Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zum "nebenwirkungsfreien" Hörgerät

11.09.2002


Aktives Störschall-Management eliminiert unerwünschte Töne

Hörgeräte haben nicht nur erwünschte hörverbessernde Wirkungen, sondern sie zeitigen recht häufig auch unerwünschte Nebenwirkungen. Mit diesem Phänomen schlagen sich heute die meisten Träger technischer Hörhilfen herum. So sehr sie einerseits die positiven Eigenschaften ihrer Geräte zu schätzen wissen, so häufig werden sie anderseits mit der Schattenseite dieser Technik konfrontiert. Nämlich mit der Tatsache, dass Hörgeräte nicht nur erwünschte Töne verstärken, sondern auch solche, die als störend empfunden werden.

Während das gesunde Ohr dank seiner Dynamik und des Zusammenspiels zwischen Hören und Wahrnehmung solch störende Geräusche wegfiltern kann, ist ein geschädigtes Gehör dazu nur noch sehr beschränkt in der Lage. Deshalb sind Hörgeräteträger in geräuschvoller Umgebung - handle es sich dabei nun um technischen Lärm oder um das Stimmengewirr mehrerer Personen - stark benachteiligt und stellen ihre Systeme oftmals entnervt ab.

Damit vermögen Hörgeräte häufig gerade jene Funktion nicht oder nur ungenügend wahrzunehmen, die mit Abstand ihre wichtigste ist: Die Unterstützung und Sicherstellung des zwischenmenschlichen Kontakts. "Hören im Störlärm" zählte deshalb seit Beginn der Entwicklung und Anpassung technischer Hörhilfen zu den grossen ungelösten Problemen dieses bedeutenden Zweigs der Medizinaltechnik. Ähnlich wie bei der Entwicklung von Heilmitteln setzen deshalb auch die Forscher im audiologischen Bereich auf die Entwicklung von Systemen, die bei einem Optimum an Effizienz mit einem Minimum an unerwünschten Nebenwirkungen belastet sind.

Dieses ehrgeizige Ziel konnte im Rahmen der Entwicklung des jüngsten Hör-Computers aus dem Hause Siemens, Triano TriMic, nahezu vollumfänglich erreicht werden. Denn das System verfügt über drei entscheidende Errungenschaften, welche die Qualität der Sprachverständlichkeit nachhaltig fördern und optimieren:

3-Mikrofon-Technik: Neben einem omnidirektionalen Kugelmikrofon und einem direktionalen Richtmikrofon verfügt das System noch über ein drittes, extrem feines Klangwahrnehmungsinstrument, welches die einzelnen Schallquellen im Raum zu lokalisieren und zu identifizieren vermag. Dadurch ist es möglich, Störschallquellen gezielt zu verfolgen und abzudämpfen oder zu unterdrücken.

ConTrast-System: Dieses bewirkt, dass die vom Richtmikrofon eingefangene Sprache der Gesprächspartner in Kontur und Artikulation künstlich verbessert wird - unter anderem dadurch, dass laute Vokale gegenüber leisen Konsonanten abgedämpft und nachhallende Laute, die die folgenden Klänge zu überdecken drohen, zeitlich verkürzt werden.

Gezielte Ausschaltung von Störmustern: Technische Störgeräusche weisen zumeist bestimmte Charakteristiken auf. Dies ermöglicht es, entsprechende "Störmuster" in einer Bibliothek abzulegen und diese permanent mit dem Schalleingang zu vergleichen. Wenn also während eines Gesprächs plötzlich ein Staubsauger oder ein anderes Gerät zu lärmen beginnt, so wird dieses Geräusch unverzüglich als störend identifiziert und stark abgedämpft.

Diese drei wichtigen Leistungskomponenten - wie auch die verfügbaren 16 Kanäle - bewirken, dass diese Hörgeräte der jüngsten Generation die individuellen Hörverluste immer besser zu kompensieren vermögen. Und dies ausserdem in einem Frequenzbereich, der für das soziale Wohlbefinden des Menschen von entscheidender Bedeutung ist: jenem der menschlichen Sprache.

Beat Rieder | pte.online

Weitere Berichte zu: Geräusch Hörgerät Hörhilfe Nebenwirkung Richtmikrofon

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Placebo-Effekt hilft nach Herzoperationen
11.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie