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Mental Ermüdete gehen über auf Selbststeuerung

23.05.2002


Psychisch ermüdete Versuchspersonen suchen weniger systematisch nach Lösungen als fitte Kollegen. Das erweist sich aus einer Amsterdamer Untersuchung, die von der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) finanziert wurde. Seelisch ermüdete Personen fallen auf die Selbststeuerung zurück, auch, wenn dies immer zu denselben Fehlern führt.

Psychologen der Universität von Amsterdam studierten, wie zielstrebig sich ermüdete Personen verhalten. Die Wissenschaftler unterwarfen gesunde und ermüdete Personen verschiedenen Tests. Aus den Tests erwies sich, dass ermüdete Personen Schwierigkeiten haben, Ziele in die dazugehörigen Handlungen umzusetzen. Die mental ermüdete Person war weniger flexibel, beharrte in ihrem Verhalten und es fehlte ihr an Selbstregulierung.

In einem der Tests mussten die Versuchspersonen in dem Computerprogramm Excel die Aufmachung einer Tabelle ändern. Die Personen hatten noch nie mit Excel gearbeitet und erhielten ein Beispiel des Endergebnisses als Ausdruck. Während der Ausführung der Aufgabe mussten die Versuchspersonen laut denken. Ihre Handlungen wurden mit dem Computer registriert und auf Video aufgenommen.

Vorab wurde die Hälfte der Versuchspersonen ermüdet. Sie mussten zwei Stunden lang Stundenpläne aufstellen. Die andere Hälfte der Versuchspersonen durfte sich zwei Stunden lang entspannen.

Es zeigte sich, dass ermüdete Personen weniger systematisch vorgehen als nicht ermüdete Personen. Die mental ermüdeten Personen versuchten wiederholt dieselben Möglichkeiten. Auch, wenn sich schon längst herausgestellt hatte, dass diese Aktion nicht funktionierte. Außerdem spekulierten die ermüdeten Versuchspersonen viel öfter als ihre nicht ermüdeten Kollegen. Die fitten Versuchspersonen suchten gezielt und lernten schnell von gemachten Fehlern.

Auch in zwei psychologischen Standardtests erwies sich, dass ermüdete Personen schlechter punkten als fitte Versuchspersonen. So brauchten ermüdete Personen mehr Zeit, um die erste Handlung eines Denkspiels auszuführen. Außerdem dauerte es länger, bevor sie durchschauten, dass sich die Spielregelen heimlich geändert hatten.

Ein vierter Test untersuchte, ob die Versuchspersonen ihr Handeln unter Kontrolle haben. Ermüdete Personen konnten gleich gut wie ihre fitten Kollegen eine Standardhandlung durch eine Alternative ersetzen. Ermüdete Personen reagierten jedoch langsamer. Wahrscheinlich ist hier die Rede von sogenannten ’Lapses in control’, Zeiträume, in denen die bewusste Kontrolle über das eigene Handeln zeitweilig nicht aktiv ist. Solche Zeiträume kommen auch bei fitten Personen vor, aber weniger oft.

Die Untersuchung lehrt unter anderem, dass die Hersteller von Geräten und Computerprogrammen diese so logisch wie möglich machen müssen. Ermüdete Personen, die auf Selbststeuerung übergehen, machen dann möglichst wenig Fehler.

Nähere Informationen bei Dimitri van der Linden (Universität Amsterdam, inzwischen an der Katholischen Universität Nimwegen tätig, Fachbereich Arbeits- und Organisationspsychologie), Tel. +31 (0) 24 3612743, Fax +31 (0) 24 3615937, E-Mail: d.vanderlinden@psych.kun.nl. Die Promotion fand am 15. Mai statt, Promotor war Prof. Dr. M. Frese.

Msc Michel Philippens | idw

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