Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Kunststoffe leiten können

28.08.2002


Jenaer Chemiker schaffen Grundlagen für "Nature"-Artikel

"Mit den physikalischen Entwicklungen, die im Artikel beschrieben werden, haben wir nichts direkt zu tun", sagt der Chemiker Dr. Hartwig Tillmann. "Wir haben die chemischen Grundlagen zur Verfügung gestellt", beschreibt der Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Und gesteht dann allerdings: "Ohne uns hätten die Versuche nicht gemacht werden können". Im Ergebnis stehen Dr. Tillmann und sein inzwischen im Ruhestand befindlicher Betreuer Prof. Dr. Hans-Heinrich Hörhold als Koautoren über einem Artikel, der am Donnerstag (29.08.) in der renommierten Fachzeitschrift "Nature" erscheint. Der Beitrag "Near-infrared sensitivity enhancement of photoreactive polymer composites by pre-illumination" wird unter der Federführung von PD Dr. Klaus Meerholz von der Uni München publiziert, beteiligt sind weitere Wissenschaftler aus Köln und Groningen.

Die "Kunststoffe", die die Jenaer Chemiker für die physikalischen Untersuchungen bereit gestellt haben, entstammen langjährigen, inzwischen abgeschlossenen Forschungen am Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Universität Jena. Es sind Makromoleküle mit besonderen Strukturen. Diese Polymere haben die Chemiker aus einzelnen "Bausteinen" so miteinander verknüpft und strukturiert, dass sie elektrisch leitfähig sind. Durch diese Synthese sind organische Halbleitermaterialien entstanden, die so gar nichts mehr mit den bekannten Kunststoffen wie Gummi oder Plastik gemeinsam haben. Sie sind eher moderne Konkurrenten von anorganischen Halbleitermaterialien, wie dem aus der Chipproduktion bekannten Silizium.

Die neuen Polymere - für die Versuche des Nature-Artikels wurde Triphenylaminindimer-Polyphenylenvinylen (TPD-PPV) benutzt - weisen zahlreiche Vorteile auf: Sie sind temperatur- und lichtstabil und lassen sich auf Grund ihrer besonderen Filmbildungseigenschaften sehr gut auf relativ große Flächen, etwa Handydisplays, auftragen. Dies eröffnet vielfältige Einsatzmöglichkeiten etwa für optische Schaltelemente oder LED-Displays, die bei Handys oder in Zukunft auch bei Flachbildschirmen Verwendung finden könnten.

"Durch Variation der Polymerstruktur kann man die opto-elektronischen Eigenschaften der Materialien verändern", erklärt Tillmann, "so dass LEDs je nach Bedarf rot, grün oder blau leuchten können". Und auch die anderen Eigenschaften wie Thermostabilität oder Löslichkeit "können durch eine Veränderung der Strukturen von uns gezielt beeinflusst und gesteuert werden", weist der 33-jährige Chemiker auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Gerade im Bereich der Solarzellenentwicklung aber auch anderen Feldern der nichtlinearen Optik können die Polymere als photorefraktive Materialien eingesetzt werden - wie nicht zuletzt der aktuelle Nature-Beitrag beweist.

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: Einsatzmöglichkeit Halbleitermaterial Kunststoff Polymer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Forschende der Uni Kiel entwickeln extrem empfindliches Sensorsystem für Magnetfelder
15.02.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Getarntes Virus für die Gentherapie von Krebs
31.01.2018 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics