Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protein mit Potential - Untersuchung der Rolle des Apolipoprotein A-IV bei koronaren Gefäßerkrankungen

24.07.2002


30 bis 50 % aller Todesfälle in den westlichen Industrienationen werden laut WHO durch Arteriosklerose verursacht. Während Cholesterin bei der Arterienverkalkung seit Jahren als Risikofaktor gilt, ist einem anderen Faktor, dem Apolipoprotein A-IV (kurz ApoA-IV), bislang wenig Beachtung gewidmet worden. Florian Kronenberg vom Institut für Medizinische Biologie und Humangenetik der Universität Innsbruck und seine Mitarbeiter haben nun in einem vom FWF unterstütztem Projekt einen Zusammenhang zwischen niedrigen ApoA-IV Konzentrationen und koronaren Gefäßerkrankungen beim Menschen nachgewiesen.

Ein zu hoher Cholesterinspiegel im Blut fördert die Entstehung von Arteriosklerose. Mangelnde Bewegung, hoher Nikotinkonsum, übermäßige Nahrungsaufnahme etc. sind die äußeren Gründe für die Fettstoff-Wechselprobleme, die zur Ablagerung von Cholesterin in den Blutgefäßwänden führen. Diese Zusammenhänge sind bekannt und in der medizinischen Praxis berücksichtigt. Relativ neu allerdings sind Hinweise, dass das ApoA-IV antiatherogene Eigenschaften hat und sich damit positiv gegen die degenerativen Veränderungen der Gefäßwände bei Arteriosklerose auswirkt. ApoA-IV ist an mehreren Schritten des Cholesterin-Rücktransportes beteiligt, der Cholesterin zur Leber oder anderen Organen transportiert, in denen es verstoffwechselt wird. Darüber hinaus ließ sich bei Mäusen mit einem überdurchschnittlich hohen ApoA-IV Spiegel eine deutlich verminderte Entwicklung von Arteriosklerose nachweisen. Nach der Kreuzung mit Mäusen, die aus genetischen Gründen eine starke Arteriosklerose aufweisen, kam es zu einer deutlichen Verbesserung des Arteriosklerose-Ausmaßes in der nächsten Generation. "Grund genug, dieses Protein näher zu studieren. Dabei müssen zunächst jene Variablen festgestellt werden, die einen Einfluss auf die ApoA-IV Konzentration haben", erläutert Kronenberg.

ApoA-IV - ein neuer Zielparameter?
Um diese Einflussfaktoren zu erfassen, hat Kronenberg im Rahmen der "Bruneck-Studie" den ApoA-IV Spiegel von rund 1000 Personen gemessen und die Ergebnisse in Beziehung zu ausführlichen Informationen zu Diät, Trainingszustand, Laborparametern, etc. gestellt. So konnten sowohl Einflussvariablen als auch das Ausmaß der Beeinflussung ermittelt werden. Kronenberg: "Wir konnten zeigen, dass die Konzentrationen von ApoA-IV z.B. durch Nierenerkrankungen massiv ansteigen. Daher können hohe ApoA-IV Spiegel ein früher Parameter für die Diagnose von Nierenkrankheiten sein." Kronenberg will auch feststellen, ob ApoA-IV bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Arteriosklerose tatsächlich eine direkte Rolle spielt. Davon hängt es ab, ob ApoA-IV z.B. als "drug target", sprich als Ziel für Medikamente dienen könnte, die gezielt die ApoA-IV Konzentration erhöhen und somit das Arteriosklerose-Risiko verringern. In diesem Zusammenhang setzt Kronenberg einen Schwerpunkt auf die Frage, ob und wie die ApoA-IV Konzentrationen genetisch gesteuert sind. "Wir wollen jene Gene finden, die den ApoA-IV Spiegel beeinflussen."

Univ.-Doz.Dr. Florian Kronenberg | Presseaussendung

Weitere Berichte zu: A-IV ApoA-IV Apolipoprotein Arteriosklerose Cholesterin Gefäßerkrankung Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten