Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Sensoren gegen Hochwasser kämpfen

31.01.2008
Das Sächsische Textilforschungsinstitut an der TU Chemnitz entwickelt Geotextilien zur Deichüberwachung

21 Tote, mehr als 25.000 beschädigte und zerstörte Wohngebäude, 750 Kilometer weggeschwemmte Straßen und 540 Kilometer vernichtete Schienen - die Bilanz des "Jahrhunderthochwassers" im August 2002 war allein in Sachsen dramatisch.

Um die Auswirkungen von Wetterextremen künftig besser in den Griff zu bekommen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Förderprogramm mit dem Namen "Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse", kurz RIMAX, ins Leben gerufen.

Zu den bundesweit 35 Gruppen, in denen Fachleute verschiedener Disziplinen arbeiten, gehört auch das Sächsische Textilforschungsinstitut (STFI) an der TU Chemnitz. Unter dem Titel "Sensorbasierte Geotextilien zur Deichertüchtigung" entwickelt es ein Monitoringsystem, das Veränderungen im Deich permanent feststellt und mit genauen Ortsangaben einer Überwachungszentrale meldet.

... mehr zu:
»Geotextilie »Hochwasser »RIMAX »STFI »Sensor
"Bis heute wird der Zustand von Deichen fast ausschließlich durch Deichläufer geprüft, die eine visuelle oberflächliche Inspektion durchführen.

Bei Hochwasser wird dabei zuviel Manpower benötigt, sodass eine rechtzeitige, gezielte Deichunterstützung im Krisenfall oft nicht möglich ist", erklärt Projektleiterin Elke Thiele. Gesucht wurden am STFI Geotextilien, die einen Deich sowohl stützen als auch überwachen können. Geotextilien bestehen in der Regel aus Vliesstoffen oder extrem groben Textilstrukturen.

In solche Geotextilien werden nun Sensoren eingearbeitet - gewöhnliche, preisgünstige Glasfasern aus der Telekommunikationstechnik, die eine Überwachung der Deiche auf bis zu zehn Kilometern Länge erlauben. Sie registrieren Ort und Stärke einer Deformation der Textilfläche, die auf einer Deichverformung beruht, und leiten sie an Messstationen weiter. Eine Schadensmeldung lässt sich dabei auf fünf Meter genau zuordnen. In den Messstationen können Schadensorte frühzeitig erkannt werden und auch im Hochwasserfall ist ein schnelles Einschreiten möglich.

"Gefahren können mit geringem Personalaufwand frühzeitig erkannt und abgewehrt werden. Und auch ökonomisch ist der Einsatz sensitiver Geotextilien vorteilhaft, denn die Deichbefestigung und das Monitoringsystem werden in einem Arbeitsschritt in den Deich eingebaut", so Thiele. Die Innovation wurde im Mai 2006 an einem Muldedeich bei Dessau in Sachsen-Anhalt getestet. Weitere Tests führten die Wissenschaftler im August 2006 an zwei Stauseen in Polen sowie im Juli 2007 im Versuchsdeich des Franzius-Instituts für Wasserbau und Küsteningenieurwesen in Hannover durch. "Die Ergebnisse sind vielversprechend.

Bis das inzwischen patentierte System in der Praxis eingesetzt werden kann, müssen wir jedoch noch weitere Versuche unternehmen", resümiert Thiele. Die Geotextilien sollen sich schließlich auch im langfristigen Einsatz und unter extremen Witterungsbedingungen bewähren. Deswegen finden im STFI weitere Belastungstests unter Laborbedingungen statt. Auf einem Spezialprüfstand können die Textilien bis zu 24 Tonnen beansprucht werden.

Das STFI arbeitet in dem Projekt zusammen mit dem Franzius-Institut für Wasserbau und Küsteningenieurwesen und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Berlin sowie mit den Firmen Bauberatung Geokunststoffe mbH und Glötzl Baumesstechnik mbH. Das Programm RIMAX wird noch bis Ende 2008 vom BMBF mit rund 20 Millionen Euro gefördert. Das STFI ist mit weiteren Forschungsprojekten beteiligt in denen es zum einen um eine Deichstabilisierung geht und zum anderen eine selbst dichtende Wassersperre für Fenster und Türen entwickelt und optimiert wird.

Das Förderprogramm "Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse"
(RIMAX) im Internet: http://www.rimax-hochwasser.de
Weitere Informationen erteilt Elke Thiele, STFI, Telefon 0371 5274-243, E- Mail elke.thiele@stfi.de.

Katharina Thehos | TU Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.stfi.de
http://www.rimax-hochwasser.de

Weitere Berichte zu: Geotextilie Hochwasser RIMAX STFI Sensor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

29.05.2017 | Physik Astronomie

Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling

29.05.2017 | Medizintechnik

Professionelle Mooszucht für den Klimaschutz – Projektstart in Greifswald

29.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz