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Roboteranzug hilft Querschnittsgelähmten: mehr Mobilität und Aktivität im Alltag

19.05.2014

Wieder gehen zu können, bleibt für Querschnittgelähmte meist ein unerfüllter Traum. Der Roboteranzug HAL kann Betroffenen zumindest zu mehr Mobilität und Aktivität verhelfen. Seit 2011 erprobt ein Expertenteam am Zentrum für Neurorobotales Bewegungstraining (ZNB) in Bochum das in Japan entwickelte Exoskelett. Mit guten Ergebnissen.

Abgeschwächte Signale


Langsam setzt die junge Frau einen Fuß vor den anderen. Den Blick konzentriert nach vorne gerichtet, die Hände auf die Haltestangen des Laufbandes gestützt. Von der Hüfte abwärts sind weiße Kunststoffglieder, ähnlich wie die eines Roboters, mit Klettverschlüssen an ihren dünnen Beinen befestigt, ihre Füße stecken in klobigen weißen Schuhen. Bei jedem Schritt, den die Frau auf dem Laufband macht, sind leise motorische Geräusche zu hören. Sie stammen von HAL, dem Roboteranzug. Ohne ihn wäre Laufen für die junge Frau nicht möglich – sie ist querschnittsgelähmt.

Eine Querschnittslähmung ist in der Regel die Folge von verletzten Nervenstrukturen im Rücken. Um eine Bewegung auszuführen, schickt das Gehirn ein Signal über das Rückenmark und die umliegenden Nerven in einen Muskel – zum Beispiel in einen Arm oder ein Bein. Einem gelähmten Patienten stehen aber – durch seine Verletzung – nur abgeschwächte Signale im Muskel zur Verfügung. Die Folge: Das Signal kommt nicht im Bein oder im Arm an.

Muskelrestfunktionen aktivieren

Hier setzt der Roboteranzug HAL an: Er kann die abgeschwächten Signale über Sensoren, die auf der Haut des Patienten befestigt sind, aufnehmen und so seine Motoren im Hüft- und Kniegelenksbereich in Aktion setzen. HAL übernimmt also für den Patienten die Bewegung: durch die direkte Ankopplung an das eigene Nervensystem. „Wir möchten so die Muskelrestfunktionen aktivieren, ausbauen und die Patienten auf ein besseres Aktivitätsniveau bringen“, erklärt Professor Schildhauer, Ärztlicher Direktor des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil.

Besser im Alltag agieren

In den klinischen Studien am ZNB möchte das Expertenteam unter anderem herausfinden, wie viel die Patienten idealerweise trainieren müssen und wie lange der Trainingseffekt anhält. Sie führen einen Trainingszyklus von drei Monaten durch, mit fünf Einheiten in der Woche. Mit guten Ergebnissen: „Unsere Patienten erreichen ein Aktivitätsniveau, mit dem sie besser in ihrem Alltag und in ihrem Umfeld agieren können. Und dadurch trainieren sie Bewegungsabläufe jeden Tag weiter“, erklärt Professor Schildhauer. War ein Patient dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen, kann er nach der dreimonatigen Trainingsphase beispielsweise kurze Strecken am Rollator gehen.

Einmalig in Deutschland

In Deutschland ist das Bergmannsheil die einzige Klinik, an der der Roboteranzug erprobt wird. In Japan stehen ähnliche Anzüge in etwa 200 geriatrischen Rehazentren zur Verfügung. Langfristiges Ziel ist es, HAL in Deutschland auf den Markt zu bringen, damit er möglichst vielen Menschen als Therapieinstrument helfen kann. Bevor die Anwendung allerdings ins Abrechnungssystem der Krankenkassen kommt, müssen fundierte Daten vorliegen, was erst durch weitere Studien möglich wird.

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Thomas A. Schildhauer, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil, Chirurgische Klinik und Poliklinik, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/ 302-6502 oder -6501, E-Mail:
Chirurgie@bergmannsheil.de

Redaktion: Dr. Maren Volkmann

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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