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Berufliche Integration ’russischer’ Juden: misslungen

15.07.2002


Am Zentrum für Weiterbildung der Universität Dortmund wurde zwischen 1999 und 2001 die berufliche Integration ’russischer’ Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in Nordrhein-Westfalen untersucht und festgehalten, welche Mängel den Eintritt (hochqualifizierter) Immigranten in das hiesige Berufsleben behindern, und welche Kompetenzen diese Zuwanderer mitbringen, die für das bundesdeutsche Beschäftigungssystem nutzbringend sein können.


Die Ergebnisse der Untersuchung von Sabine Gruber, Harald Rüßler sind jetzt im Verlag Leske + Budrich unter dem Titel: "Hochqualifiziert und arbeitslos. Jüdische Kontingentflüchtlinge in Nordrhein-Westfalen. Problemaspekte ihrer beruflichen Integration. Eine empirische Studie" erschienen.

Gefördert wurde das Forschungsprojekt vom Ministerium für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes NRW und der Universität Dortmund. Kooperationspartner war der Verein zur Förderung der Weiterbildung in Dortmund e. V. Die Leitung des Projektes hatte Prof. Dr. Peter Kühne inne.


Fazit der Untersuchung:

Der berufliche Integrationsprozess der Kontingentflüchtlinge in Nordrhein-Westfalen ist bisher misslungen. Trotz des oft vorhandenen Hochschulabschlusses und qualifizierter beruflicher Erfahrungen finden viele dieser Immigranten keine Arbeit und sind auf Sozialhilfe angewiesen. Die überwiegende Mehrheit bleibt auch nach erfolgreicher Teilnahme an einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme arbeitslos. Dies liegt nicht an der Qualität der Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung und nicht an der fachlichen und didaktischen Kompetenz der Dozenten.

Ein guter Sprachkurs ist der erste Baustein für weitere Qualifizierungs- und Integrationsschritte, doch die derzeitigen Sprachkurse für Zuwanderer vermitteln keine ausreichende Sprachkompetenz. Um gute Sprachkurse zu ermöglichen, müssten sie ausreichend finanziell gefördert werden, so dass gut ausgebildete Lehrer Interesse finden, in diesem Bereich zu arbeiten.

Die Integration in qualifizierte Berufsbereiche würde erleichtert, wenn systematisch auf mitgebrachte Qualifikationen wie eine gute Ausbildung im Bereich der Naturwissenschaften und Mathematik, gutes logisches und analytisches Denk- und Abstraktionsvermögen sowie eine hohe Problemlöse- und Methodenkompetenz zurückgegriffen und sie für diese Gesellschaft nutzbar gemacht würden.

Hinderlich bei der Arbeitssuche seien mangelndes Selbstbewusstsein und nicht gelungene Kompetenzdarstellung. Ergebnis der Untersuchung ist aber, dass das Selbstbewusstsein dieser Zuwanderer als Resultat der eigenen Position und Funktion in der ehemaligen Sowjetunion kein schwaches war. Erst die hier auftretende Erfolglosigkeit kann zu diesem Erscheinungsbild führen.

Auch die diesen Immigranten zugeschriebene Passivität gilt als Hindernis dafür, einen Arbeitsplatz zu finden. Doch zeigten die Interviews, dass die Befragten sich sehr aktiv bemühten, in Arbeit zu kommen. Auch forderten viele Lebensbereiche den Bürgern in der Sowjetunion (und auch danach) soviel Initiative ab, dass von Passivität als Persönlichkeitsmerkmal nicht die Rede sein kann.

Weiter stehe das stark ausgeprägte berufliche Anspruchsniveau der ’russischen’ Juden der Aufnahme von Arbeit im Wege. Doch nötigt sie ganz praktisch die Leitlinie ’Hauptsache Arbeit’ dazu, sich in Billig ’jobs’ zu verdingen.

Einzelfallbezogene - in der Anfangszeit zweisprachige - Beratung und Begleitung spielt für die berufliche Integration eine wesentliche Rolle, ebenso die interkulturelle Kompetenz der Berater. Bislang findet landesweit und auf kommunaler Ebene keine derartige berufsbezogene Beratung von Migranten statt.

Sabine Gruber
Harald Rüßler
Hochqualifiziert und arbeitslos
Jüdische Kontingentflüchtlinge in Nordrhein-Westfalen
Problemaspekte ihrer beruflichen Integration
Eine empirsche Studie
2002. 244 Seiten. Kart. 19,80 Euro
ISBN 3-8100-3451-7

Verlag
Leske+Budrich, Postfach 300551, 51334 Leverkusen
Fax 02171-490711
____________________________________________________________
Weitere Information:
Sabine Gruber, Dr. Harald Rüßler, Ruf 0231-2861491
Mail gruber.mibi.vfw@dokom.net

Klaus Commer | idw

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