Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besser laufen mit dem Sportschuh ohne Hacke

19.12.2008
Magdeburger Wissenschaftler helfen neuartigen Sportschuh zu entwickeln

Das KAT-Kompetenzzentrum Ingenieurwissenschaften/ Nachwachsende Rohstoffe der Hochschule Magdeburg-Stendal ist Forschungspartner in einem EU-Projekt zur Entwicklung eines innovativen Sportschuhs. Drei Magdeburger Wissenschaftler prüfen seit September die mechanische Eignung neuer Verbundmaterialien für den etwas anderen Laufschuh.


Foto: Adri Hartveld

In knapp zwei Jahren soll der hackenlose Sportschuh mit geringem Gewicht, günstigem Preis und guter Ökobilanz marktreif sein.

Joggen ist gesund - meistens jedenfalls. Während die positiven Effekte für den Kreislauf, den Kalorienverbrauch und das allgemeine körperliche Wohlbefinden meist unbestritten sind, können Fehlbelastungen, harte Untergründe und ungeeignetes Schuhwerk auch Probleme verursachen: Schmerzen in Fuß- Knie- und Hüftgelenken bis hin zu Wirbelsäulenproblemen zwingen viele Freizeitsportler zur Aufgabe.

Adri Hartveld aus Newcastle under Lyme, selbst passionierter Läufer, kennt aus seiner 25-jährigen Berufspraxis als Physiotherapeut viele solcher Beispiele. Zahlreiche eigene Teilnahmen an nationalen und internationalen Laufwettbewerben nutzte er quasi "nebenbei" für systematische Beobachtungen der Laufszene in Europa. Die Erkenntnis: viele (Freizeit-) Sportler laufen mit einer zu harte Belastung der Ferse (so genannter "heel strike"), welche dann unmittelbar an die Gelenke weitergegeben wird und die beschriebenen Probleme verursachen kann.

Die Idee: Verhinderung des "heel strike" durch einen Schuh, der das harte Aufsetzen der Ferse auf den Boden verhindert - der hackenlose Sportschuh (heelless shoe) war in Gedanken fertig. Es folgten zahlreiche Überlegungen, wie die Idee praktisch in einen Laufschuh umgesetzt werden kann. Der erste Prototyp entstand in der eigenen Werkstatt. Zahlreiche Trainingskilometer, Gespräche mit anderen Sportlern, Medizinern und schließlich auch Materialwissenschaftlern ließen die Entscheidung reifen, aus der inzwischen schutzrechtlich gesicherten Idee ein marktfähiges Produkt zu entwickeln.

Der Hauptunterschied zu "gewöhnlichen" Sportschuhen liegt in einer besonderen Sohlenkonstruktion. Für deren Realisierung sind spezielle Materialien erforderlich. Über ein Technologieangebot des IRC INSSA wurde Adri Hartveld auf ein naturfaserverstärktes Verbundmaterial aufmerksam, eine Materialgruppe an der an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) intensiv geforscht wird. Nach der Verarbeitung erster Materialproben wurde klar, dass solch ein Verbundmaterial potenziell für die Sohle geeignet ist. Gegenüber anderen Alternativen sind vor allem die mögliche Gewichtsersparnis, der günstige Preis und die gute Ökobilanz des Materials überzeugende Argumente.

Eine Technologie die von dem Unternehmen Zwartz, einem Hersteller von Naturfasergeweben und dem Ingenieurbüro KIEM entwickelt und angeboten wird, ermöglicht es Adri Hartveld kohlefaser- oder glasfaser-verstärkte Polymere durch Biopreg® , ein naturfasergewebeverstärktes Verbundmaterial zu ersetzen. Mit dem Biopreg®-Material besteht die potenzielle Möglichkeit Sohlen zu konstruieren, die besser, steifer, preisgünstiger und umweltfreundlicher sind, als dies mit marktüblichen naturfaserverstärkten Materialien (z. B. aus der Automobilindustrie) derzeit möglich ist. Ursache dafür ist die Verwendung orientierter Fasern in den Geweben.

Mit Hilfe eines erfahrenen Koordinators wurde ein Konsortium aus sechs KMU und fünf Forschungseinrichtungen zusammen geführt, in dem die gesamte Wertschöpfungskette des Produktes (von der Materialbereitstellung bis zur Vermarktung) abgebildet ist. Die Projektteilnehmer kommen aus Großbritannien, den Niederlanden, Spanien, Polen und Deutschland.

Innerhalb von zwei Jahren soll der neue Laufschuh bis zur Marktreife entwickelt werden. Das Projekt wird von der EU im Programm Forschung für kleine und mittlere Unternehmen (Research for SME) innerhalb des 7. Forschungsrahmenprogramms (HEELLESS 222468) gefördert.

Kontakt für Nachfragen der Medien:
Dr. Peter Gerth,
Tel.: 0391-886 44 67
peter.gerth@hs-magdeburg.de

Norbert Doktor | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-magdeburg.de/forschung/kat/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Roboter schafft den Salto rückwärts
17.11.2017 | Boston Dynamics

nachricht Neu entwickelter Therapiesitz hilft beeinträchtigten Menschen
18.05.2017 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Fraunhofer HHI erhält AIS Technology Innovation Award 2018 für 3D Human Body Reconstruction

17.01.2018 | Förderungen Preise