Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltige Zukunft für europäische Metropolen

08.07.2008
Interdisziplinäres Forschungsprojekt untersucht, welche unterschiedlichen Strategien einzelne Großstädte in Europa einschlagen, um ihre Entwicklung nachhaltig zu gestalten / Strukturelle Bedingungen auf städtischer Ebene spielen eine ebenso große Rolle wie eine Förderung durch übergeordnete politische Maßnahmen / Beispielhafte Untersuchungen in Hamburg, Leipzig und Wien / Beteiligung von lokalen Fachleuten am Projekt gewährleistet Integration von Wissen und Erfahrung aus der Praxis / Ergebnisse des Projektes sind nun als Buchpublikation erhältlich.

Die Großstädte in Europa entwickeln sehr unterschiedliche Strategien und Konzepte, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Dabei wird zunehmend auch dem Prinzip der Nachhaltigkeit Rechnung getragen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes "Nachhaltige Entwicklung zwischen Durchsatz und Symbolik" (NEDS) zeigen, dass die jeweiligen lokalen Nachhaltigkeitsstrategien zum einen von den spezifischen Bedingungen abhängen, auf die man sich vor Ort stützen kann, sich zum anderen aber auch stark nach den Angeboten übergeordneter Politikebenen richten; dabei spielt ganz offenbar insbesondere die Struktur-Förderung durch die Europäische Union eine entscheidende Rolle. "Überspitzt gesagt: Nachhaltigkeit heißt in den Metropolen oft das, was am meisten Geld bringt", fasst die Projektkoordinatorin Dr. Sybille Bauriedl die Ergebnisse zusammen. "Nachhaltigkeit ist demzufolge oft ein Zusatzprojekt, das die Kommunen auf ihre Entwicklungspolitik draufsatteln - sofern es dafür Fördermittel gibt."

Das Projekt, das die wissenschaftliche und politische Nachhaltigkeitsdebatte in Europa aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht hat, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "Sozial-ökologische Forschung" gefördert. Die Sozial-ökologische Forschung verfolgt das Ziel, gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteuren Lösungen für Nachhaltigkeitsfragen zu erarbeiten und die Ergebnisse stärker in die Umsetzungspraxis zu integrieren.

... mehr zu:
»Metropole »Sozial-ökologisch
Für seine Untersuchungen hat das Projekt drei beispielhafte Städte ausgewählt: Hamburg als Region mit einem anhaltenden Wachstum, Leipzig als Stadt in einer vom Bevölkerungsschwund gekennzeichneten Region, sowie Wien als ökonomisch konsolidierte Kommune mit einem starken politisch-administrativen System.

Die Raumordnungspolitik der EU ist in den letzten Jahren verstärkt darauf ausgerichtet, die Metropolregionen zu stärken und sie zu "Motoren der Entwicklung" zu machen.

Dort sollen innovative Prozesse entwickelt werden, die Europa zukunftsfähig machen. Dementsprechend spielen hier Nachhaltigkeitskonzepte eine große Rolle. So geht der Trend verstärkt zu einer "Stadt der kurzen Wege", in der Arbeiten, Wohnen und Freizeit auf kompaktem Raum möglich gemacht werden. Dies wiederum grenzt den enormen Flächenverbrauch durch Zersiedelung im Umland ein, der inzwischen als eines der größten Probleme für die nachhaltige Stadt der Zukunft angesehen wird.

Vier Trends, mit denen Zukunftsunsicherheit zwangsläufig verbunden ist, wirken sich auf die Entwicklung aller großen europäischen Städte aus: Zum einen findet ein Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft statt; zum zweiten macht sich der demografische Wandel mit einer Überalterung und einem räumlich völlig unterschiedlichen Rückgang der Bevölkerung bemerkbar. Zum dritten sind auch die Metropolen von der ökonomischen Globalisierung und dem Trend zu übernationalen politischen Entscheidungen betroffen. Schließlich ist in der Bevölkerung ein Wertewandel hin zu einer Pluralisierung der Lebensstile festzustellen.

Das Forschungsprojekt hat mit seinen Untersuchungen gezeigt, dass die Städte ganz unterschiedlich auf diese Zukunftsunsicherheit reagieren. "Als Tendenz ist dabei unter anderem zu erkennen, dass nach wie vor eher Wachstums- und Effizienzstrategien im Vordergrund stehen als ressourcenschonende Suffizienz-, das heißt Verzichtsstrategien". Es sei aber auch deutlich geworden, dass man die unterschiedliche Ausgangslage auch jeweils als positive Chance begreifen könne. So könne der Bevölkerungsrückgang in einer Region und eine Abwanderung vom Land in die Metropolen auch zu eine Art "nachhaltiger Aufgabenteilung" führen: Ländliche Regionen sind dann eher für die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit, die Städte eher für die ökonomische und soziale Dimension zuständig.

"Die Untersuchung zeigt auch, dass es keine vorgezeichneten Wege zur nachhaltigen Stadt gibt", betont Sybille Bauriedl. "Was in der einen Kommune erfolgreich war, muss in einer anderen nicht gleichermaßen wirksam sein", so die Geografin. Dies bedeute jedoch keinesfalls, dass Nachhaltigkeit beliebig sei: "Jede Kommune muss sich klar darüber sein, welche Nachhaltigkeitsstrategie sie einschlägt, und dies auch öffentlich transparent machen."

Angaben zur Publikation:
"Stadtzukünfte denken - Nachhaltigkeit in europäischen Stadtregionen"; hrsg. von Sybille Bauriedl, Delia Schindler, Matthias Winkler; oekom Verlag München 2008, ISBN 978-3-86581-110-3
Weitere Informationen bei:
Dr. Sybille Bauriedl, Ludwig-Maximilians-Universität München
Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Geographie
Luisenstraße 37, 80333 München
Email: sybille.bauriedl@geographie.uni-muenchen.de
Tel.: +49 (0) 89 / 289 - 22666 oder Sekretariat Durchwahl: - 22812

Ralph Wilhelm | idw
Weitere Informationen:
http://www.neds-projekt.de
http://www.sozial-oekologische-forschung.org

Weitere Berichte zu: Metropole Sozial-ökologisch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Lösung gegen Schwefelsäureangriff auf Abwasseranlagen
23.02.2018 | Technische Universität Graz

nachricht Forschende der Uni Kiel entwickeln extrem empfindliches Sensorsystem für Magnetfelder
15.02.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics