Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nebenfiguren machten mittelalterliche Soap verständlich

23.05.2002


Die komplexen Geschichten über König Artus und die Ritter der Tafelrunde waren für mittelalterliche Menschen gut verständlich. Vorhersagbare Rollen verschiedener Nebenfiguren bewirkten, dass die Zuhörer den Faden nicht verloren. Das folgert Bernadette Smelik in ihrer Dissertation: Nebenfiguren in Lancelot en prose.

Die Geschichten aus dem 13. Jahrhundert über König Artus und die Ritter der Tafelrunde waren im Mittelalter außerordentlich populär. Die Geschichten wurden an den Höfen wohlhabender Adliger vorgelesen, wo alle Anwesenden gefesselt den Heldentaten zuhörten. Der moderne Leser verliert schnell den Faden in den komplexen Erzählungen. Manche Geschichten haben Dutzende Hauptpersonen und noch viel mehr Nebenfiguren. Manchmal teilt sich eine Geschichte auf in zwölf parallele Erzählungen.

Die Geschichten ähneln in vielen Hinsichten der modernen Fernsehsoap. Auch darin kommen viele Hauptpersonen vor und werden die Abenteuer verschiedener Hauptrollspieler quer durcheinander erzählt. Außerdem sind viele Soaps sehr beliebt. Auch scheinen sich kaum Soapgucker über die Komplexität des Plots zu beklagen.

Bernadette Smelik untersuchte mit Unterstützung der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) die Struktur des französischen Textes Lancelot en prose. Das ist der erste Teil einer Serie von drei Büchern über König Artus und vor allem über seine Ritter. Sie wollte wissen, weshalb das Buch derzeit so populär sein konnte. Welche Elemente machten das Werk für den mittelalterlichen Leser oder Zuhörer verständlich?

Das Buch handelt vom jungen Ritter Lanzelot, der bei König Artus am Hof dient. Aber Lanzelot verliebt sich in die Königin und es entwickelt sich eine amouröse Beziehung zwischen beiden. Zugleich wächst Lanzelot zum besten Ritter des Königs aus.

Die Literaturwissenschaftlerin zeigt, dass die Nebenfiguren in den Geschichten dem Leser helfen, die Linie in allen losen Abenteuern verfolgen zu können. Jedes Abenteuer endet in einem Kampf zwischen zwei Rittern. Darin hat jede Art von Nebenfigur eine feste Funktion. Jungfrauen erteilen dem Leser Informationen über den Grund des Konflikts. Zwerge ärgern die Ritter und verführen sie zum Kampf. Eremiten kritisieren die Hauptrollspieler.

So begegnet ein Ritter einer Jungfrau, die weint, weil ein Zwerg ihr Hündchen gestohlen hat. Der Leser weiß jetzt schon, dass es zu einem Kampf kommen wird. Der Ritter bittet den Zwerg, das Hündchen zurückzugeben, aber dieser weigert sich. Der Herr des Zwergs, auch ein Ritter, unterstützt den Zwerg und geht die Konfrontation an. Der Gute gewinnt, der Schlechte verliert. Lanzelot selbst verliert im ganzen Werk keinen einzigen Kampf.

Nähere Informationen bei der Akademikerin Bernadette Smelik (Katholische Universität Nimwegen, Nimweger Institut für Informatik und Informationswissenschaften), Tel. +31 (0) 24 3652204 (Büro), Fax +31 (0) 24 3653450, E-Mail: bsmelik@cs.kun.nl. Promotion am 24. Mai, Promotor Prof. Dr. W.P. Gerritsen (Universität Utrecht, Fachbereich Sprachen und Literatur). Von der Dissertation erscheint eine Ausgabe für den Buchhandel: Nebenfiguren in ’Lancelot en prose’; eine Studie über die erzähltechnischen Funktionen von Rittern, Jungfrauen, Knappen, Zwergen und Eremiten. ISBN: 3-89323-081-5 (Nodus Publ., Münster) oder niederländische Ausgabe ISBN: 90-806863-1-x (Nimwegen: Stichting Uitgeverij de Keltische Draak), 2002.

Msc Michel Philippens | idw

Weitere Berichte zu: Nebenfigur SOAP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues Verbundprojekt erforscht die neurodegenerative Erkrankung Morbus Alzheimer
12.09.2017 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Damit sich Mensch und Maschine besser verstehen
04.09.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik