Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entwickeln aufblasbaren Weltraumaufzug

18.06.2009
Höhen von 20 bis 200 Kilometer über dem Erdboden erreichbar

Kanadische Forscher haben ein Design für einen aufblasbaren Weltraumaufzug entwickelt. Ein erster Prototyp soll es möglich machen, Ausrüstung und Personen 20 Kilometer (km) über die Erdoberfläche zu bringen. "Langfristig könnten wir uns vorstellen, auf bis zu 200 km vorzustoßen", sagt Projektleiter Brendan Quine, Associate Professor of Space Physics an der York University.

Das Konzept könnte deutlich leichter zu realisieren sein als die gängige Vision eines "Space Elevators". Denn diese erfordert ein hochreißfestes Kabel, dass vom Boden bis in die geostationäre Umlaufbahn - 35.786 km über der Erdoberfläche - reicht.

"Prinzipiell spricht aus heutiger Sicht nichts dagegen, dass auch ein solcher Space Elevator realisierbar ist", meint Andreas Hein, Gründer des Space Elevator Teams bei der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt http://www.warr.de , im Gespräch mit pressetext.

Die kanadische Entwicklung setzt auf eine frei stehende Kevlar-Konstruktion aus einer Reihe von pneumatisch aufgeblasenen Elementen, gefüllt mit leichten Gasen wie Wasserstoff oder Helium. Das Design wurde kürzlich in der Fachzeitschrift Acta Astronautica vorgestellt. "Interessant sind dabei besonders die vorgeschlagenen Stabilisierungsmethoden, denn die Idee selbst ist nicht mehr neu", meint Hein. Die Kanadier haben bereits ein sieben Meter hohes Maßstabsmodell aus sechs Modulen gebaut, berichtet NewScientist.

Ein Turm mit 20 km Höhe - die mit einem Prototypen erreicht werden sollen - könnte eine spektakuläre Aussichtsplattform ergeben und mit 200 km würde immerhin die Untergrenze des sogenannten Low Earth Orbit erreicht, der sich bis etwa 1.200 km Höhe erstreckt. In diesem Höhenbereich befinden sich etwa die Internationale Raumstation ISS (350 km mittlere Höhe) und eine Reihe von Forschungs- oder Spionagesatelliten.

"Für echte Raumfahrt sind 200 km Höhe immer noch nahezu irrelevant, weil man damit hauptsächlich Verluste durch den atmosphärischen Luftwiderstand einspart", betont Hein. Die erreichte Geschwindigkeit von Objekten wäre aber immer noch ein relativ geringer Teil jener, die für einen geostationären Orbit erforderlich ist - jene Art der Umlaufbahn in fast 36.000 Kilometern Höhe, in der sich etwa TV- und viele Kommunikationssatelliten befinden. Vom wirklichen Verlassen des Erdschwerefeldes für Raumflüge in die Tiefen des Sonnensystems wäre auch aus 200 km Höhe noch ein massiver Energieaufwand nötig. Für solche Anwendungen wäre ein Weltraumaufzug mit einem Kabel bis in den geostationären Orbit wesentlich interessanter, da er Material deutlich günstiger in zehntausende Kilometer Höhe bringen könnte als Raketen.

Das Kabel für einen solchen Space Elevator müsste eine deutlich höhere Zugfestigkeit aufweisen, als es mit derzeitigen Materialien möglich. In der Forschung wird speziell auf Entwicklungen auf Basis von Kohlenstoff-Nanoröhren gesetzt. Das war im Dezember 2008 ein Thema der 2nd International Conference on Space Elevator and Carbon Nanotube Tether Design der European Spaceward Association http://eurospaceward.org . "Die Materialwissenschafter waren dort zuversichtlich, dass die erforderliche Zugfestigkeit erreichbar ist", meint Hein. Allerdings gäbe es noch viele Fragen rund um das Konzept eines solchen Weltraumaufzugs, die noch genauer untersucht werden müssten.

Ein Beispiel dafür sei der Einfluss anderer Himmelskörper, beispielsweise des Mondes, auf das lange Kabel. Wann ein Space Elvator Realität werden könnte, ist noch unklar. "Bei einer derart komplexen Entwicklung sind zuverlässige Prognosen sehr schwer. Da geht es um recht lange Zeithorizonte - ähnlich wie bei kommerziellen Fusionskraftwerken, die trotzt jahrzehntelanger Forschung nur langsam näherrücken", meint Hein abschließend.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.yorku.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Elektrischer Antrieb zum Mitnehmen
01.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Gesünder Laufen mit smarter Socke
31.01.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive

Nanoinjektion steigert Überlebensrate von Zellen

22.02.2017 | Physik Astronomie