Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

«Magic tent» für Alpinisten

24.09.2015

In Zusammenarbeit mit dem Start-up «Polarmond» haben Empa-Forscher ein selbst aufwärmendes «All-in-one»-Zeltsystem entwickelt. Im Zelt soll, dank eines speziellen Entfeuchtungsmanagements und stufenloser Temperaturregelung, stets angenehmes Klima herrschen. Am Innovation Day von Swiss Textiles stellten die Partner das Zeltsystem vor.

Am Innovation Day des Textilverbands Schweiz hat das junge Start-up Polarmond kürzlich sein patentiertes «All-in-one»-Schlafsystem präsentiert. Dieses vereint Schlafsack, Liegematte und Biwak-Zelt in einem Produkt.


Schnittbild: Schlafhülle (dunkelblau) mit Reissverschluss-Lüftungsöffnung und Inlett (grün). Bild: Polarmond

Das Spezielle: Der geräumige Innenraum soll komfortables Schlafen wie zu Hause ermöglichen und sich bei Aussentemperaturen von bis zu minus 30 Grad lediglich mit der eigenen Körperwärme aufheizen lassen. Das gelingt dank einer speziellen Isolationsschicht.

Die Empa-Forscher Martin Camenzind und Matthew Morrissey unterstützten Polarmond bei der Suche nach geeigneten Materialien und halfen, das Problem der thermischen Isolation und der Entfeuchtung zu lösen.

Die grosse Herausforderung bei der thermischen Isolation war die Grösse des zu isolierenden Raumes. Trotz des geräumigen Innenraums muss das Gewicht des Gesamtsystems nämlich möglichst tief gehalten werden, um für Trekker und Bergsteiger attraktiv zu sein.

«Ein Innenraum dieser Grösse ist nicht die einfachste Variante für ein möglichst leichtes Produkt», erklärt Camenzind. «Die Isolationsschicht direkt am Körper zu haben, wäre effizienter.» Auf Grund einiger solcher, sich teilweise widersprechender Anforderungen gaben Morrissey und Camenzind dem Schlafsystem anfänglich den Namen «magic tent».

Die Empa-Forscher kombinierten Ansätze, Materialien und Techniken aus den verschiedensten Bereichen auf innovative Art und Weise. «Wenn man neue Lösungen finden will, muss man ausserhalb der gängigen Methoden denken», meint Camenzind. Also entwickelten die beiden Forscher für die Isolation eine sogenannte Sandwich-Konstruktion. Diese besteht aus einer bauschfähigen Synthetik-Füllung und reflektierenden Schichten, welche auch in Raumanzügen zur Anwendung kommen. So wurde, Schritt um Schritt, aus dem «magic tent» ein «real tent».

Die Schwierigkeit beim Umgang mit der Feuchtigkeit war, dass man diese zwar vom Körper weg bringen wollte, gleichzeitig aber die Isolationsschicht trocken halten musste. Ein spezielles Inlett, eine Art Decke, löst dieses Problem teilweise. Die am Körper liegende Seite besteht aus einer atmungsaktiven Schicht, die Wasserdampf durchlässt. Nach aussen hin, also zum Innenraum, ist das Inlett aber dicht. Die Feuchtigkeit wird sozusagen im Inlett eingeschlossen und kann am Morgen ganz einfach in Form von Wassertropfen oder Eiskristallen ausgeschüttelt werden.

Da das Inlett allerdings keine geschlossene Hülle ist wie ein Schlafsack, sondern «nur» eine Decke, ist ein Luft- und somit auch ein Feuchtigkeitsaustausch im Innenraum unvermeidbar. Damit die Isolationsschicht trotzdem trocken bleibt, wurde sie auf der Innenseite des Schlafraums mit einer wasserdampf-undurchlässigen Schicht ausgestattet.

Die Restfeuchtigkeit wird von der aufgewärmten Luft im Schlafraum aufgenommen und kann über eine Reissverschluss-Lüftungsöffnung entweichen. Über diese kann im Schlafraum bei Veränderung der Aussentemperatur gleichzeitig auch eine annähernd konstante Temperatur erreicht werden. Dadurch wird das Schwitzen eliminiert.

Goldmedaille der Messe «Outdoor 2015»

Nicht zuletzt dank dem Beitrag der Empa-Forscher konnte Polarmond an der europäischen Leitmesse «Outdoor 2015» den Gold Industrie Award gewinnen. Der Preis gilt international als eine der höchsten Auszeichnungen, die ein Unternehmen der Outdoor-Branche erlangen kann. Er wird jedes Jahr an der Outdoor-Messe in Friedrichshafen (D) vergeben. «In dieser Entwicklung des «All-in-one»-Schlafsystems von Polarmond steckt das gesamte Forschungs-Know-how der letzten 20 Jahre», lobte die Jury und fügte hinzu, das modular aufgebaute System sei innovativ und extrem funktionell. Es berücksichtige alle Faktoren, die das Schlafen draussen und bei allen Bedingungen mit sich bringt, und stimme diese aufeinander ab.

Nun gilt es für das Unternehmen mit evaluierten Materiallieferanten Verträge zu unterzeichnen. Ausserdem müssen noch einige Details verbessert werden, so Polarmond-CEO Walter Krummenacher. «Wir sind schon sehr zufrieden, aber noch nicht ganz am Ende.» Läuft alles wie geplant, kommt das «All-in-one»-Schlafsystem ab März 2016 auf den Markt.

Weitere Informationen:

http://www.empa.ch/plugin/template/empa/3/161433/---/l=1

Rainer Klose | EMPA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Neu entwickelter Therapiesitz hilft beeinträchtigten Menschen
18.05.2017 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Schnell schweben: Studierende konstruieren Transportkapsel
04.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften