Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuroprothesen erleichtern den Alltag von Querschnittgelähmten

29.05.2015

Die Greiffunktion der Hand wieder erlangen: Eine am Universitätsklinikum Heidelberg entwickelte Neuroprothese macht es möglich / Querschnittambulanz sucht als Studienteilnehmer Querschnittgelähmte mit einer Tetraplegie

Wenn Menschen mit einer Querschnittlähmung Arme und Beine nicht mehr bewegen können, spricht man von einer Tetraplegie. Die Lebensqualität solcher Patienten ist enorm eingeschränkt, da sie immer und überall auf fremde Hilfe angewiesen sind.


Dr. Rüdiger Rupp, Klinik für Paraplegiologie des Universitätsklinikums Heidelberg, (rechts im Bild) mit Neuroprothesennutzer Sasa Blagojevic.

Universitätsklinikum Heidelberg

Die Klinik für Paraplegiologie am Universitätsklinikum Heidelberg hat jetzt eine Neuroprothese entwickelt, die mit Hilfe der Funktionellen Elektrostimulation (FES) die Armnerven stimuliert. Durch die Kontraktion der entsprechenden Muskeln können Handbewegungen wieder hergestellt werden.

Die Neuroprothese besteht aus einem Elektrodenhandschuh, einer Stimulations- und Kontrolleinheit. Der Patient steuert seine Hand über Schulterbewegungen. Diese misst ein Sensor, der auf der Haut der gegenüberliegenden Schulter aufgeklebt wird.

Mit diesem Schulterjoystick kann der Grad der Handöffnung und die Greifstärke gesteuert, aber auch zwischen verschiedenen Griffmustern gewechselt werden. Auch kann das komplette System so ein- und ausgeschaltet werden.

Querschnittgelähmte mit Tetraplegie für Studie gesucht

Im Rahmen einer Studie werden Querschnittgelähmte mit eingeschränkter oder fehlender Handfunktion in einer speziellen Querschnittambulanz mit Neuroprothesen versorgt. Diese testen die Nutzer zuhause in ihrem Alltag und geben den Wissenschaftlern Rückmeldung. Bisher waren alle Tests erfolgreich und die Patienten zufrieden:

„Die Nutzer konnten mit der Neuroprothese eine Gabel greifen und somit selbstständig essen. Auch das Schreiben mit einem Stift war möglich. Ebenso konnten die Betroffenen nach größeren Gegenständen greifen, beispielsweise nach einem Glas Wasser“, erklärt Dr. Rüdiger Rupp, Projektverantwortlicher und Leiter der Experimentellen Neurorehabilitation an der Universitätsklinik für Paraplegiologie. Die Patienten gewinnen somit wieder an Lebensqualität. Die Kosten für die Neuroprothese übernehmen in der Regel die Krankenkassen.

Zukünftig soll die Neuroprothese mit Gehirnströmen gesteuert werden

Seit kurzem läuft ein neues Projekt am Querschnittzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg: „MoreGrasp“ wird von der Europäischen Union mit insgesamt 3,5 Mio. Euro gefördert. Ziel des internationalen MoreGrasp Konsortiums ist es, die bisherigen Einschränkungen der Greifneuroprothese zu überwinden. Hierzu sollen neue Komponenten zugefügt werden.

„Bisher werden die Prothesen mittels Schulterbewegungen gesteuert, das Ganze soll künftig intuitiver funktionieren“, erklärt Dr. Rupp: „Unsere Handbewegungen werden ja vom Gehirn aus gesteuert. Inzwischen stehen uns sogenannte Gehirn-Computer-Schnittstellen zu Verfügung, mit denen wir die Bewegungsabsicht über Elektroden auf dem Kopf erkennen können.

Der Traum, den wir nun versuchen umzusetzen, ist, dass in Zukunft querschnittgelähmte Menschen allein über einen Gedanken ihre Handbewegung ausführen können.“ Das Besondere an dieser neuen Neuroprothese wäre, dass die Patienten erstmals beide Hände gleichzeitig kontrollieren können. Auch Menschen mit einer sehr hohen Querschnittlähmung – bei denen neben der Handfunktion auch die Ellenbogen- und Schulterfunktion beeinträchtigt ist – könnten von dem neuen MoreGrasp-System profitieren, da keine Schulterbewegungen mehr zur Steuerung benötigt werden.

Interessierte Patienten können sich direkt an die Querschnittambulanz wenden:
Tel.: 06221 56 - 26322
E-Mail: petra.rauch@med.uni-heidelberg.de

Kontakt für Journalisten:
Dr. Rüdiger Rupp
Experimentelle Neurorehabilitation
Klinik für Paraplegiologie
Universitätsklinikum Heidelberg
E-Mail: ruediger.rupp@med.uni-heidelberg.de
Telefon: 06221 56 29230

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Weitere Informationen:

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Neuroprothese.132643.0.html Informationen über die Studie zur Verbesserung der Greiffunktion bei Tetraplegikern mittels Neuroprothesen, mit Videos
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.115090.0.html Klinik für Paraplegiologie des Universitätsklinikums Heidelberg
http://www.moregrasp.eu/ Webseite des MoreGrasp Projekts

Julia Bird | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Neu entwickelter Therapiesitz hilft beeinträchtigten Menschen
18.05.2017 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Schnell schweben: Studierende konstruieren Transportkapsel
04.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise