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Usability Analyse von Untertitelbrille für Gehörlose abgeschlossen

17.06.2009
Analyse & Fokusgruppen liefern Bonusfilm neue Erkenntnisse für Entwicklung

Eine Untertitelbrille für Gehörlose verspricht einen großen Schritt Richtung barrierefreien Filmgenuss. Für die Optimierung der Usability beauftragte die Bonusfilm GmbH in einem geförderten Projekt die Spezialisten von CURE. Durch Expertenanalysen und Fokusgruppen konnten eine Reihe von Optimierungsvorschlägen gewonnen werden. Diese sollen nun in der Weiterentwicklung umgesetzt werden.

Deutschsprachige Kinofilme verbuchen seit Jahren beachtliche Erfolge in den heimischen Kinos und gewinnen zunehmend an internationaler Bedeutung. Viele Menschen im deutschsprachigen Raum können an diesen Filmen nicht oder nur sehr schwer teilhaben. Allein in Österreich beläuft sich die Zahl der Hör- und Sehbehinderten auf mehr als 1,2 Millionen Menschen. Mit dem Projekt "Barrierefreie Filme" strebt die Wiener Bonusfilm GmbH nach dem barrierefreien Zugang zum Informations- und Unterhaltungsmedium Kino.

Neben Audiodeskriptionen und einer Induktionsschleife ist die so genannte Untertitelbrille das Kernstück des Projekts. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut und Trivisio entwickelte Bonusfilm eine spezielle Untertitelbrille für Gehörlose, die in digitalen Kinos zum Einsatz kommt. In den Gläsern dieser Brille werden durch WLAN und 3D-Technik mehrsprachige Untertitel eingeblendet, die alle anderen Personen im Saal nicht sehen können. Angelika Trenner, Projektleiterin bei Bonusfilm: "Mit dieser Brille ist es hörbehinderten Menschen möglich, so wie alle anderen auch in eine Filmvorführung zu gehen. Sie müssen nicht mehr warten bis der Film mit Untertiteln auf DVD erscheint, sie können ihn im Kino erleben. Sie haben dadurch die Möglichkeit am kulturellen Leben verstärkt teilzuhaben - ein Schlüsselfaktor für eine höhere soziale Eingliederung. Wir wollen die Bearbeitung von Filmen für Seh- und Hörgeschädigte als einen festen und selbstverständlichen Bestandteil in die Medienlandschaft dauerhaft einbauen. Die erfolgreiche technische Realisierung dieses Projektes ist der grundlegende Schritt dorthin."

Über den Erfolg dieses Vorhabens entscheiden, wie immer, letztendlich die Anwender der Technologie. Dazu Angelika Trenner: "Es reicht bei der Brille nicht, dass sie technisch funktioniert. Die potenziellen Verwender sollen sich damit wohlfühlen und gerne ins Kino gehen". Für die Optimierung der Benutzbarkeit wandte sich Bonusfilm Anfang März an das Zentrum für Innovation und Technologie. Dort wurde ein Technologieberatungsprojekt initiiert, welches mit dem Innovationsscheck der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert wurde. Die Spezialisten der Wiener Forschungsorganisation CURE (Center for Usability Research and Engineering) wurden daraufhin mit dem Projekt zur Optimierung der Usability beauftragt. Mittels Expertenanalysen und Fokusgruppen wurden mehrere Aspekte bearbeitet. Arjan Geven, Research Koordinator von CURE "Eine Expertenanalyse liefert sehr schnelle Ergebnisse hinsichtlich Benutzbarkeit anhand wissenschaftlich fundierter Heuristiken. Dazu profitieren wir von sehr breitem Erfahrungshintergrund für ganz unterschiedliche Gerätetypen." Bei einer Expertenanalyse nehmen Usability Forscher die Position der Endbenutzer ein und beleuchten verschiedene Kategorien. Bernhard Wöckl, Researcher bei CURE: "Wir haben die Untertitelbrille auf Trage- sowie Sehkomfort, Sicherheit, tatsächliche Barrierefreiheit und hinsichtlich ihrer Performance bei Körperbewegungen untersucht. Diese Auswertung liefert ganz konkrete Lösungsvorschläge für die Weiterentwicklung."

Kein Experte kann Aussagen von tatsächlichen Endbenutzern ersetzen. Für dieses Usability Projekt beschloss CURE daher, drei Fokusgruppen mit gehörlosen Personen durchzuführen. Fokusgruppen eignen sich hervorragend, um Einstellungen und Neigungen von Benutzern gegenüber einem Produkt oder einer Dienstleistung zu ermitteln. Methodisch richtig durchgeführt sind sie weiters auch für das Aufspüren von Innovationen und Weiterentwicklungen einsetzbar. Jede einzelne Gruppe verfolgte konkrete Fragestellungen zu bestimmten Bereichen. Die erste Fokusgruppe führte das Forscherteam im Lugner-City Kino durch, um direktes Feedback von den potenziellen Endbenutzern im tatsächlichen Verwendungskontext zu erhalten. Sandra Dittenberger, Researcherin bei CURE: "Gehörlose Menschen verfügen tendenziell über ein größeres Gesichtsfeld als Hörende und sind in vielerlei Hinsicht sensibilisierter. Wir wollten gehörlose Personen in Interaktion mit der Brille im tatsächlichen Kontext erleben. Dabei ist es wichtig, genau zu beobachten und die richtigen Fragen zu stellen. Unterstützt wurden wir dabei von zwei Gebärdensprachen Dolmetscherinnen. Mit den Ergebnissen aus dieser ersten Gruppe konnten wir bereits konkrete Optimierungsvorschläge für die Verbesserung der Bedien- und Benutzbarkeit liefern. Wir wussten beispielsweise nicht, wie intensiv Gehörlose auch während einer Filmvorführung mittels Gebärdensprache miteinander kommunizieren. Auch darauf muss sich die Technik einstellen."

Bonusfilm beabsichtigte, durch Einbeziehung der Benutzer Aussagen über verschiedene Themenfelder zu erhalten. "Alle Teilnehmer waren extrem engagiert", sagt Angelika Trenner, "die Dinge, die wir im Vorfeld schon gewusst oder vermutet haben, wurden bestätigt, weiters haben wir viele neue Erkenntnisse gewonnen. Diese betreffen technische Verbesserungen, Designvorschläge für die Brille und Bedienelemente sowie wichtige Inputs für eine Kauf- und Mietvariante.

Als nächsten Schritt plant Bonusfilm durch die erworbenen Erkenntnisse den Produktionsprozess für den neuen Protoyp zu starten. Nach dessen Fertigstellung beginnt gemeinsam mit Kinobetreibern der digitalen Kinos eine Testphase. In diesem Zeitraum können User schon vor Ort unter realen Bedingungen die Brille verwenden. Für diese Phase sind 2-3 Brillen pro Kino geplant. Vor Beginn der Serienproduktion sind noch weitere Usability Tests angedacht.

Stephan Izay | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.cure.at

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