Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kulturelles Eigentum: Traditionen, Brauchtum und Rituale als ökonomische Güter?

04.06.2008
DFG fördert interdisziplinäre Forschergruppe an der Universität Göttingen mit rund 1,4 Millionen Euro

Können Einzelpersonen oder Gruppen Eigentumsrechte an Traditionen besitzen? Wem ,gehören? Totenrituale? Wer darf religiöse Zeichen nutzen und vermarkten? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftler der Universität Göttingen, die in der Forschergruppe "Konstituierung von kulturellem Eigentum" zusammenarbeiten.

Sie werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über einen Zeitraum von drei Jahren mit rund 1,4 Millionen Euro gefördert. Die interdisziplinären Arbeiten mit Fallstudien in Europa und Südostasien sowie Untersuchungen innerhalb der World Intellectual Property Organisation, der zuständigen Einrichtung der Vereinten Nationen, sind zum 1. Juni 2008 gestartet. Daran beteiligt sind Kulturanthropologen, Ethnologen sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler. Die Leitung hat Prof. Dr. Regina Bendix vom Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie.

Der Begriff des kulturellen Eigentums signalisiert nach den Worten von Prof. Bendix das international zunehmende Interesse, kulturelle und damit gemeinschaftlich genutzte und tradierte Praxen als ökonomische Güter zu deklarieren und zu nutzen. "Damit können ,Ideen? im Sinne von Patent-, Urheber- und Markenrechten, aber auch traditionelle performative Gebräuche, also Gemeinschaftsgüter, gemeint sein. Wir wollen exemplarisch herausarbeiten, welche Aspekte Akteure auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene jeweils für eine Verwandlung in kulturelles Eigentum herausgreifen. Ungeklärt ist bislang auch, auf welche Weise und für wen ,cultural property? zugänglich und wer von der Nutzung ausgeschlossen sein soll", erläutert die Wissenschaftlerin.

... mehr zu:
»Eigentum

Es werden Fallstudien in verschiedenen Regionen der Erde sowie innerhalb internationaler Organisationen erstellt. Ziel ist es, die unterschiedlichen Interessen am kulturellen Eigentum besser zu verstehen und modellhaft zu erarbeiten, wie eine internationale Regelbildung aussehen könnte. Die interdisziplinäre Forschung soll den Grundstein für ein Kompetenznetzwerk zu Fragen des kulturellen Eigentums und damit die Basis für wirtschafts-, rechts- und kulturpolitische Empfehlungen legen.

Zu den Mikrostudien zählen die Totenrituale des Volkes der Toraja in Sulawesi sowie die Konstituierung der Tempelanlage von Angkor Vat in Kambodscha als Weltkulturerbe. Darüber hinaus sollen Töne und Klänge als potentielles kulturelles Eigentum im deutschsprachigen Europa untersucht werden. Prof. Bendix: "Neben wirtschaftlichen Interessen ist ,cultural property? auch deshalb besonders brisant, weil ihm gleichzeitig eine identitätsstiftende Wirkung zugesprochen wird. Das steigert die politische Bedeutung dieses Phänomens und führt nicht zuletzt zu rechtlichen Auseinandersetzungen." So werden die Forscher unter anderem untersuchen, inwieweit Konflike dieser Art mit Hilfe von Rechten im Sinne eines Privateigentums zu lösen sind.

Der Forschergruppe gehören neben Prof. Bendix die Ethnologin Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin, die Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Peter-Tobias Stoll und Prof. Dr. Gerald Spindler sowie der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Kilian Bizer an. Kooperationspartner sind Dr. Beate Engelbrecht (IWF Wissen und Medien Göttingen) und Prof. Dr. Thomas Hengartner (Universität Hamburg), dessen Teilprojekt mit rund 105.000 Euro gefördert wird.

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.kaee.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Eigentum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikrophotonik – Optische Technologien auf dem Weg in die Hochintegration

21.07.2017 | Förderungen Preise

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie