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Hilfsorganisationen haben PAUL in den vergangenen eineinhalb Jahren immer häufiger in Afrika, Asien und Lateinamerika eingesetzt. So half der Kasseler Wasserrucksack den Menschen beim Überleben nach dem verheerenden Erdbeben in Chile, nach der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan, in Vietnam, bei der Choleraepidemie in Haiti und aktuell bei der Dürre in Ostafrika. 41 PAUL, finanziert vom Hilfswerk der deutschen Lions, sind bereits mit action medeor nach Somalia und Kenia in die Notstandgebiete geflogen worden. PAUL ist mittlerweile in 21 Ländern zu finden.
„Wissenschaft macht nur Sinn, wenn sie Menschen und Umwelt dient“, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep: „Ich bin sehr froh, dass eine Erfindung der Universität Kassel hilft, viele Menschen auf der Erde mit dem wichtigsten aller Lebensmittel zu versorgen.“ Der Wasserrucksack wurde von Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen am Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der Uni Kassel entwickelt. Um die Leistung von PAUL zu demonstrieren, füllten die Mitarbeiter des Fachgebiets bei einem Pressetermin am Mittwoch im Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe die Menge Wasser in Flaschen ab, die eine Anlage pro Tag filtern kann, insgesamt 800 PET-Flaschen mit jeweils 1,5 Liter Inhalt.
„Das Gerät filtert Krankheitserreger aus dem Wasser, macht es trinkbar und bietet einen wirksamen Schutz gegen Cholera, Typhus und weitere Infektionskrankheiten“, sagte Frechen. Dank seines Membran-Blocks, der eine Lebensdauer von zehn Jahren hat, könne das Gerät mehr als 99 Prozent der Krankheitserreger aus dem Wasser filtern. Die Membranen haben mikroskopisch kleine Öffnungen, etwa ein tausendstel eines menschlichen Haares, die wie sehr feine Siebe funktionieren: Sie lassen Wassermoleküle hindurch, Bakterien und Krankheitskeime aber werden zurückgehalten.
Die Bedienung des Filters, der nur 20 Kilo wiegt und wie ein Rucksack auf dem Rücken getragen werden kann, ist einfach und verlangt keinerlei technische Kenntnisse: Verschmutztes Wasser wird oben eingefüllt. Nach einigen Minuten kann sauberes Wasser am Auslasshahn gezapft werden. Das Gerät arbeitet dabei ohne Chemikalien oder Energiezufuhr.
„Der Wasserfilter ist damit das ideale Gerät, um im Katastrophenfall Menschen in entlegenen, von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern zu versorgen“, sagte Frechen: „Über Monate können täglich etwa 1.200 Liter Wasser gefiltert werden - ausreichend für 400 Menschen zum Überleben.“
Ein wichtiger Aspekt neben der „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei auch, dass die Kosten zur Versorgung drastisch reduziert würden. So müsse man für 400 Menschen jeden Tag 1,2 Tonnen Wasser transportieren, und das, solange Bedarf besteht, betonte der Wissenschaftler. Würde man stattdessen an einem Tag 60 Wasserrucksäcke (das entspricht 1,2 Tonnen – eine Tagesmenge für 400 Menschen) transportieren, so könnten sich am nächsten Tag 24.000 Menschen ihr Wasser selbst filtern.
Info
Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen
Universität Kassel
Fachbereich 14 - Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft
Tel.: 0561/804-2795
E-Mail: frechen@uni-kassel.de
Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen | Quelle: Universität Kassel
Weitere Informationen: www.uni-kassel.de
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