Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dauerflug-Weltrekord für Quadrocopter

05.11.2010
TUM-Ausgründung Ascending Technologies

Für Sicherheitsbehörden wie Polizei oder Feuerwehr, aber auch für viele andere Einsatzfelder werden Quadrocopter immer mehr zu einem wichtigen Hilfsmittel wenn es darum geht, einen Überblick zu bekommen.


Quadrocopter des Typs AscTec Pelican

Bisher ist die Flugzeit der kleinen Helikopter jedoch auf etwa 20 Minuten beschränkt. Einen Durchbruch stellt der gelungene Weltrekordversuch der beiden TUM-Absolventen Michael Achtelik und Jan Stumpf dar. Mit Hilfe eines Lasers der Firma LaserMotive LLC aus Seattle gelang es ihnen, ihren Quadrocopter mehr als 12 Stunden in der Luft zu halten.

Quadrocopter, kleine Hubschrauber mit vier Rotoren, sind dabei zu einem wichtigen Arbeitsgerät von Sicherheitsbehörden, Wissenschaftlern und Fotografen zu werden. In vielen Situationen würde ein Blick von oben wichtige Informationen liefern, ein großer Hubschrauber steht aber nicht zur Verfügung oder er wäre zu teuer. Hier ist das ideale Einsatzfeld für Quadrocopter. Platzsparend können sie in einem Auto transportiert werden, sie sind einfach zu fliegen und kostengünstig im Unterhalt. Das größte Problem sind bislang ihre kurzen Flugzeiten. Mit Nutzlast liegen sie bei etwa 20 Minuten, zur Überwachung einer mehrstündigen Großveranstaltung zu wenig.

Einen Ausweg aus dieser Situation weist nun der von einem Quadrocopter des Typs AscTec Pelican im Future of Flight Aviation Center in Mukilteo nahe Seattle aufgestellte Weltrekord. Gleich beim ersten Versuch gelang es, den kleinen Helicopter 12 Stunden, 26 Minuten und 56 Sekunden ununterbrochen in der Luft zu halten. Für seinen Rekordflug bezog er die Energie von Solarzellen, die vom Boden aus mit einem Laser angestrahlt wurden. „Dieser Rekordflug ist in jeder Hinsicht ein technologischer Durchbruch. Noch nie ist ein elektrisch betriebener Helikopter so lange am Stück autonom geflogen“ sagte Michael Achtelik, Geschäftsführer der Ascending Technologies GmbH, gestern nach seiner Rückkehr.

Möglich machte dies die elektrische Stromversorgung durch so genanntes Laser Power Beaming, einer Technologie der amerikanischen LaserMotive LLC, die bereits bei einem Wettbewerb der NASA ausgezeichnet wurde. Ein gerichteter Laserstrahl versorgt dabei das Fluggerät dauerhaft mit elektrischer Energie. Ein kleiner Akku an Board dient als Speicher der während des Fluges aufgeladen wird. Für einige Minuten ermöglicht er auch das Fliegen außerhalb des Laserstrahls.

Für den Rekordflug montierten Michael Achtelik und Jan Stumpf Solarzellen von LaserMotive unter ihren Quadrocopter, die diesem eine Dauerleistung von etwas mehr als 160 Watt zur Verfügung stellten. Außerdem rüsteten die Techniker den kleinen Hubschrauber mit entsprechender Leistungselektronik und einer hochpräzisen, autonomen Positionsregelung aus.

Der Flug in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober erfolgte ohne jegliche Probleme. „Wir waren begeistert von der Zuverlässigkeit und Präzision aller Komponenten. Sowohl der 600 Watt-Laser als auch das Flugsystem sowie der Autopilot arbeiteten die ganze Nacht perfekt! Für uns als Sicherheitspiloten war es ein sehr langweiliger Job. Als Ingenieur jedoch ein einmaliges Erlebnis.“ sagte Michael Achtelik, Geschäftsführer bei Ascending Technologies.

Den Weltrekord für elektrisch angetriebene Starrflügler hält derzeit das unbemannte Kleinflugzeug Zephyr des britischen Herstellers QinetiQ. Im Juli dieses Jahres flog der Zephyr 336 Stunden am Stück, tagsüber betrieben von Solarzellen und nachts von Strom aus Akkumulatoren. Auch der Schweizer Forscher und Abenteurer Bertrand Picard plant mit seinem Projekt Solar Impulse, einem bemannten Solar-Flugzeug mit 64 Metern Spannweite, einen Langstreckenflug rund um die Erde. Für elektrisch betriebene Drehflügler ist der Flug über 12 Stunden jedoch eine Sensation. Für Benzin betriebene Hubschrauber liegt der Rekord derzeit bei 18,7 Stunden, gehalten von einer Boeing A160T Hummingbird, einem unbemannten Hubschrauber der Klasse bis 2,5 Tonnen.

Drei der vier Gründer der Ascending Technologies GmbH sind Absolventen der Fakultät für Maschinenwesen der Technischen Universität München, mit der sie über gemeinsame Forschung auch weiterhin eng verbunden ist. Schon während ihrer Studienzeit arbeiteten die Gründer an Quadrocopter-Systemen und gewannen bereits mehrere nationale und internationale Wettbewerbe und Auszeichungen. Auch in der Vermarktung ihrer Fluggeräte sind die Gründer erfolgreich: Inzwischen beschäftigt die AscendingTechnologies GmbH 13 Mitarbeiter.

Dr. Andreas Battenberg | Technische Universität München
Weitere Informationen:
http://www.asctec.de
http://www.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Wissenschaftler entwickeln Rollstuhl, der Treppen steigen kann
30.11.2016 | Technische Universität München

nachricht AER – ein fotografierender Schaumstoffpfeil
04.11.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie