterstellt wird. Absolut betrachtet entstehen die höchsten Wohlfahrtverluste in Westeuropa, Nordamerika und Nordasien, da diese Regionen am meisten vom neuen, globalen Terrorismus bedroht sind. Südasien, Nordafrika und der Nahe Osten haben geringere Wohlfahrtsverluste. In Relation zum Bruttosozialprodukt sind die Verluste hier aber von weit größerem Gewicht als in den anderen Regionen, nicht zuletzt aufgrund der hohen Importabhängigkeit. Insgesamt ergibt sich eine Verringerung des Weltbruttosozialprodukts um rund 75 Mrd. US-Dollar, das sind 0,24% des Weltsozialprodukts für das Jahr 2001.

Als Kompensation für die Beeinträchtigungen gilt es, weltweit ausgleichende Wachstumsimpulse zu schaffen. Dazu gehört auch ein beschleunigter Abbau von Handelsbarrieren im Rahmen der WTO-Verhandlungen. Dies dürfte auch Entwicklungsländer motivieren, die ursprüngliche Anti-Terror-Koalition weiter zu unterstützen.

Entscheidend für die Minimierung von negativen ökonomischen Konsequenzen ist die schnelle Verbreitung von Informationen gerade auch zwischen politischen Instanzen, Regulierungsbehörden und Zentralbanken im Falle eines Terroranschlages. Transaktionskosten können auch durch die effiziente Organisation von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen verringert werden. So sollte die Umsetzung neuer Sicherheitsstandards möglichst von privaten Unternehmen erfolgen, die im Wettbewerb effiziente Lösungen erreichen. Bei der Kompensation von betroffenen Sektoren bzw. der Regulierung dieser Sektoren, zum Beispiel in der Luftfahrtbranche oder im Rückversicherungswesen, sollten ebenfalls der Grad des Wettbewerbs so wenig wie möglich eingeschränkt werden.

Dipl.Volkswirtin Dörte Höppner | idw
Weitere Informationen:
http://www.diw.de/

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