Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3 Millionen Euro für Adaptronik-Forschung

27.05.2002


"Adaptronik für Werkzeugmaschinen" ist das Thema eines neuen Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ziel ist es, "intelligente Strukturen" für den Werkzeugmaschinenbau zu nutzen. Ansätze aus der Luft- und Raumfahrttechnik werden dabei weiterentwickelt.

Damit werden zunächst für zwei Jahre 3 Millionen Euro in die Erforschung intelligenter Strukturen für die Produktionstechnik investiert. Die DFG folgte jetzt einem Antrag von fünf Instituten des Werkzeugmaschinenbaus an deutschen Universitäten sowie vom Institut für Strukturmechanik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig. Die Sprecherrolle hat das Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik (IWF) der Technischen Universität Braunschweig unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. J. Hesselbach.

Was ist Adaptronik?

Die Entwicklung adaptronischer Systeme begann in der ersten Hälfte der 80er Jahre als "intelligente Strukturen" ("smart structures"). Sie werden in die Struktur von konventionellen Bauteilen integriert. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von so genannten Piezokeramiken. Sie können unter anderem in Werkstoffe für Flugzeugflügel so integriert werden, dass sie mit dem Flügel eine Einheit bilden, ohne seine Belastungsfähigkeit zu reduzieren. Dort sind sie in der Lage Schwingungen in der Struktur, die beim Flug auftreten, zu erkennen, nach außen zu melden und sich dann quasi "auf Kommando" so zu versteifen, dass sie die Schwingungen dämpfen beziehungsweise ganz ausschalten.


Wie können Werkzeugmaschinen noch leistungsfähiger werden?

Eine leistungsstarke Werkzeugmaschine zeichnet sich durch hohe Fertigungsqualität und Bearbeitungsgeschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Flexibilität beim Einsatz unterschiedlicher Werkzeuge und Materialien aus. Gegenwärtig stagniert allerdings der deutsche Werkzeugmaschinenbau auf hohem Niveau, das geprägt ist durch optimal dimensionierte Baugruppen; Leistungssprünge sind daher nur durch grundlegend innovative Ansätze zu erwarten. Solche Ansätze stellen adaptronische Lösungen dar, die bisher vorwiegend für Anwendungen in der Luft- und Raumfahrttechnik entwickelt wurden.


Anwendungsfelder der Zukunft

Beim Einsatz in den Strukturen für Werkzeugmaschinen können adaptronische Bauelemente in Zukunft Schwingungen beseitigen, die durch höhere Arbeitsgeschwindigkeiten zwangsläufig entstehen und den Bearbeitungsprozess ungünstig beeinflussen. Ähnliches gilt für die Unterdrückung von Geräuschemissionen. Die Wissenschaftler haben außerdem das Ziel, statische Verformungen durch Temperaturschwankungen auszugleichen und adaptronische Werkzeuge und Werkzeughalter zu entwickeln, die den stabilen Bearbeitungsbereich deutlich erweitern sollen.

Forschung im Verbund

Die Erforschung adaptronischer Systeme erfordert die Zusammenarbeit vieler verschiedener, miteinander kommunizierender Disziplinen, wie Strukturmechanik, Materialkunde, Regelungstechnik, Sensorik und Aktorik. Das IWF ist seit 1999 Partner im Leitprojekt "Adaptronik - Adaptive Verbundstrukturen für den Leichtbau - strukturkonform integrierte piezoelektrische Fasern und Folien" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und arbeitet eng mit dem federführenden Institut für Strukturmechanik des DLR in Braunschweig unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Elmar Breitbach zusammen. Die Erfahrungen aus diesem Verbundprojekt haben sowohl zur Gründung des DFG-Sonderforschungsbereichs 562 "Robotersysteme für Handhabung und Montage - hochdynamische Parallelstrukturen mit adaptronischen Komponenten" im Jahr 2000 geführt als auch jetzt zur Einrichtung des neuen Schwerpunktprogramms. Auf diese Weise wird ein wichtiger Beitrag zur kontinuierlichen Forschung auf dem jungen Gebiet der Adaptronik für unterschiedliche Anwendungsfelder geleistet.

Fragen beantwortet Prof. Jürgen Hesselbach unter der Tel. Nr. 0531/391-7600.

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-braunschweig.de/
http://www.iwf.ing.tu-bs.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

nachricht 36 Forschungsprojekte zu Big Data
21.02.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher ahmen molekulares Gedränge nach

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen Bedingungen nun erstmals in künstlichen Vesikeln naturgetreu simulieren. Die Erkenntnisse helfen der Weiterentwicklung von Nanoreaktoren und künstlichen Organellen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Small».

Enzyme verhalten sich im geräumigen Reagenzglas anders als im molekularen Gedränge einer lebenden Zelle. Chemiker der Universität Basel konnten diese engen...

Im Focus: Researchers Imitate Molecular Crowding in Cells

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to simulate these confined natural conditions in artificial vesicles for the first time. As reported in the academic journal Small, the results are offering better insight into the development of nanoreactors and artificial organelles.

Enzymes behave differently in a test tube compared with the molecular scrum of a living cell. Chemists from the University of Basel have now been able to...

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ – deutschlandweit größte Fachkonferenz 5.-8. März in Würzburg

01.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CeBIT 2017: Automatisiertes Fahren: Sicheres Navigieren im Baustellenbereich

01.03.2017 | CeBIT 2017

Hybrid-Speicher mit Marktpotenzial: Batterie-Produktion goes Industrie 4.0

01.03.2017 | Energie und Elektrotechnik