Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherer im Schnee

06.01.2010
Abseits der Pisten durch den Tiefschnee fahren, ist für viele ein Traum. Doch wenn der Skifahrer ein Schneebrett auslöst, wird das elegante Schwingen zum Alptraum. Eine Fernauslösung für Lawinenairbags soll die Sicherheit künftig erhöhen.

Glitzernde Weite, strahlend blauer Himmel. Der Skilehrer skizziert kurz die Route und der erste Teilnehmer schwingt ins endlose Weiß. Dabei löst er ein Schneebrett aus. Hilflos sehen die Kursteilnehmer, wie der Freund unter Schneemassen begraben wird.


Zwei Airbags in einem Rucksack sorgen bei einem Lawinenunglück für guten Auftrieb des Skifahrers und damit für bessere Sicherheit. © ABS-Aschauer

Diese Situation ist nahezu klassisch, weiß Bernhard Budaker vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Die Forscher haben für die ABS Peter Aschauer GmbH ein neues Lawinen-Airbagsystem entwickelt. Elektronik sorgt dafür, dass der Skilehrer oder die -kameraden den Airbag, den der Fahrer im Rucksack auf dem Rücken trägt, aus der Ferne starten können. Der Lawinenschutz ist seit Dezember 2009 im Handel.

Lawinenairbags sind seit mehr als 25 Jahren im Einsatz. Ein Zug am Auslösegriff des Rucksacks reicht, um blitzschnell zwei Airbags aufzublasen. Durch die massive Erweiterung des Volumens erhält der Körper Auftrieb. Die Person wird nicht mehr komplett verschüttet, das Verletzungsrisiko reduziert. 98 Prozent der Skifahrer mit Airbag haben bisher ein Lawinenunglück überlebt, 90 Prozent davon völlig unverletzt.

Das Problem: Der Griff musste bisher selbst gezogen werden. »Merkt der Skifahrer zu spät, dass er eine Lawine ausgelöst hat, hilft ihm auch der Airbag nichts«, erklärt Budaker. Der Gruppenleiter und sein Team haben für ABS die bisher manuelle Auslösung mit einer Elektronik und einem neuen Zünderkonzept versehen: »Wir haben den Auslösegriff so umgestaltet, dass ein Teil der Elektronik darin Platz findet und der Airbag jetzt auch von anderen Gruppenmitgliedern ausgelöst werden kann. Alle alten Systeme können problemlos nachgerüstet werden.« Bisher wird eine Druckwelle im Schlauch erzeugt, wenn man am Griff zieht, die Gaspatrone wird angestochen, die Airbags entfalten sich. Jetzt sorgt ein Pyroelement dafür, dass die Gaspatrone zündet.

Die Elektronik macht es außerdem möglich, dass sich die Airbags der Skifahrergruppe vernetzen können. »Wir senden auf 868 und 915 Megahertz. Mit der optischen Programmierschnittstelle lassen sich feste Gruppen definieren. Die Teilnehmer müssen dazu einfach ihre Griffe einmal aneinander halten und schon gehören sie zusammen«, sagt der Experte. Eine Möglichkeit: Der Skilehrer fungiert als »Master«, die Schüler als »Slaves«. Dann kann nur der Master die Schülerairbags auslösen. Per Definition können aber auch alle Master sein und sich gegenseitig im Notfall helfen. Die Reichweite der Signale liegt derzeit zwischen 350 und 500 Metern und lässt sich, da jedes Gruppenmitglied das Signal weitergibt, noch verlängern. Da jeder einzelne Griff das Signal weitersendet, kann der letzte Fahrer den ersten erreichen.

Bernhard Budaker | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/01/airbackrucksack.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Neu entwickelter Therapiesitz hilft beeinträchtigten Menschen
18.05.2017 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Schnell schweben: Studierende konstruieren Transportkapsel
04.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

NASA looks to solar eclipse to help understand Earth's energy system

21.07.2017 | Earth Sciences

Stanford researchers develop a new type of soft, growing robot

21.07.2017 | Power and Electrical Engineering

Vortex photons from electrons in circular motion

21.07.2017 | Physics and Astronomy