Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufbruch in die "Gedankenwelt" der Ameisen

09.07.2002


VolkswagenStiftung fördert mit insgesamt 3.465.000 Euro weitere sieben Projekte in den Neurowissenschaften


"Groß ist die Macht des Gehirns, gewaltig groß, mein Gott, ein Tempel, weit und unermesslich. Wer kann es ergründen?" - fragt der Kirchenlehrer Augustinus in seinen Confessiones. Es sind die Neurowissenschaften, die dazu beitragen, diese und andere Fragen neu zu stellen und die Antworten zu geben, die heute möglich sind. Und es ist die VolkswagenStiftung, die die Forscher dieses Fachgebiets hier zu Lande - und auch international - unterstützt auf ihrem Weg zu mehr Wissen. Jetzt hat die Stiftung in ihrem neurowissenschaftlichen Schwerpunkt "Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme - Integrative Ansätze zur Analyse kognitiver Prozesse" weitere sieben Vorhaben mit insgesamt 3.465.000 Euro bewilligt, darunter:


  1. 506.800 Euro für das Vorhaben "3-D spatial orientation of a small-brain navigator", angesiedelt am Institut für Biologie der Humboldt-Universität Berlin (Professor Dr. Bernhard Ronacher), dem Institut für Sportwissenschaften der Universität Jena (Professor Dr. Reinhard Blickhan), am Zoologischen Institut der Universität Zürich (Professor Dr. Rüdiger Wehner) und in der Abteilung Neurobiologie der Universität Ulm (Professor Dr. Harald Wolf);


  2. 581.500 Euro für das Vorhaben "The role of endocannabinoids in extinction of aversive memories in mice", angesiedelt in den Nachwuchsgruppen Molekulare Genetik des Verhaltens (Dr. Beat Lutz) und Neuronale Plastizität und Mausverhalten (Dr. Carsten T. Wotjak) des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, München, sowie dem Consiglio Nazionale delle Ricerche, Pozzuoli/Neapel (Dr. Vincenzo Di Marzo).

    Weiterhin bewilligt wurden:

  3. 541.100 Euro für ein Kooperationsvorhaben am Universitäts-Klinikum Hamburg-Eppendorf, an der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf und am University College, London (GB);

  4. 544.300 Euro für ein Vorhaben am Institut für Klinische Neurobiologie der Universität Heidelberg;

  5. 378.400 Euro für ein Projekt des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg und des Brain Science Institutes in Saitama (Japan);

  6. 319.700 Euro für ein Gemeinschaftsvorhaben des Instituts für Physiologie I und des Anatomischen Instituts der Universität Freiburg;

  7. 593.200 Euro für ein Kooperationsprojekt der Neurologischen Universitätsklinik der Universität Heidelberg, des SUNY Health Science Centers in Brooklyn (USA) und der University of Leeds (GB).



zu 1: Im Fokus der deutsch-schweizerischen Forschungskooperation steht die Wüstenameise Cataglyphis. Sie betrachtend, stellen sich die Wissenschaftler die Frage: Wie löst eigentlich ein 0,1 mg leichtes Gehirn solch komplexe Verarbeitungsprobleme, wie sie etwa bei der räumlichen Orientierung auftreten? Um die Vorgänge rund um die 3-D-Orientierung jener Wüstenameise besser zu verstehen oder überhaupt aufzudecken, kombinieren die Forscher im Verlauf des Projekts neuro- und verhaltensphysiologische Ansätze mit theoretischen Modellen. Im Detail interessiert die Wissenschaftler zum Beispiel: Vollbringen die Ameisen eine Wegintegration tatsächlich im dreidimensionalen Raum, oder reduzieren sie das 3-D-Problem auf eine Anwendung von Subroutinen in einem (virtuellen) zweidimensionalen Raum? Und: Welche Sinnesorgane sind beteiligt und wie werden die aufgenommenen Informationen verarbeitet, damit derart komplexe Leistungen überhaupt möglich sind? Ganz allgemein suchen die Antragsteller zu verstehen, wie verschiedene Formen von räumlicher Orientierung zusammenwirken und so eine Basis für "intelligente" Verhaltenslösungen bilden. Die Wüstenameise Cataglyphis als "Kleinsthirn-Navigator" könnte ein Modellbeispiel für grundlegende Kognitionsleistungen und sogar für "künstliche Intelligenz" abgeben - insbesondere dafür, wie aus dem Zusammenwirken eher einfacher neuronaler Strukturen hoch komplexes Verhalten resultieren kann.

zu 2: Untersuchungen zu kognitiven Leistungen von Labortieren beschränkten sich bislang weitgehend darauf, die Mechanismen des Lernens und der Sicherung von Gedächtnisinhalten aufzuklären. Weitaus weniger weiß man hingegen über die zellulären Grundlagen des Vergessens. Diese Prozesse gewinnen jedoch an praktischer Bedeutung im Hinblick etwa auf durchaus wünschenswertes "Vergessen" bestimmter Inhalte oder Situationen - wie etwa von Ängsten oder bei einer post-traumatischen Stresserkrankung. Inzwischen ist bekannt, dass so genannte Endocannabinoide für die Prozesse der Gedächtnisbildung von großer Bedeutung sind. Jüngste Befunde der beteiligten Arbeitsgruppen aus München und Neapel weisen nun dem Endocannabinoidsystem eine wichtige Rolle gerade bei den Prozessen rund um das Vergessen zu. Diesen Weg gehen die Forscher weiter: Sie wollen nun unter anderem die Freisetzung bekannter Endocannabinoide während "des Vergessens" untersuchen und gegebenenfalls bislang unbekannte Endocannabinoide charakterisieren. Letztlich könnte es so einmal möglich sein, neue Behandlungsstrategien - oder auch Medikamente - zu entwickeln mit dem Ziel bestimmte "unerwünschte" Gedächtnisinhalte zu vergessen.

Kontakte VolkswagenStiftung

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung, Telefon: 05 11/83 81 - 380,
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Förderinitiative "Neurowissenschaften"
Dr. Cornelius Schmaltz, Telefon: 05 11/83 81 - 376,
E-Mail: schmaltz@volkswagenstiftung.de

Kontakt Humboldt-Universität Berlin
Prof. Dr. Bernhard Ronacher,
Telefon: 0 30/20 93 88 06

Kontakt Universität Jena
Prof. Dr. Reinhard Blickhan,
Telefon: 0 36 41/94 57 01

Kontakt Universität Ulm
Prof. Dr. Harald Wolf,
Telefon: 07 31/5 02 26 30

Kontakt MPI für Psychiatrie, München
Dr. Beat Lutz,
Telefon: 0 89/30 62 26 40,
Fax: 0 89/30 62 26 42
Dr. Carsten T. Wotjak,
Telefon: 0 89/30 62 26 52,
Fax: 0 89/30 62 25 69

Kontakt Universität Hamburg
Dr. Alexander Münchau,
Telefon: 0 40/4 28 03 56 24

Kontakt Universität Heidelberg
Dr. William Wisden,
Telefon: 0 62 21/56 24 03

Kontakt Leibniz-Inst. Magdeburg
Dr. Thomas Behnisch,
Telefon: 03 91/6 26 34 24

Kontakt Universität Freiburg
Dr. Marlene Bartos,
Telefon: 07 61/2 03 51 98

Kontakt Universität Heidelberg
Prof. Dr. Hannah Monyer,
Telefon: 0 62 21/56 24 00

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse02/09072002.htm

Weitere Berichte zu: Ameise Endocannabinoid Neurobiologie Prozess Wüstenameise

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie